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Freitag, 19. September 2003 Berliner Zeitung
Monsantos Mais-Mission im Oderbruch
Jörg Michel
BAD FREIENWALDE, 18. September. Das Objekt der Kontroverse ist gut versteckt. Lange kommt der Bus nur im Schritttempo voran. Der Feldweg ist übersät mit Schlaglöchern, wildes Gestrüpp kratzt an der Karosserie des Fahrzeugs. Auf einem Schild am Wegesrand heißt es: "Nur für Anlieger". So weit das Auge reicht, gibt es nichts als Ackerland, dazwischen ein paar einsame Höfe. Dann am Ende einer holprigen Piste biegt der Wagen um eine Ecke, das Ende der Fahrt ist erreicht.
Das Ziel ist ein Maisfeld im brandenburgischen Oderbruch ein paar Kilometer südlich von Bad Freienwalde. Im Bus sitzen Reporter, Fotografen sowie Mitarbeiter von Bundesregierung und Bundestag. Sie alle sind gekommen, um sich das Feld anzusehen. Eingeladen wurden sie vom amerikanischen Konzern Monsanto, einem der weltgrößten Hersteller von Saatgut. Das ist natürlich kein Zufall. Denn für den Konzern steht in diesem Herbst einiges auf dem Spiel.
Bei dem Mais aus dem Oderbruch handelt es sich nämlich nicht um gewöhnliche Pflanzen. Es geht um genveränderten Mais. Und der ist in der Öffentlichkeit stark umstritten. Trotzdem lässt Monsanto mit anderen Firmen seit drei Jahren im Oderbruch auf ein paar Hektar so genannten Bt-Mais anbauen. "Der Mais hat den Vorteil, dass er gegen bestimmte Schädlinge resistent ist, Pestizide also überflüssig werden", sagt Monsanto-Manager Wolfgang Voegler. Bislang wird Bt-Mais in Deutschland aber nur zur Forschung und nur in ganz eng begrenztem Umfang zur Futtermittelherstellung angebaut. Sehr viel mehr ist noch nicht zugelassen. Das aber soll sich nach dem Willen der Industrie ändern. Nur allzu gerne würde man das genveränderte Saatgut bald im großen Stil verkaufen. Doch beim Einstieg ins lukrative Geschäft gibt es ein Problem.
Es heißt Renate Künast. Die grüne Agrarministerin wird in diesem Herbst nämlich ein Gesetz auf den Weg bringen, um den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen neu zu regeln. Dass ein solcher Anbau künftig großflächig möglich sein soll, hat die EU jüngst entschieden.
Nach allem, was bisher bekannt ist, plant die als Gentechnik-Skeptikerin bekannte Ministerin harte Auflagen. So will Künast zum Beispiel durch Mindestabstände zwischen Feldern die unkontrollierte Auskreuzung normaler und genveränderter Pflanzen durch Pollenflug verhindern. Landwirte sollen Schadenersatzansprüche gegenüber der Industrie erhalten. Die Öffentlichkeit schließlich soll sich in einem Anbauregister informieren können, wo welche Art von Anbau stattfindet.
Diese Auflagen bringen die Industrie derart in Rage, dass sie ihre bisherige Zurückhaltung bei dem Thema jetzt aufgibt. "Es droht ein Gentechnik-Verhinderungsgesetz", meint Monsanto-Manager Voegler und verweist darauf, dass keine Gesundheitsgefahren beim Bt-Mais nachgewiesen wurden. Das Anbauregister nennt er einen "öffentlichen Pranger". Die Abstandsflächen schließlich seien so großzügig berechnet, dass sich ein Anbau fast nicht mehr lohne, sagt er und zeigt auf die Maispflanzen hinter sich. Nächste Woche werden sie abgemäht. Ob und in welchem Umfang Bt-Mais im Oderbruch danach wieder angebaut wird, entscheidet nicht zuletzt Renate Künast.
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