(http://www.moz.de/showArticle.php?OPENNAV=lokales&SUBNAV=seelow&ID=57205 - nicht mehr erreichbar) MOZ - 08.05.2005

Kreis fordert Haftungsregelung bei Gen-Mais

Märkisch-Oderland (dos/MOZ) In der vergangenen Woche rückte die Oderegion in den Blickpunkt des Greenpeace-Protestes gegen den Anbau von Gen-Mais. Bei Altlangsow machten die Greenpeace-Aktivisten auf einem Feld, auf dem solcher Mais angebaut worden ist, auf die Thematik aufmerksam. Wenig später waren die Schilder wieder verschwunden. Das Thema Gen-Mais indes wird weiter heftig diskutiert. Im Nachgang der Protestaktion hat der Landkreis Regelungen bezüglich der unbefriedigenden Haftungsfrage beim Anbau von Genmais gefordert. Die Meinungen der Landwirte gehen beim Thema Gentechnik weit auseinander. Die Befürworter verweisen darauf, dass der weitgehend insektenresistente Genmais im Oderbruch wirtschaftlich sei, weil der Zünslerbefall im Mais hier besonders stark ist. Dem gegenüber stehen Befürchtungen der Folgen, die bisher noch nicht erforscht sind. 30 Betriebe zwischen Lebus, Seelow und Müncheberg mit etwa 16 000 ha haben eine gentechnikfreie Zone Märkisch-Oderland gebildet. "Es hilft uns nicht weiter, wenn sich Gegner und Befürworter des Genmaisanbaus unversöhnlich gegenüber stehen", so der Pressesprecher des Kreises Tobias Seyfarth. Die vielfach geäußerte Ablehnung gründe sich vor allem auf die Furcht vor Risiken, die mit dem Einsatz von gentechnischen Methoden verbunden sein können. Der Landkreis unterstütze alle Bemühungen im Rahmen der Begleitforschung zum Erprobungsanbau. "Nur so können die zu lösenden Fragen der Koexistenz unterschiedlicher Anbauformen und die unbefriedigende Haftungsfrage geregelt werden", so der Sprecher. Denn durch die im Gesetz geregelte "verschuldensunabhängige gesamtschuldnerische Gefährdungshaftung für Landwirte, die gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen," entstehe für Betriebe ein so hohes wirtschaftliches Risiko, dass selbst Versicherungen wegen Unkalkulierbarkeit nicht versichern. Überlegenswert sei deshalb die Einrichtung eines Fonds und die Hinwendung zur klassischen verschuldensabhängigen Haftungsregelung. Sowohl der gentechniknutzende Landwirt als auch der benachbarte konventionelle oder ökologisch wirtschaftende Landwirt benötigten Vorgaben, um Vorsorge zu treffen. "Diese politischen Probleme können nicht auf Landkreisebene gelöst werden", betont Seyfarth.

Im Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind aktuell sieben Betriebe aus Märkisch-Oderland eingetragen. Die Veröffentlichung im Standortregister ermögliche aus Sicht des Kreises eine hohe Transparenz. So seien Absprachen zwischen benachbarten Landwirten möglich, um eventuelle gentechnisch veränderte Einträge in konventionelle Anpflanzungen zu verhindern. Auf einem Zehntel der Anbaufläche im Landkreis wird Mais angebaut. "Der Mais mit seinem enormen Flächenertrag wird in der energetischen Verwertung in Biogasanlagen weiter an Bedeutung gewinnen", sieht es Tobias Seyfarth. Schon deshalb müsse die Diskussion sachlich fortgesetzt werden.