(http://www.moz.de/showArticle.php?OPENNAV=lokales&SUBNAV=seelow&ID=56717 - nicht mehr erreichbar) moz.de - 03.05.2005
Seelower Raum als mögliches Gen-Mais-Zentrum?
Von Silke Müller
Altlangsow (MOZ) Das frisch bestellte Feld sieht gewöhnlich aus - ist es aber
nicht. Hier wurde Gen-Mais MON810 des US-Saatgutkonzerts Monsanto ausgesät.
"Es wird viel darüber geredet, aber die wenigsten wissen doch, wo wirklich
Gen-Mais wächst", sagt Henning Strodthoff, der bei Greenpeace Deutschland für
den Bereich Landwirtschaft zuständig und eigens aus dem Hamburger Stammsitz
des Vereins ins Oderbruch gekommen ist. Mit rund 50 weiteren Helfern hat er
den Acker bei Altlangsow mit gelben Hinweisschildern gekennzeichnet. "Seelow
gehört zu den größten Standorten für Gen-Mais in Deutschland", erklärt
Strodthoff, weshalb Greenpeace sich ausgerechnet diesen Acker zum Protest
ausgesucht hat. Er wird von der LVG Seelow bewirtschaftet. Dass die LVG 81
von 119 Hektar angemeldeten Anbaufläche jüngst wieder zurück gezogen hat,
reicht Greenpeace nicht. Einerseits fordern die Umweltaktivisten einen
generellen Stopp für den Anbau von Gen-Mais, andererseits vermutet
Strodthoff, dass im Raum Seelow eine Art "Gen-Mais-Zentrum angestrebt werde".
Das Interesse an der LVG Seelow an Monsanto-Saatgut sei offenbar so groß,
spekuliert Strodthoff, "weil der Leiter der Produktentwicklung von Monsanto
Deutschland ausgerechnet der Ehemann der Seelower LVG-Chefin ist." Für den
Greenpeace-Aktivisten ist es deshalb kein Zufall, dass sich ausgerechnet in
Märkisch-Oderland die meisten Gen-Mais-Standorte in Deutschland befinden.
"Nach unseren Recherchen bewirtschaften in Deutschland zehn
Gen-Mais-Befürworter etwa 85 Prozent der Gesamtfläche", sagt Strodthoff.
Andererseits habe bei vielen Bauern ein Umdenken eingesetzt. Von den rund
1000 Hektar geplanter Anbaufläche seien inzwischen bundesweit 269 Hektar
wieder zurückgezogen worden. "Dabei hat sicher das jetzt im Internet
einzusehende Feldkataster Wirkung gezeigt", so Strodthoff. Dennoch wüssten
viele Grundbesitzer gar nicht, dass die Pächter ihrer Flächen Gen-Mais-Anbau
planen oder betreiben. Es fehle eine Kartenübersicht, die einen konkreten
Überblick ermögliche. Bei den LVG-Flächen haben sich ein Teil der
angemeldeten Gebiete zum Beispiel als Friedhof oder Pferdekoppel
herausgestellt. "Der Grundbesitzer kann Einfluss auf das nehmen, was mit
seinem Boden geschieht", so Strodthoff. Auch Nachbarn würden im Gespräch mit
Gen-Mais-Befürwortern viel Postitives bewirken können. In Märkisch-Oderland
bedrohe der Gen-Mais-Anbau der LVG Seelow nach Strodthoffs Ansicht die
Landwirtschaft in unmittelbarer Umgebung. Dort gibt es eine von 50
gentechnikfreien Zonen in Deutschland, zu der sich 30 Betriebe mit rund 16
400 Hektar zusammengeschlossen haben.
Der Monsanto-Mais produziert ein Gift gegen einen Pflanzenschädling, das auch
auf nützliche Insekten wirkt. Weitere Wirkungen sind weitgehend unerforscht.
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