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POSITIONSPAPIER ZUR AGRAR-GENTECHNIKFür die Einen ist die Anwendung der Gentechnik in der Landwirtschaft eine Zukunftstechnologie für die Anderen eine Risikotechnologie. Die Einen sehen in der Agrar-Gentechnik Möglichkeiten langfristig Gewinne zu erzielen, die Anderen sehen in der Agrar-Gentechnik lediglich die Machenschaften profitgieriger Konzerne. Für uns ist die Entwicklung der Agrar-Gentechnik verbunden mit einem Gesellschaftssystem, das die Logik der kapitalistischen Produktion in ihren Mittelpunkt stellt und nicht die Würde des Menschen und seiner belebten und unbelebten Umwelt. Die Agrar-Gentechnik ist ein Instrument zur Kontrolle
Die Unternehmen und großen Konzerne erhoffen sich langfristig Gewinnsteigerungen, die Regierungen und Staaten einen Beitrag zur Lösung ihrer inneren Strukturprobleme und die wissenschaftlichen Institute und Forschungseinrichtungen die Einwerbung von Forschungsmitteln. Die Agrar-Gentechnik erlangt dadurch Zugriff auf bislang frei zugängliche Ressourcen: Durch die Patentierung von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen wird es den Landwirten auch nach dem Kauf von Saatgut nicht mehr möglich sein, frei zu wirtschaften. Nicht nur sind sie verpflichtet jedes Jahr ihr Saatgut neu zu erwerben, auch an die Lizenzverträge sind Auflagen gebunden, die sie zu modernen Leibeigenen der Konzerne herabwürdigen. Damit wird ein Kulturgut, das über Jahrtausende seit der Sesshaftigkeit des Menschen geschaffen wurde, nun dem Zugriff der privaten Unternehmen unterstellt. Ähnlich ist dies bei der Patentierung von Heilpflanzen durch die Pharmaindustrie zu beobachten. Da sich der Einsatz der Gentechnologie und der an sie gekoppelten Pflanzenschutzmittel nur auf großen landwirtschaftlichen Flächen lohnt, wird die Industrialisierung in der Landwirtschaft, die Ausbreitung von Monokulturen und die Vernichtung kleinbäuerlicher Existenzen weiter fortschreiten. Insbesondere in den Ländern des Südens, in der die Landwirtschaft noch eine soziale Funktion erfüllt und kleinbäuerliche Strukturen vorherrschen, werden die Menschen in die städtische Armut getrieben und die verbliebenen Bauern und Bäuerinnen finanziell abhängig gemacht. Die Agrar-Gentechnik lässt den Landwirten und VerbraucherInnen langfristig keine andere Möglichkeit mehr als gentechnisch veränderte Kulturpflanzen zu kaufen, auch wenn sie dies gar nicht wollen. So ist in den Gebieten, in denen jetzt schon großflächig gentechnisch veränderte Kulturpflanzen angebaut werden, eine Verunreinigung von Saatgut, Ernte und daraus hergestellten Produkten zu beobachten. Landwirte müssen an private Unternehmen selbst dann Patentgebühren bezahlen, wenn der Wind, die Bienen oder der Zufall Pollen und Samen auf Felder treibt, die vorher gentechnikfrei waren. Damit schleichen sich die Herrschaftsverhältnisse auch in die Bereiche ein, die sich gegen den Gebrauch von gentechnisch veränderten Organismen entschieden haben. Die Erfahrungen in Kanada, in den USA und in Argentinien (den Hauptanbauländern von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen) zeigen, dass hier schon nach kurzer Zeit ein fünftel der eigentlich gentechnikfreien Landwirtschaft mit genveränderten Systemen kontaminiert und unterwandert ist. Eine Koexistenz zwischen genmanipulierter und gentechnikfreier Landwirtschaft ist jedoch nicht möglich. Die Welt ist ein chaotisches System. Die Ströme von Wasser, Sand und Wind vermischen sich ständig. Selbst der Urwald im Amazonas ernährt sich von den Mineralien der Sahara, die der Wind ihm über den Ozean zuträgt. So ist es ein unbegreifliches Ansinnen, den Wind fesseln zu wollen oder den Bienen zu lehren an den Grenzen zu den Gen-Feldern halt zu machen. Im Mutterland des Mais, in Mexiko, wurde eine Verunreinigung dieser Kulturpflanzen festgestellt, obwohl dort der Anbau von Genmais verboten ist. Die ökologischen Folgen und die die sozialen Probleme des Einsatzes der Gentechnik in der Landwirtschaft sind unkalkulierbar. Alle bisher gemachten praktischen Erfahrungen zeigen, dass eine Koexistenz nicht erreichbar ist. Wir setzen uns daher für den vollständigen Verzicht der Gentechnik in der Landwirtschaft ein. Wir werden jedem Anbau genmanipulierter Pflanzen unseren Widerstand entgegensetzen! BARNIMER AKTIONSBÜNDNIS GEGEN GENTECHNIK |
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