Uckermark

OZON vom 22.06.2004 - Beitrag von Maren Schibilsky
Quelle - mit Videobeitrag zum anschauen

Krieg auf den Äckern

Seit die EU den Anbau erlaubt, laufen Bauern gegen Gentechnik Sturm. Wie sich schützen vor Pollenflug und verunreinigtem Saatgut? Und wo gibt es noch "normales" Tierfutter? Viel ungewöhnliche Arbeit für Biobauern Stefan Palme in Deutschlands größter gentechnikfreie Region Uckermark.

Monatelang hat Stefan Palme auf seine Nachbarn eingeredet. Bis er mit 20 von ihnen im Januar die gentechnikfreie Region gründen könnte. Eine der größten bundesweit. Heute mit 36 Bauern.

Auch der Film aus Kanada hat gewirkt: Genrapsfelder verunreinigen dort seit Jahren die Ernten der Nicht-Gentechnik-Bauern. So stark, dass es kaum noch sauberes Saatgut gibt.

Das will Stefan Palme für die Uckermark verhindern. Vor neun Jahren war er extra hierher gekommen, um Bio-Landwirt zu werden. Nun lässt ihn die pure Angst um seine 1000 Hektar nicht mehr los.

Wäre die Gentechnik beim Nachbarn, könnte der Wind die Pollen über hundert Meter weit hierher tragen und seine Ernte bio-untauglich machen. Das wäre sein Ruin.

Noch gefährlichere Pollentransporteure: Hummeln und Bienen. Sie fliegen bis zu vier Kilometer weit. Wären große gentechnikfreie Regionen die Lösung?

Das treibt ihn im Februar auf die Ostseeinsel Vilm. Auf eine internationale Tagung. Stefan Palme will Verbündete suchen. Und Ideen mitnehmen.

Zum Beispiel von Bauern aus dem Waldviertel in Österreich.

Markus Schöpf - Initiative Waldviertel
O-Ton: Das oberösterreichische Landesgesetz, das das Anpflanzen von gentechnisch veränderten Pflanzen und gentechnisch veränderten Tieren verbietet.

Sie werden unterstützt von ihrer Landesregierung, ihren Händlern und lokalen Verarbeitungsbetrieben.
Warum geht das in Deutschland nicht?

Anfang März: Von Wilmersdorfer Produkten soll eine Gen-Analyse gemacht werden. Zum ersten Mal. Das verlangen seine Abnehmer. Denn ab April muss gekennzeichnet werden.

Aus seiner Rapsernte werden Futtermittel für Bio-Betriebe. Deshalb müssen sie absolut gentechnikfrei sein.

Palmes Rapskörner im Labor, zermahlen bis die Zellkerne zerstört sind. Die DNA kann herausgelöst werden. Analyselabore haben Hochkonjunktur. Die DNA-Abschnitte werden sichtbar gemacht, so dass gentechnisch veränderte erkennbar sind.

Der Analysebericht. Nach einer Woche langem Warten. 300 Euro musste er dafür zahlen. War seine Ernte gentechnikfrei? Oder etwa nicht - zum Beispiel durch verunreinigtes Saatgut?

Stefan Palme, Bio-Landwirt:
O-Ton: Das kann doch nicht wahr sein. Das gibt's doch nicht.

Anruf bei der Öko-Prüfstelle.

Stefan Palme, Bio-Landwirt:
O-Ton: Hier steht nur die Schlussfolgerung. Es wurde eine gentechnische Veränderung nachgewiesen. Jetzt wollte ich von Ihnen wissen, was ich machen soll.

Der Alptraum dauerte - Gott sei Dank- nur 10 Tage. Analysefehler. Die Ernte war doch gentechnikfrei.

Die Schweine vom Nachbarn sind es nicht. Sie müssen Schrot aus Gensoja fressen. Eigentlich sollen sie das nicht in der gentechnikfreien Region.

Doch für die konventionelle Schweinemast wie hier können Futtermittellieferanten nicht mehr für unverändertes Soja garantieren, wirklich nicht?

Gibt es wirklich keine? Stefan Palme recherchiert im Internet. Und wird fündig. Eine Futtermittelliste mit wenigen Alternativen.

Dietrich von Wedel, Landwirt:
O-Ton: Da gibt's tatsächlich welche?

Stefan Palme, Bio-Landwirt:
O-Ton: Ja, die gibt es. Ich hoffe, es werden noch ein paar mehr. Das wären im Schweinemastfutterbereich diese Firmen hier.

Soja aus Brasilien. Bis zu einem Viertel teurer.

Gentechnikfrei zu wirtschaften das wird - zunehmend ein kostspieliges Geschäft. Davon ist Stefan Palme überzeugt. Und will in Zukunft eine Lizenz für eigenes gentechnikfreies Saatgut.