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Bauern wehren sich gegen den Anbau von Gen-Mais
Frankfurt (Oder) (MOZ) Dass auf vier märkischen Feldern Gen-Mais angebaut
wird, sorgt bei vielen Bauern für Argwohn. Ein neues Bündnis will nun die
Gentechnik aus Brandenburgs Landwirtschaft verbannen.
"Gentechnikfreie Region Märkisch-Oderland" - das klingt nach Öko-Aktivismus.
Und doch sind nur vier Biobauern unter den 30 Landwirten, die sich im Mai
verpflichtet haben, auf ihren insgesamt 16000 Hektar bei Seelow keine
gentechnisch veränderten Organismen anzupflanzen. "Wir haben Angst, dass wir
durch den Anbau in Mitleidenschaft gezogen werden", sagt Nils Klopprogge. Die
Risiken, die sich aus der Auskreuzung von manipulierten Pflanzen auf
Nachbarfeldern ergeben könnten, seien noch überhaupt nicht abschätzbar.
Auch im Spreewald und an der Grenze von Barnim und Uckermark gibt es solche
Zusammenschlüsse. "Auf Dauer führt dieses Reservatsdenken aber nicht weiter",
sagt Jakob Ganten, Sprecher des "Aktionsbündnisses gentechnikfreie
Landwirtschaft Berlin-Brandenburg". Die Landwirte, Anbauverbände,
Umweltorganisationen und übrigen Gruppen, die das Bündnis unlängst gegründet
haben, wollen Biotech-Gewächse ganz aus Brandenburg verbannen. "Als nächstes
wollen wir weitere gentechnikfreie Regionen organisieren", sagt Nora
Mannhardt vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dessen
Gen-Arbeitsgruppe das Bündnis angeschoben hatte. Schwerpunkt werde aber die
Öffentlichkeitsarbeit sein; konkrete Aktionen würden beim nächsten Treffen am
1. Juli geplant.
Den Landesbauernverband haben die Aktivisten dabei nicht auf ihrer Seite. Zwar
sagt dessen Sprecher Holger Brantsch: "Die gentechnikfreien Zonen sind eine
tolle Sache, wenn die das durchhalten können." Das Bündnis habe aber eine
"eindeutige Orientierung", die der Verband nicht mittragen könne: "Wir
sprechen uns nicht für oder gegen Gentechnik aus, sondern sind für die
Koexistenz aller Formen der Landwirtschaft."
Ein "Herumgeiere" sei das, findet Reinhard Jung, Geschäftsführer des
konkurrierenden Bauernbundes, der rund 200 Familienbetriebe vertritt: "Es
kann keine Koexistenz geben, weil eine Vermischung der Pflanzen auch über
große Distanzen hinweg möglich ist." Retorten-Gemüse sei überflüssig, weil es
lediglich Bewirtschaftungsfehler kaschiere: Halte man etwa die Fruchtfolge
ein, brauche man keinen Schädlings-resistenten Mais, weil der oft als
Beispiel angeführte Maiszünsler dann gar nicht erst auftrete. Setze sich die
Hochtechnologie durch, würden zudem kleine Saatgutfirmen durch internationale
Konzerne verdrängt, die dann die Preise diktieren könnten. "An dem Bündnis
wird sich der Bauernbund auf jedem Fall beteiligen", kündigt Jung an.
Sonntag, 27. Juni 2004 (17:52)
(Druckversion des Artikels vom 28.06.04 ist noch länger)
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