telepolis - 26.09.2006

Umgeschriebene Wahrheiten

Über die Umweltgefahren von genverändertem Mais

Albrecht Kieser 26.09.2006
Es war eines der größten Forschungsprojekte dieser Art in Deutschland. Vier Jahre dauerten die Feldversuche, die herausfinden sollten, welche Folgen für die Umwelt genveränderter Mais hat. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz beauftragte mit der Durchführung die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft. Die zentrale Fragestellung der Studie war, welche Lebewesen in welchem Umfang von genverändertem Mais beeinträchtigt werden. Diesem Mais ist ein Genabschnitt aus dem Bakterium Bacillus thuringensis, kurz Bt genannt, hinzugefügt worden. Das Gen sorgt dafür, dass die Pflanze ein bakterielles Insektengift produziert. Mit der Folge, dass der Bt-Mais in allen seinen Zellen Bt-Toxin herstellt; er ist sozusagen ein lebendes Insektizid. Der Bt-Mais soll einen speziellen Maisschädling töten, den Maiszünsler. Andere Insekten oder Kleinlebewesen würden nicht in Mitleidenschaft gezogen. So behauptet es zumindest die Herstellerfirma Monsanto, die die Zulassung dieser Maissorte auch auf dem deutschen Markt beantragt hatte.

Einige Monate, nachdem die Studie Monitoring der Umweltwirkung des Bt-GenMonitoring der Umweltwirkung des Bt-Gens im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, haben die deutschen Behörden dem BT-Mais von Monsanto die Zulassung für den deutschen Markt erteilt (Grüne Gentechnik: Volle Kraft voraus?). Monsanto selber, weltgrößter Hersteller von Gensaatgut, führt auf seiner Homepage die Untersuchung als Beleg für die Ungefährlichkeit seines Produkts auf. Zitat:

Das Toxin im Bt-Mais ist nur für Schmetterlingsarten, die am Mais fressen, schädigend und schont die übrigen Insektengruppen und Spinnen. Aber selbst andere Schmetterlingsarten - außer dem Maiszünsler - werden im Freiland aus verschiedenen Gründen durch das Bt-Protein kaum beeinträchtigt. Das zeigen u.a. umfangreiche Studien, die von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft durchgeführt wurden.

Wer die genannte Studie aus Bayern studiert, stutzt allerdings. Denn sie berichtet über erhebliche Gefahren, die vom BT-Mais ausgehen. So stellt die Untersuchung fest, dass es in den BT-Maisfeldern weniger Spinnen und Wanzen gibt. Das, so die Autoren der Studie, "könnte weitreichende Folgen für das Agrarökosystem und die biologische Kontrolle von Schädlingen haben". Denn Spinnen und Wanzen seien natürliche Feinde vieler Pflanzenschädlinge. Außerdem beeinflusse Bt-Mais das Wachstum von Schmetterlingen auf bisher ungeklärte Weise. Das gelte auch für das neueste der untersuchten Produkte, den Genmais mit dem Produktnamen MON810:

Angesichts des noch äußerst geringen Kenntnisgrades über Freilandwirkungen von Mon810 auf einheimische Schmetterlinge ... »weiter

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