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MOZ, 23.09.2003
Gen-Mais im Oderbruch
Der US-amerikanische Saatguthersteller Monsanto testet bei Bad Freienwalde Methoden der Schädlingsbekämpfung
Von Gerald Mackenthun
Bad Freienwalde (dpa/MOZ) Südlich von Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland), 20 Kilometer von der Oder und der polnischen Grenze entfernt, beobachtet der Saatguthersteller Monsanto auf einem kleinen Feld die Wirkung verschiedener Methoden der Maiszünslerbekämpfung.
Mit einem kräftigen Griff dreht Wolfgang Voegler einen Maiskolben vom Stängel und mit einem ebenso kräftigen Schnitt seines Taschenmessers schneidet er den Kolben durch. In der Mitte ist ein Loch. "Da hat sich die Maiszünslerraupe durchgefressen", sagt Voegler, Leiter der Produktentwicklung bei Monsanto. Die Raupe hat den gesamten Kolben von oben nach unten durchquert, der bereits anfängt zu schimmeln.
Mitte September ist der Mais fast ausgereift, in wenigen Tagen soll Ernte sein. Der nunmehr vierte Versuch auf einem Feld der TIBO Landwirtschafts-GmbH, einem LPG-Nachfolgebetrieb, bringt den Beteiligten keine neuen Erkenntnisse mehr. Wird ein Maisfeld nicht vor dem Maiszünsler geschützt, sind 55 bis 80 Prozent der Pflanzen geschädigt. Emteausfälle und eine Belastung mit Schimmelpilzgiften drohen. Nur begrenzt wirksam ist die Bekämpfung der Maiszünsleriarven mit der Schlupfwespe Trichogramma, die ihre Eier in die Larven legt und sie damit tötet. Mehr als die Hälfte der Larven überleben.
Das Bestäuben der Pflanzen mit einem Insektizid tötet 85 Prozent der Zünslerpopulation. Eine 97-prozentige Erfolgsrate sieht TIBO-Geschäftsführer Siegfried Manthey in der Bt-Variante: "Die Bt-Variante ist die optimale", sagt er. Monsanto hat in seinen Bt-Mais das Gen des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis eingeschleust. Dieses Gen produziert in der Maispflanze ein Eiweißkristall, das den Magen der Maiszünslerlarve lahm legt. "Vorbehalte der Grünen haben bislang verhindert, dass diese einfache und sichere Methode in Deutschland breit angewandt wird", sagt Voegler.
Umweltschützer wehren sich gegen diese Methode, weil das Bt-Gift auch andere Insekten, wie zum Beispiel die Nützlinge-Florfliege und Monarchschmetterling, schädigen kann. "Außerdem können durch das Gift auch viele Bodenorganismen geschädigt werden", sagt Ulrike Brenden, Greenpeace-Sprecherin. Die Folgen für die Umwelt seien unberechenbar.
Siegfried Manthey möchte am liebsten nächstes Jahr statt der zwei Hektar Versuchsfeld 50 Hektar Bt-Mais anbauen, doch das EU-weite Anbaumoratorium von 1998 verhindert das. Sorgen bereitet ihm, dass die Zulassung des einzigen gegen Maiszünsler zugelassene Insektizids Ende 2003 ausläuft. Die Trichogramma-Variante ist nicht nur wenig effektiv, sondern auch aufwändig; jede Woche muss der Bauer aufs Feld und nachsehen, wann der Zünsler seine Eier gelegt hat.
120 000 Hektar werden im Oderbruch landwirtschaftlich genutzt, davon 13 000. Hektar für Futter- und Körnermais. TIBO baut auf 400 Hektar Mais an, wovon das meiste an die Rinder und Enten des Betriebes verfüttert wird. Den Bt-Mais des Zwei-Hektar-Feldes muss Manthey im eigenen Betrieb verbrauchen; ein Verkauf nach außen ist gesetzlich untersagt.
Manthey war und ist der einzige Landwirt weit und breit, der den genveränderten Mais ausprobiert. Selbst wenn es weitere Interessenten gäbe, Monsanto darf nur ein kleines Kontingent an Bt- Saatgut verkaufen - bundesweit zusammen 300 Hektar.
Der Maiszünsler frisst sich seit Jahren langsam von Süden nach Norden durch die Bundesrepublik. 400000 der 1,5 Millionen Hektar Maisanbaufläche in Deutschland sind befallen. Der Emteausfall beträgt fünf Prozent oder 40 000 Tonnen mit einem Wert von 4,4 Millionen Euro.
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