maerkischeallgemeine.de - 31.01.2006

Informationen zu Badingen und Liebenwalde/ Neuholland

Genmaisflächen verdreifacht

250 Hektar für Anbau beantragt / Kritik von Umweltverbänden und PDS

AXEL KNOPF
ORANIENBURG Den Anbau von gentechnisch verändertem Mais haben Landwirte in Oberhavel für eine Fläche von 250 Hektar beantragt. Die Felder befinden sich laut Anbauregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz im Raum Liebenwalde und in Badingen. Bereits vergangenes Jahr hatte ein Landwirt in Neuholland die Aussaat von Genmais beantragt. Der Bauer zog später seine Felder aus dem Register zurück. Im Vergleich zu 2005 stieg die beantragte Fläche von 85 auf rund 250 Hektar.

Die fehlende Sortenzulassung nannte gestern Kreisbauernverbandschef Jörg Eickmann als möglichen Grund für den Rückzug im vergangenen Jahr. "In diesem Jahr gibt es erstmals zugelassene Sorten", so Eickmann. Ob es in diesem Jahr zu einer Aussaat komme, könne er nicht sagen. "Weil die Flächen 90 Tage vorher angemeldet werden müssen, wollen sich viele Landwirte einfach die Option offen halten."

Nach Ansicht von Eickmann gibt es keine andere Möglichkeit als den Einsatz von Genmais zur "wirkungsvollen Bekämpfung des Maiszünslers, der von Bayern seinen Siegeszug angetreten hat". Das sei aber nur seine persönliche Meinung. Wie die Mehrheit der Landwirte in Oberhavel das sehe, wisse er nicht. "Wir haben dazu im Verband keine Umfrage gemacht und keine einhellige Meinung", sagt Eickmann.

Die produzierten Toxine töteten nicht nur den Maiszünsler, sondern auch zahlreiche nützliche Insekten, erklärt Burkhard Voß, Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz. "Zudem ist das Auskreuzen der eingeschleusten Erbinformationen auf andere Pflanzen nicht auszuschließen."

Die Bauerninitiative für eine gentechnikfreie Region Uckermark-Barnim, ein Zusammenschluss von 50 Landwirten, vermutet, dass die Zunahme der Flächenanmeldung auf die Werbeaktion eines ostdeutschlandweit arbeitenden Saatguthändlers zurückgeht. "Wir hoffen, dass die betreffenden Landwirte sich besinnen und ihre Anmeldungen zurückziehen", sagt Nora Mannhardt von der Initiative.

"Viele Gentechnikfragen sind weiter ungeklärt. Und mehr als 70 Prozent der Verbraucher lehnen sie ab", sagt Heidemarie Apel vom Kreis-Naturschutzbund. Sie könne sich nicht erklären, welche Vorteile sich Landwirte von Genmais versprechen.

Die Linkspartei-PDS ruft dazu auf, die Bündnisse gegen den Anbau von Genmais, beispielsweise den Naturpark Barnim, zu unterstützen. Entgegen den Beteuerungen der wenigen weltweit agierenden Saatguthersteller seien die Risiken und Auswirkungen für den Menschen sowie für Flora und Fauna immer noch nicht hinreichend erforscht, erklärt PDS-Kreischef Giso Siebert.