Barnimer Aktionsbündnis gegen gentechnische Freilandversuche
Pressemitteilung (22.April 1998)
Rückfragen bitte an: Barnimer Aktionsbündnis, Dosto, Tel./Fax: 03338/5590
Protestwanderung und Feldbesetzung am Sonntag, 26.April, im Landkreis Barnim:

Gen-Acker bei Bernau soll besetzt werden

Gentechnik-KritikerInnen wollen Freisetzung von Mais in Schönfeld verhindern
Nach der Protestwanderung am Sonntag, 26.April, wollen Mitglieder des Barnimer Aktionsbündnises gegen gentechnische Freilandversuche in Schönfeld bei Bernau (Landkreis Barnim) einen Acker so lange blockieren, bis dort die Aussaat genmanipulierter Pflanzen nicht mehr möglich ist.

Seit etwa zwei Jahren führt die Firma AgrEvo in Schönfeld bei Bernau (20km nordöstlich von Berlin) Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen durch. Ein ähnliches Feld existiert von der Firma Monsanto in Tempelfelde. Die AgrEvo ist ein Tochterunternehmen der Chemiekonzerne Hoechst und Schering. Die Mais-, Raps- und Zuckerrübenpflanzen, die in Schönfeld gepflanzt werden, sind mit Hilfe der Gentechnik resistent gegenüber dem Pflanzenvernichtungsmittel BASTA gemacht worden. Dieses Totalherbizid wird von Hoechst hergestellt und war durch seine hohe Giftigkeit bei "normalen" Pflanzen bisher nur bedingt oder gar nicht einsetzbar. In Zukunft wollen dann Hoechst und AgrEvo sowohl BASTA wie auch die Samen der BASTA-resistenten Pflanzen verkaufen, wodurch die Bauern in Abhängigkeit ihres Konzerns gebracht werden. Die Experimente in Schönfeld haben also nur eine Motivation: Profit.
Immer wieder weisen Wissenschaftler und Umweltschützer auf die Gefährlichkeit solcher Experimente wie in Schönfeld hin. Inzwischen wurde bewiesen,
-daß sich gentechnisch veränderte Pflanzen im Ökosystem etablieren und es verändern können,
-daß die genmutierten Pflanzen sich mit Wild- und Kulturpflanzen kreuzen (in Dänemark wurden die eingepflanzten Gene in Wildpflanzen nachgewiesen).
Dies alles könnte zu einer nachhaltigen Veränderung unserer Umwelt führen. Die Gefahren für uns Menschen sind überhaupt nicht abschätzbar.
Deswegen hielten und halten wir den Protest gegen die Experimente in Schönfeld für unbedingt notwendig. So organisierten wir mehrere Protestwanderungen und Diskussionsveranstaltungen um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und um der AgrEvo unser Unverständnis gegenüber ihrem Verhalten deutlich zu machen.
Doch die Gefahren und unsere Proteste werden von Firmen wie der AgrEvo bisher ignoriert. Deswegen haben wir im letzten Frühjahr versucht, durch eine Feldbesetzung die Aussaat des genmanipulierten Mais zu verhindern. Ein Aufgebot von 80 Polizisten setzte die Aussaat jedoch durch. Doch die Erfahrungen an anderen Feldern, wo eine Aussaat erfolgreich verhindert wurde bzw. die Konzerne zur Aufgabe des Standortes gezwungen wurden, haben uns nicht mutlos werden lassen.
So wollen wir auch in diesem Jahr versuchen, die Aussaat des Mais zu verhindern. Nach unseren Vorstellungen soll die Feldbesetzung eine Demonstration für das Leben sein. In diesem Sinne soll es neben dem Camp am Feld eine Menge kreative und bunte Aktionen geben. Dabei wird es vor allem darauf ankommen, daß sich mehr Leute, als im letzten Jahr, an den Aktionen beteiligen. Grundlage für alle Aktionen ist dabei für uns, das kein Mensch verletzt oder gefährdet werden darf. Wir planen die Feldbesetzung für einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen.

Ganz besonders möchten wir sie zu unserer Pressekonferenz am 27.April einladen. Sie findet um 11 Uhr direkt am Feld statt.

Folgende Termine stehen außerdem schon fest:
26.April 14Uhr wollen wir mit einer Fahrraddemonstration zum Feld die Besetzung eröffnen. Treffpunkt hierfür ist der Bahnhof Bernau. FußgängerInnen und AutofahrerInnen treffen sich dann um 15Uhr an der Kirche in Schönfeld um von dort gemeinsam zum Feld zu gelangen. Danach beginnen wir mit dem Campaufbau. Der Abend soll dann mit Lagergerfeuer, VOKÜ und Musik ausklingen.
2.Mai 15 Uhr Trommelworkshop, auch für Leute die noch nie getrommelt haben, Trommel wenn möglich mitbringen
2.Mai 20 Uhr Trommelkonzert am Lagerfeuer
3.Mai 14 Uhr Kinderfest
3.Mai 19 Uhr Konzert mit dem Liedermacher Michael Günther
9.Mai 11 Uhr werden wir uns mit einem Infostand am "Antifaschistischen Straßenfest" in Bernau beteiligen
10.Mai 10 Uhr wollen wir beim Frühjahrsputz rund um das Feld den Müll sammeln und entsorgen
17.Mai 10 Uhr ist der Kreisjugendkonvent der evang.Jugend bei uns auf dem Feld zu Gast

Ob die Aktionen und Veranstaltungen so stattfinden, wie wir sie planen, hängt natürlich vom Verhalten der Polizei und des Versuchsbetreibers ab.
Noch ist genug Zeit und Raum für zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen. Wenn Du oder Ihr euch mit eigenen Sachen einbringen wollt, dann meldet euch doch bei uns.
Barnimer Aktionsbündnis gegen gentechnische Freilandversuche
c/o DOSTO, Breitscheidstr.43a, 16321 Bernau Tel.+Fax: 03338/5590
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