Stephen Leahy, IPS

Monsantos Routine

US-Weltmarktführer für Gensaaten kassiert Bauern ab. Schlüsselpositionen in US-Behörden mit ehemaligen Firmenmitarbeitern besetzt

Der US-amerikanische Saatgutkonzern Monsanto hat nach einem aktuellen Bericht des Center for Food Safety (CFS) in Washington von US-Gerichten gut 15 Millionen US-Dollar für Patentrechtsverletzungen zugesprochen bekommen. Zahlen mußten Bauern, die nach Einschätzung des Unternehmens und der Richter illegal gentechnisch manipuliertes Saatgut ausgebracht hatten. Verklagt hat der Agrarmulti allein in den USA über 100 Farmer, Tausende weitere mußten ihre Felder von firmeneigenen Inspektoren begutachten lassen.

Druck auf Landwirte

Auf Hilfe vom US-amerikanischen Landwirtschaftsministerium oder der Food and Drug Administration (FDA) können Bauern auch in Zweifelsfällen nicht zählen. Schlüsselpositionen dort sind nach Angaben von CFS-Exekutivdirektor Andrew Kimbrell mit ehemaligen Monsanto-Mitarbeitern besetzt. Ihm zufolge ist der Konzern mit Sitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri "außer Kontrolle".

"Patentrechtsklagen gehören zum Geschäftsplan des Unternehmens", betonte seinerseits der CFS-Rechtsexperte Joe Mendelson. Er denkt an Fälle wie den von Kam Ralph aus Covington im US-Staat Tennessee. Er war der erste Bauer, der 1998 für die ihm vorgehaltene illegale Aussaat von "Roundup Ready"-Soja - resistent gegen das unter dem Markennamen Roundup von Monsanto vertriebene Herbizid Glyphosat - für vier Monate ins Gefängnis ging und der Firma 1,8 Millionen Dollar zahlen mußte.

In einem Gespräch mit IPS unterstrich Unternehmenssprecher Chris Horner, daß Monsanto nicht gegen Farmer vorgehe, auf deren Felder patentrechtlich geschützte Feldfrüchte ohne ihr Wissen wüchsen, etwa weil angewehte Saat aufgegangen sei. Auch verwahrte er sich gegen Vorwürfe, seine Firma unterhalte eine Art Saatgutpolizei, die Bauern und Höfe kontrolliere. Allerdings gab er zu, daß Monsanto eine kostenfreie Hotline für Bauern eingerichtet habe, die andere Farmer des illegalen Einsatzes von Gensaat verdächtigten. Nach dem neuen CFS-Bericht hat das Unternehmen ein Budget vom zehn Millionen US-Dollar für Inspektionen und Gerichtsverfahren und beschäftigt 75 Mitarbeiter, die sich ausschließlich mit Fragen der Patentrechtsverletzungen befassen.

CFS geht davon aus, daß neben den bekanntgewordenen Prozessen in den letzten acht Jahren Hunderte Farmer unter Druck in außergerichtliche Einigungen eingewilligt haben. Gemeinhin fehle es den Betroffenen an Wissen und ausreichender rechtlicher Beratung, um sich zur Wehr zu setzen, sagte Mendelson. Für solche Fälle hat CSF mittlerweile eine kostenfreie Hotline eingerichtet. Eine der wenigen außergerichtlichen Einigungen, die bekanntgeworden sind, betrifft einen Bauern aus North Carolina. Er hat sich mit einer Zahlung von 1,5 Millionen Dollar einverstanden erklärt. Auch Rodney Nelson aus North Dakota einigte sich mit Monsanto außerhalb des Gerichtssaales. Er und seine Familie waren von dem Unternehmen 1999 wegen illegaler Aussaat von Roundup-Ready-Soja verklagt worden und erlebten zwei Jahre Gerichtshölle, bevor sie in eine Abmachung einwilligten, über die der Bauer nicht sprechen darf. "Wir haben gewonnen, aber wir fühlen uns für immer befleckt", sagt er heute.

Markt fest in der Hand

Wie er weiter berichtet, haben US-amerikanische Bauern praktisch keine Möglichkeit, an Gensaat vorbeizukommen. In der Tat waren in den USA 2004 fast 85 Prozent der Soja- und Rapsfelder sowie drei Viertel der Baumwoll- und knapp die Hälfte der Getreidefelder mit genmanipulierten Arten bestellt. Probleme aber haben auch Bauern, die aus dem Gengeschäft aussteigen wollen. Bis zu fünf Jahre haben sie auf ihren Feldern mit den Folgen der Selbstaussaat zu kämpfen. Monsanto kontrolliert das Angebot bei Gensoja, -raps und -baumwolle zu rund 90 Prozent und ebenso einen großen Teil des Getreidemarktes. Die von dem Unternehmen erhobenen Technologiegebühren rangieren zwischen 6,26 US-Dollar je Sack Sojasaat und 230 Dollar für Baumwollsaat. Thema werden die Probleme, die vor allem kleine Bauern mit Monsanto haben, auf dem zwischen dem 26. und 31. Januar in der brasilianischen Stadt Porto Alegre stattfindenden Weltsozialforum (WSF) sein - einer Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Im vergangenen Jahr hat auf dem WSF in Indien der kanadische Farmer Percy Schmeiser über seine Erfahrungen mit Monsanto gesprochen. Seine Felder waren durch angewehte Genrapssaat von einem Nachbarfeld verseucht worden. Nach einer sechsjährigen Prozeßschlacht hat der Oberste Gerichtshof Kanadas gegen den Bauern entschieden, ohne aber eine Strafe zu verhängen. Seine Verteidigung habe ihn 400000 US-Dollar gekostet. "Wir werden für Gensaat vor Gericht gezerrt, die wir nicht gekauft haben, nicht haben wollen und nicht auf den Markt bringen können", so Farmer Tom Wiley aus North Dakota.

www.centerforfoodsafety.org/home.cfm
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