Informationen zum GenFeld in Gusow

 

de.indymedia.org - 11.08.2005

Genfeld über Nacht weitgehend zerstört

Am 31. August fanden die Proteste gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen ihren bisherigen Höhepunkt. In Brandenburg gab es ein Aktionscamp und den Versuch in einer öffentlich angekündigten "Aktion Zivilen Ungehorsams": Ein Gen-Mais-Acker sollte "freiwillig selbst befreit" werden. Selbst ein von massiven Übergriffen überschatteter Polizeieinsatz (mehr als 80 Gewahrsamnahmen, Hundebiß, Gefangennahme eines Journalisten) konnte die teilweise Zerstörung des Ackers nicht verhindern (vgl. http://www.gendreck-weg.de).

Angesichts von Polizeigewalt und Repression haben einige der Gen-Gegner jetzt offensichtlich ihre Strategie geändert. Das legt jedenfalls die Form der Aktion "Bio für alle statt Gendreck-Profite für Wenige" nahe, wie sie in der vergangenen Nacht stattfand. Ein 7,5 Hektar großes Feld im Oderbruch mit genmanipuliertem Mais des Monsanto-Konzerns wurde weitgehend zerstört. Mit dem großflächigen Anbau, der bundesweit in Brandenburg einen Schwerpunkt hat, wollen die Gen-Bauern, die eng mit dem Agro-Konzern kooperieren, "Erfahrungen sammeln", um dem Anbau von genmanipuliertem (GMO) Saatgut auch in Europa und in Deutschland endlich zum Durchbruch zu verhelfen. Und dies gegen den Willen von seit Jahren stabil mehr als 70% der Gesamtbevölkerung. Gegner der Freisetzung von GMO kritisieren die Profitmaximierungsstrategien der Agro-Konzerne. Sie lassen ihr patentiertes Gensaatgut anpflanzen und verklagen dann benachbarte Bauern, auf deren Felder sich das manipulierte Erbgut ausgebreitet hat, auf Lizenzzahlungen. Wenn dann in ganzen Regionen keine verunreinigungsfreie Landwirtschaft mehr möglich ist, müssen alle die Lizenzgebühren für die Genmanipulation bezahlen, ob sie es wollen oder nicht. So wollen die Global Players des Agro-Business (z.B. Monsanto) über die Etablierung ihrer patentgeschützten Sorten ihre Kontrolle auf die gesamte Landwirtschaft ausdehnen.

Bio-Bauern stört die technische Logik der Gen-Industrie. Sie sehen Käfer wie den Maiszünsler, den das manipulierte Gen im Brandenburgischen Genmais bekämpfen soll, nicht als Schädlinge sondern als Indikatoren. Hat ein Landwirt Probleme mit dem Maiszünsler, dann hat er in ihren Augen handwerkliche Fehler gemacht. Pestizideinsatz hingegen - ob als Chemikalie von aussen oder per Genmanipulation von innen - führt mittelfristig nur zur Immunisierung der "Schädlinge" und damit entweder zu immer höheren Ernteverlusten oder zur Notwendigkeit immer mehr Gift auf der Fläche auszubringen.

Dann gibt es die unerwarteten Seiteneffekte: Honigproduzenten verweisen auf die negativen Erfahrungen im Ausland: Langnese kann keinen GMO-freien Rapshonig mehr aus Kanada importieren, weil dort - selbst wenn es ein Bauer wollte - kein GMO-freier Raps mehr geerntet werden kann. Auch im Inland gibt es erste vergleichbar negative Auswirkungen: Brandenburgische Imker können ihren Honig nicht mehr verkaufen, weil sie ihn auf grund der Verunreinigung durch GMO deklarieren müßten und die Kunden keinen genmanipulierten Honig kaufen wollen.

Soviel zum Hintergrund der Gentechnik in der Landwirtschaft, vor der die nächtliche "Feldbefreiung" stattfand. Der folgende Abschnitt dokumentiert ein Schriftstück, in dem sich die für die Aktion verantwortliche Gruppe erklärt:


----Dokumentation Anfang----

Bio für alle statt Gendreck-Profite für Wenige

Wir haben heute in den frühen Morgenstunden vollendet, was am Aktionstag "Gendreck weg" am 31. Juli von einigen Hunderten Aktivisten trotz massiver Bullenpräsenz begonnen wurde: In der Nähe des Brandenburgischen Örtchens Gusow im Landkreis Märkisch Oderland gab es bis gestern einen Acker mit gen-manipuliertem Mais. Dort wurden von uns heute Nacht mit bloßen Händen und Füßen einige nicht zu übersehende Schneisen in die Pflanzung gelegt. Damit haben wir eines der gemeinsamen Ziele erreicht, um die es der Bewegung für menschengemäße Landwirtschaft und Ernährung und gegen Gen-Manipulation geht: Wir haben das Propaganda-Experiment verunmöglicht, mit dem die Agro-Industrie der Bevölkerung weismachen will, wie toll ihr Gendreck doch ist.

Für uns ist es unerträglich, dass unter dem Vorwand der Wissenschaftlichkeit Fakten geschaffen werden: Durch die Genfelder wird eine Risikotechnik gegen den Willen der überwiegenden Bevölkerung etabliert. Pollen fliegen überall hin, Bienen lassen sich weder durch Selbstverpflichtungen noch durch Gesetze kontrollieren.

Wir wissen nicht alles über Gene, ihre Manipulation im Labor und die Folgen der Freisetzung manipulierter Organismen in die Natur - aber das behaupten wir auch gar nicht. Die Gegenseite hingegen lügt, wenn sie sagt, sie wisse und könne kontrolieren, was sie tue.

Wir finden es unerträglich, dass die Gen-Industrie Fakten schafft, ohne über die mittel- und langfristigen Auswirkungen der Genmanipulationen in Natur und Menschen zweifelsfrei Rechnung ablegen zu können. An dieser Unverantwortlichkeit für die Folgen des eigenen Tuns entpuppt sich das eigentliche Interesse: Es geht ihnen um die Umstrukturierung der Landwirtschaft, damit sie auch auf diesem Feld ohne Einschränkung (etwa durch Gesundheits- oder Arbeitsstandards) Profite machen können.

Die Ergebnisse dieser Profitmaximierungspolitik von Monsanto und Konsorten sind aus einigen Ländern des Trikont (Stichwort Mais aus Mexiko oder Reis aus Indien), aber auch aus den USA und Kanada (Raps) bekannt. Dennoch machen sie weiter mit ihrer menschen- und naturverachtenden Praxis. Dieser Praxis haben wir heute Nacht einen kleinen aber mehr als symbolischen Knüppel zwischen die Beine geworfen.

Wir grüßen alle die mit der offen angekündigten und mutig durchgeführten Aktion "Gendreck weg" unterwegs waren - aber auch alle anderen Gen-Technik-Gegner, die mit allen bürokratischen, legalen und legitimen Mitteln gegen die Gen-Konzerne und ihren Manipulationsdreck in der Landwirtschaft vorgehen. Offener ziviler Ungehorsam mit all der Bullen- aber auch Medienpräsenz ist ebenso wichtig wie ungestörte nächtliche Aktionen. Diskussionsveranstaltungen auf den Dörfern mit den Genbauern sind genauso wichtig wie permanente schriftliche Beschwerden bei allen Behörden und Verantwortlichen. Nur ein vielfältiger und vielförmiger Widerstand bleibt unberechenbar und stark. Das alles war erst der Anfang, wir kommen wieder - keine Frage.

Aktionsgruppe "Karl, der Käfer", 11.8.05

------Dokumentation Ende-----------


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