Bericht

Programm

Flyer (pdf)

Presse 12.07.2005

 

 

http://www2.moz.de/index.php/Moz/Article/id/76131 - 26.07.2005 (leider nicht mehr einsehbar)

Zeigen, wo der Gen-Mais jetzt wächst

Von Silke Müller
Märkisch-Oderland (MOZ) Das Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik ist zurzeit per Rad in Märkisch-Oderland auf Tour. Die Aktiven fahren von Maisfeld zu Maisfeld. Ziel sind Äcker, auf denen gentechnisch veränderter Mais angebaut wird. Das Aktionsbündnis will dagegen etwas unternehmen.

Und das gerade in einer Zeit, da Bauern wie Bürger gleichermaßen alarmiert sind, weil in Hohenstein bei Strausberg eventuell gleich ein ganzes Genmais-Feld "bearbeitet" werden soll, wenn sich am Wochenende dort Gegner dieser Technik zu einer Kundgebung treffen. Wohl auch deshalb hat die Polizei in Märkisch-Oderland ein besonders wachsames Auge auf die Radler. Sechs an der Zahl waren es am Sonntag, die von zwei Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei und einem Funkwagen der Seelower Wache begleitet wurden.

Die Radfahrer vom Aktionsbündis nehmen es gelassen. Seit sie am vergangenen Donnerstag in Strausberg aufgebrochen sind, um zuerst in Hohenstein ein Genmaisfeld anzusteuern, sind die Polizisten immer in ihrer Nähe. Auch in Heinersdorf, wo sie am Freitag waren, und am Sonnabend bei Schönfließ. Die Gruppe versteckt sich nicht. Im Internet hat sie - samt einer sehr genauen Angabe der Felder, die sie besuchen will - ihre komplette Radtour-Route veröffentlicht. "Uns geht es nicht darum, irgend etwas heimlich zu unternehmen. Wir wollen den Feldern, auf denen Genmais angebaut wird, ein Gesicht geben", sagt Thomas Janoschke vom Aktionsbündnis. Zwar sei dank EU-Zwang jetzt eine Liste aller Genmaisstandorte im Internet veröffentlicht worden, doch das allein reiche offenbar nicht. "Dort kann man den genauen Standort ermittelt, aber wer kennt sich schon aus mit den Flurstücken?", fragt Janoschka. Ihm und seinen Mitstreitern kommt es darauf an, dass die Leute mit denen ins Gespräch kommen, die Genmais anbauen. Bei einer Station auf ihrer Tour sei es so gewesen, dass direkte Feld-Anlieger nicht einmal gewusst hätten, dass neben ihnen gentechnisch veränderter Mais wächst.

In Altlangsow ist es anders. Hier hatte Greenpeace vor wenigen Monaten auf den Standort aufmerksam gemacht. Die Aktivisten von Greenpeace sind es auch, die dem Bernauer Aktionsbündnis Teststreifen zur Verfügung gestellt haben. "Damit lässt sich sehr einfach nachweisen, ob es sich um Genmais handelt oder nicht", erklärt Janoschka, der aus der heimischen Küche einen Mörser mitgebracht hat, zwei, drei Blattspitzen von den Maispflanzen als Proben nimmt, zerreibt, mit Wasser streckt und den Teststreifen mit der Mischung benetzt. Sekunden später verfärbt sich ein Markerstreifen rosa - der Beleg für gentechnische Veränderungen am Mais. Dem Abbrechen der Blattproben hat die Polizei zugestimmt. Im Vorfeld war der Besitzer des Feldes um Genehmigung gebeten worden.

Für die Bernauer Aktionsgruppe ist es wichtig, solche Proben zu nehmen. Nicht nur, weil ein etwa 20 Meter breiter Streifen konventionellen Maises ein Feld mit gentechnisch veränderten Pflanzen umringen muss, um Einkreuzungen an benachbarten Feldern zu verhindern. "Wir wollen später auch nachweisen, dass benachbarter Felder Einkreuzungen aufweisen, obwohl sie weit voneinander entfernt sind", erklärt Janoschka. Der Wind sorge - trotz aller Schutzmaßnahmen - für ein Weitertragen der Pollen des Genmaises.

Vorerst aber geht die Radtour weiter. Gestern führte sie nach Neutrebbin, heute nach Neureetz, morgen nach Bad Freienwalde. Und am Genmais-Feld schaut die Polizei stets nach dem Rechten.