Genmaisflächen verdreifacht
250 Hektar für Anbau beantragt / Kritik von Umweltverbänden und PDS
AXEL KNOPF
ORANIENBURG Den Anbau von gentechnisch verändertem Mais haben Landwirte in
Oberhavel für eine Fläche von 250 Hektar beantragt. Die Felder befinden sich
laut Anbauregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz im Raum Liebenwalde
und in Badingen. Bereits vergangenes Jahr hatte ein Landwirt in Neuholland
die Aussaat von Genmais beantragt. Der Bauer zog später seine Felder aus dem
Register zurück. Im Vergleich zu 2005 stieg die beantragte Fläche von 85 auf
rund 250 Hektar.
Die fehlende Sortenzulassung nannte gestern Kreisbauernverbandschef Jörg
Eickmann als möglichen Grund für den Rückzug im vergangenen Jahr. "In diesem
Jahr gibt es erstmals zugelassene Sorten", so Eickmann. Ob es in diesem Jahr
zu einer Aussaat komme, könne er nicht sagen. "Weil die Flächen 90 Tage
vorher angemeldet werden müssen, wollen sich viele Landwirte einfach die
Option offen halten."
Nach Ansicht von Eickmann gibt es keine andere Möglichkeit als den Einsatz
von Genmais zur "wirkungsvollen Bekämpfung des Maiszünslers, der von Bayern
seinen Siegeszug angetreten hat". Das sei aber nur seine persönliche
Meinung. Wie die Mehrheit der Landwirte in Oberhavel das sehe, wisse er
nicht. "Wir haben dazu im Verband keine Umfrage gemacht und keine einhellige
Meinung", sagt Eickmann.
Die produzierten Toxine töteten nicht nur den Maiszünsler, sondern auch
zahlreiche nützliche Insekten, erklärt Burkhard Voß, Landesvorsitzender des
Bundes für Umwelt und Naturschutz. "Zudem ist das Auskreuzen der
eingeschleusten Erbinformationen auf andere Pflanzen nicht auszuschließen."
Die Bauerninitiative für eine gentechnikfreie Region Uckermark-Barnim, ein
Zusammenschluss von 50 Landwirten, vermutet, dass die Zunahme der
Flächenanmeldung auf die Werbeaktion eines ostdeutschlandweit arbeitenden
Saatguthändlers zurückgeht. "Wir hoffen, dass die betreffenden Landwirte
sich besinnen und ihre Anmeldungen zurückziehen", sagt Nora Mannhardt von
der Initiative.
"Viele Gentechnikfragen sind weiter ungeklärt. Und mehr als 70 Prozent der
Verbraucher lehnen sie ab", sagt Heidemarie Apel vom Kreis-Naturschutzbund.
Sie könne sich nicht erklären, welche Vorteile sich Landwirte von Genmais
versprechen.
Die Linkspartei-PDS ruft dazu auf, die Bündnisse gegen den Anbau von
Genmais, beispielsweise den Naturpark Barnim, zu unterstützen. Entgegen den
Beteuerungen der wenigen weltweit agierenden Saatguthersteller seien die
Risiken und Auswirkungen für den Menschen sowie für Flora und Fauna immer
noch nicht hinreichend erforscht, erklärt PDS-Kreischef Giso Siebert.
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