Unabhängige Bauernstimme - 7/8-2006, Seite 17

Das Märka-Modell

In den neuen Bundesländern hat die Märkische Kraftfutter GmbH (Märka) im vergangenen Jahr den Körnermais der Genbauern aufgekauft. Das Unternehmen verarbeitet den GV Mais zu Tierfutter. Der zuständige Mitarbeiter erklärt allerdings, dass es in Zukunft von den Anforderungen des Marktes und der Verbraucher abhängt, -ob weiterhin GV-Mais aufgekauft und verarbeitet werden kann.

Vor diesem Hintergrund relativiert sich die Aussage der Märka, die Ernte von Landwirten, deren Felder in der Nachbarschaft (bis zu 500 m) zu Genmaisfeldern liegen, zum garantierten Marktpreis aufzukaufen (Märka-Modell). Vor allem von Monsanto wurde dieses Konzept als eine Möglichkeit angeführt, Haftungsfälle zu verhindern. Denn das Motiv ist klar: Die Gentech-Industrie will mögliche Haftungsfälle, die in der Nachbar-schaft von GVO-Feldern auftreten können, aushebeln. Denn Schäden können nur entstehen, wenn wirtschaft-liche Einbußen vorhanden sind, z. B. wenn sich die Ware nicht mehr verkaufen lässt. Kann die kontaminierte Ernte jedoch an die Lagerhäuser verkauft werden - und das zu marktüblichen Preisen - gibt es keinen Schaden, keinen Haftungsfall und der Anbau kann sich ungehindert ausdehnen. Weiterer Kritikpunkt ist die Verschleie-rungstaktik: Durch den Aufkauf der kontaminierten Ernten der GVO-Nachbarfelder in bis zu 500 m Entfernung werden eintretende Verunreinigungsfälle totgeschwiegen und die Problematik der Auskreuzung und Verschleppung innerhalb der Kette wird intransparent. Weitere Schwachstellen sind, dass ausschließlich Körnermais abgenommen wird. Was aber passiert mit eventuell verunreinigtem Silomais? Im Jahr 2005 werden in Deutschland 1,26 Millionen Hektar Silomais aber nur 443.000. Hektar Körnermais angebaut.

Vor allem aber geraten die betroffenen Landwirte in die Abhängigkeit eines Unternehmens. Wie lange vor diesem Hintergrund die zugesicherten Marktpreise nämlich tatsächlich gezahlt werden ist offen. Auch für Landwirte, die aufgrund eigener Vermarktungsstrukturen bessere Preise erzielen, ist das Märka-Modell keine finanziell tragbare Alternative. Seehofer sollte zu seinem Wort stehen, alle in der Gentechnik-Debatte Beteiligten und vor allem die landwirtschaftliche Basis in die anstehenden Reformen - Haftungsregelung; der so genannten "Verbändevereinbarung" usw. - mit einzubeziehen. "Wenn sich die DBV-Spitze erneut zum Handlanger der Saatgut-Industrie macht, kann sie sich auf einen heißen Tanz vorbereiten", warnt Adi Lampke, Sprecher der IG-Nachbau.

/Annemarie Volling/mn/