Der Rabe Ralf - Zeitschrift der Grünen Liga (Oktober/November 2006
Die Bombe explodiert - langfristig
Die möglichen Folgen genetischer Veränderung in Nahrungsmitteln | Interview mit Dr. Ralf Hilbert, Hömöopath und Ernährungsmediziner
Frage: Was macht die Veränderung in Genen so problematisch für die menschliche Gesundheit?
Dr. Hilbert: Beim Verfahren der gentechnischen Veränderung von Pflanzen wird
genetisches Fremdmaterial, zum Beispiel genetisches Material aus Bakterien,
in das genetische Material der Zelle eingebracht. Das Ganze geschieht nicht
gezielt, sondern per Schrotschuss. Da, wo die Zelle diese fremden
Genabschnitte gerade mal zufällig einbaut, tun diese Gene dann ihre Wirkung.
Das genetische Material der Zellen kann man zunächst als eine Art Fließtext
verstehen, als Bauanleitung für alle lebenswichtigen Zellbestandteile.
Dieser Text wird "abgelesen" und die Zelle baut danach entsprechende
chemische Verbindungen. Befindet sich in einem solchen "Text", sozusagen
versteckt, die Bauanleitung für einen weiteren Stoff, wird dieser
automatisch mit gebaut, produziert und in jeder Zelle hergestellt. Der
Fließtext aber, das Genom, ist so geschrieben, dass auch Teilstücke bereits
einen Sinn ergeben. Wird nun das fremde genetische Material in ein solches
Teilstück eingebaut, kann die Struktur des Teiltextes teilweise oder völlig
zerstört werden. Die Folge kann sein, dass die normalerweise von der Pflanze
benötigten Stoffe fehlerhaft oder gar nicht produziert werden oder dass
sogar schädliche neue Stoffe entstehen, neben den Kunstprodukten des
eingebauten Fremdgens. Die Folge ist, dass die Zelle bisweilen den gesamten
Stoffwechsel ändert, um mit den nunmehr neuen, veränderten Bausteinen
trotzdem überleben zu können. Diese neuen Stoffe sind aber in der Evolution
in diesen Pflanzen noch nie aufgetaucht. Das heißt, dass der Stoffwechsel
der Organismen, die die Pflanzen als Nahrungsgrundlage haben - Menschen und
Tiere - die Pflanzen schlechter oder gar nicht mehr nutzen kann. Es können
also in diesen Organismen Defizite von Stoffen auftreten, die in den
Pflanzen jetzt fehlen. Im schlimmsten Fall sind diese Stoffe für den
Organismus ausgesprochen schädlich.
Nach welchen Kriterien werden Pflanzen optimiert?
Die gentechnisch veränderten Pflanzen werden bezüglich zweier Eigenschaften
"optimiert": (a) Die eingebrachten Fremdgene bewirken, dass die Pflanzen
gegenüber Pflanzenschutzmitteln unempfindlich werden und dass sie diese
Pflanzengifte ohne Probleme für den Stoffwechsel im Inneren der Zelle
ablagern können. Das heißt, es kommt zu einer Anreicherung der Pflanzengifte
in den Pflanzen, die dann über die Nahrungskette in den tierischen und
menschlichen Organismus gelangen können. (b) Die Fremdgene bewirken, dass
die Pflanzen neue Giftstoffe produzieren und diese in hohen Konzentrationen
als Fraßschutz gegen Schädlinge in der Zelle anreichern. Auch diese neuen
Gifte gelangen natürlich problemlos in die Nahrungskette, mit entsprechenden
Folgen.
Mit welchen Folgen für den menschlichen Organismus?
Über die Folgen für den menschlichen Organismus gibt es nur sehr wenige
Daten, weil die aufwendigen Untersuchungen dazu von staatlichen Stellen
nicht gefördert, teilweise sogar boykottiert werden. Sicher ist durch
mehrere seriöse Untersuchungen, dass es zu Fehlgeburten, zu einer
dramatischen Verstärkung der Allergieneigung, zu Nierenschäden, zu
Blutbildveränderungen bis hin zu Blutkrebs und zu systemischen Vergiftungen
kommen kann. Die neu produzierten Fraßschutzgifte werden im Magen nicht
gespalten und können so, chemisch völlig unverändert, über die
Darmschleimhaut in den Organismus gelangen.
Wie können sich diese Veränderungen konkret für die Nahrungsmittel auswirken?
Die gentechnischen Veränderungen können zu einer erheblichen Veränderung im
Primär- und Sekundärstoffwechsel in den Pflanzen führen, was verheerende
Folgen für die stoffliche Zusammensetzung der Pflanzen hat. Insbesondere
pflanzliche Hilfsstoffe wie Hormone, Spurenelemente, pflanzliche Phenole,
auf die der Säugetierorganismus angewiesen ist, weil er sie selber nicht
produzieren kann, können fehlen oder in nur geringeren Konzentrationen in
den Pflanzen vorhanden sein. Das alles hat natürlich langfristig
Konsequenzen für das reibungslose Funktionieren des tierischen
beziehungsweise menschlichen Organismus. Aber eben langfristig - es kann
Jahre dauern, bis "die Bombe explodiert". Dies nachzuweisen ist äußerst
schwierig und bedarf sehr aufwendiger Studien, die momentan keiner
finanzieren will.
Inwieweit kann man der Pflicht zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter
Nahrungsmittel vertrauen?
Die Kennzeichnung ist nicht das Problem, sie stimmt. Aber füttern Sie zum
Beispiel eine Kuh mit Genmais oder Gensoja, hat der die Milch verarbeitende
Betrieb keinerlei Verpflichtung, dies auf seinen Produkten kenntlich zu
machen, obwohl die Stoffe möglicherweise im Joghurt oder Käse nachweisbar
sind und in den menschlichen Organismus gelangen können. Das gleiche gilt
für Fleisch- und Wurstprodukte. Allein die Leber als zentrales
Entgiftungsorgan speichert eine Unmenge von Giftstoffen. Man kann davon
ausgehen, dass nur ein geringer Teil der kennzeichnungswürdigen
Nahrungsmittel gekennzeichnet werden. Einfach, weil es der Gesetzgeber nicht
fordert.
Wie kann ich mich denn nun als Verbraucher verhalten?
Im Sinne der Gesundheit sollte nur dort eingekauft werden, wo es gentechnisch
veränderte Lebensmittel überhaupt nicht gibt. Dies sind die Naturkost- und
Bioläden. Weiterhin sollte man bei Milch- und Fleischprodukten unbedingt
sicher sein, dass die Herkunft der Milch und des Fleisches unbedenklich ist.
Dazu kann man sich im Internet ausreichend kundig machen. Nicht zuletzt
sollte man alle Unternehmen, die diese Entwicklung unterstützen oder gar mit
diesem für die Gesundheit der Menschen gefährlichen Betrug Geld verdienen,
schlichtweg boykottieren. Auch auf die Möglichkeit hin, dass man auf einige
lieb gewonnene Nahrungs- und Genussmittel künftig verzichten muss.
Kontakt: http://www.dr-hilbert.net/
DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung - Oktober/November 06
www.grueneliga-berlin.de/raberalf
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