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zu dem Artikel aus einem Interview in der taz:
Frage: "Aber was ist, wenn die großen Firmen wirklich in Schwierigkeiten
kommen? Sie sind immerhin sehr effektive Maschinerien, die Waren günstig
herstellen und vertreiben. Kommen wir ohne ihre Güter überhaupt noch aus?
Antwort Manfred Max-Neef: Ich würde eher fragen: Müssen wir wirklich mit
denen untergehen? Was die treiben, ist manchmal einfach unausstehlich.
Nehmen sie zum Beispiel das neue Saatgutgesetz der US-Verwaltung für den
Irak: Alle Bauern im Irak sind demnach gezwungen, ihr Saatgut zu verbrennen.
Sie dürfen Saatgut nur noch beim US-Konzern Monsanto kaufen. Das steht
wörtlich so im Gesetz. Und das bringt Monsanto einen Schritt näher an sein
Unternehmensziel: Monsanto hat nämlich den bescheidenen Anspruch formuliert,
in 20 Jahren den Weltmarkt für Saatgut zu 100 Prozent zu beherrschen. Das
ist alles, nur 100 Prozent. Die arbeiten daran, und viele bemerken es
nicht."
Die USA zwingen dem Irak genmanipuliertes Saatgut auf
von F. William Engdahl
Der Irak hat nicht nur seine politische Souveränität an ausländische
Besatzungsmächte verloren, sondern auch sein ureigenstes Recht auf
Produktion und Anbau seiner eigenen Feldfrüchte, die die Ernährungsgrundlage
der Bevölkerung sind. Der US-Übergangsadministrator Paul Bremer III hat dem
Irak im Juni 2004 kurz vor der sogenannten «Machtübergabe» eine Liste von
100 Gesetzen aufgezwungen, die sicherstellen, dass die USA jeglichen Aspekt
des wirtschaftlichen Lebens im Irak diktieren können, und zwar nach den
Washingtoner Vorstellungen von freier Marktwirtschaft. Dies schliesst die
Leitung einer irakischen Zentralbank ein - ein grundlegender Aspekt
nationaler Souveränität. Die Regelungen betreffen auch die irakischen
Gewerkschaften. Besonders einschneidend ist jedoch, dass diese Gesetze
erzwingen, dass die landwirtschaftliche Produktion im Irak in Zukunft gemäss
den Wünschen von Monsanto, Syngenta, Dow Chemical und anderen den USA
verpflichteten Agro-Giganten geregelt wird. Diese Konzerne versuchen auf
aggressive Weise, durch genetisch verändertes Saatgut und genetisch
veränderte Pflanzen, die Kontrolle über die weltweite Nahrungsproduktion zu
erlangen.
Bremer erliess Anordnung Nummer 81 über «Patente, Industriedesign, nicht
offenbarte Informationen, integrierte Schaltkreise und Pflanzenarten». Diese
Verordnung Nummer 81 hat den Charakter bindenden Rechts. Das
US-Marionettenregime des handverlesenen früheren CIA-Mitarbeiters Allawi hat
weder gegen dieses Gesetz noch gegen irgendein anderes der 100 Gesetze
Einspruch erhoben. Welche Folgen wird die Anordnung Nummer 81 haben?
Wie in den meisten Teilen der Welt haben Landwirte im Irak seit Generationen
ein zwangloses und ungeregeltes System der Saatgutlieferung betrieben, wobei
sie die jeweils optimale Getreidesaat züchten und damit experimentieren.
Traditionellerweise behalten Landwirte einen Teil ihrer Saat für die
kommende Pflanzung zurück. Nun aber wird dies verboten. Monsanto und andere
ausländische Gesellschaften sind jetzt im Besitz eines Rechts am geistigen
Eigentum, welches ihnen ein exklusives Monopolrecht auf alles
genmanipulierte Saatgut und «ähnliche» Pflanzenarten einräumt. Irakische
Landwirte müssen jetzt nicht nur mit den Bombardements ihrer Felder und
Wasserläufe von den alliierten Truppen zurechtkommen. Sie müssen auch noch
ausländische Gesellschaften dafür bezahlen, dass sie anpflanzen dürfen, was
sie seit Hunderten von Jahren angepflanzt haben.
Verordnung Nummer 81 ist ein raffiniert verfasstes Gesetz mit dem
trügerischen Titel «Schutz neuer Pflanzenarten». Es gehört zu jenen Rechten
am geistigen Eigentum, welche Washington und andere G7-Länder im
WTO-Regelsystem verankerten, wobei der Irak nicht einmal Mitglied der WTO
ist. Die besagte Verordnung gibt Monsanto und anderen Saatgut-Giganten
Patentrechte über Saatgut, von dem sie behaupten, es «entdeckt» zu haben.
Das Patent gilt normalerweise für eine kleine biotechnologische Veränderung
der DNA oder Genreihe eines Saatgutes oder einer Pflanze, wie etwa
Sojabohnen, Baumwolle, Reis oder Kartoffeln. Um diese Veränderungen
vorzunehmen, bedienen sich Monsanto und andere Firmen selbstverständlich der
Produkte erfolgreicher Zucht und Entwicklung irakischer Landwirte,
selbstverständlich, ohne dafür zu bezahlen. Es besteht der dringende
Verdacht, dass Monsanto und die anderen Giganten für genetisch verändertes
Saatgut heimlich die irakische Saatgut-Datenbank angezapft haben. Diese
wurde von der Consultative Group on International Agricultural Research
(CGIAR) während der vergangenen Jahre treuhänderisch für Landwirte in deren
Zentrum in Syrien verwaltet. CGIAR wurde mit Geldern der
Rockefeller-Stiftung und der Weltbank gegründet, um die Verwendung von
genetisch verändertem Saatgut in den Entwicklungsländern zu verbreiten.
Laut der NGO GRAIN.org stellt dieses irakische Gesetz sicher, dass irakische
Bauern verpflichtet sind, ausländische multinationale Gesellschaften wie
Monsanto zu bezahlen, um jedes Jahr Saatgut für ihre Pflanzung zu erhalten.
Ihre eigene Saat zu benutzen, wird gesetzwidrig sein. Patentgebühren sind an
Monsanto und andere Agro-Giganten für genetisch verändertes Saatgut zu
entrichten, um deren Recht am geistigen Eigentum zu «schützen». Ihr Monopol
ist exklusiv und 20 Jahre gültig für Feldfrüchte. Das US-Aussenministerium
behauptet, das neue Gesetz werde dem Irak «die Lieferung von guter
Saatqualität» sichern und Irak den Weg in die WTO ebnen. Tatsächlich aber
wird das Land - eines der fruchtbarsten Länder der Welt - totaler Kontrolle
durch ausländische Gesellschaften unterworfen, die an die strategischen
Interessen Washingtons gekettet sind.
Die Verordnung Nummer 81 wird begleitet von Verordnung Nummer 39, welche
ausländischen Investoren gleiche Rechte bei der Ausbeutung des irakischen
Binnenmarktes einräumt wie den Irakern. Der Irak hat keine Möglichkeit, den
Schutz seiner eigenen Industrie und Landwirtschaft zu erwirken. Washington
bemerkt hierzu ausdrücklich, dass dies alles für den «Übergang des Irak von
einer undurchsichtigen, zentralisierten Wirtschaft zu einer freien
Marktwirtschaft [...]» notwendig ist.
Die Frage stellt sich, «frei» für wen? Monsanto und andere ausländische
Firmen? Das Beispiel der Iraker Verordnung Nummer 81 unterstreicht, wie
inakzeptabel der Versuch grosser multinationaler Gesellschaften ist, ein
Patent auf biologische Arten oder Pflanzenarten zu beanspruchen. Saatgut und
das Recht einer Nation, dieses für ihre Bürger treuhänderisch zu verwalten,
sind fundamentale Menschenrechte - wie das Recht auf Leben. Man öffnet die
Büchse der Pandora, wenn man privatwirtschaftlichen Interessen das Recht
einräumt, kleinere Modifizierungen an Saatgut zu patentieren und so ganzen
Saatgutsorten ein Monopol aufzuzwingen. Dies weitet die «Vermarktisierung» -
oder wie manche es nennen: «Globalisierung» - der Weltwirtschaft bis in die
essentiellsten Lebensprozesse hinein aus. Nach dieser Logik wird bald die
Luft, die wir atmen, patentiert werden.
Getreidesaat gleicht nicht der Erfindung eines neuen Computers oder eines
Turbinengenerators. Die «Vermarktisierung» von Saatgut ist ein äusserst
bedenklicher Trend. Das von Washington in den 70er Jahren aufgezwungene Öl-
und Petrodollar-System - nachdem Washington den Dollar vom Goldstandard
befreit hatte - ist das Modell für dieses neue perverse Kapitel der
«Globalisierung». Unter George W. Bushs betrügerischer Flagge «Demokratie im
Mittleren Osten» hat der Irak nun die Grundlage dafür, seine Bevölkerung zu
ernähren, verloren. Tatsächlich handelt es sich um eine Form von
neokolonialistischer Kontrolle, lediglich immens viel rücksichtloser und
effizienter als dies jemals während der britischen Kolonialzeit der Fall
war.
siehe auch:
GEN-Mais im Oderbruch
Monsanto hat die Pampa erobert
Monsantos Routine
Monsanto
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