Lausitzer Rundschau, 10.02.2005

In Breesen wird im April Gen-Mais ausgesät

Bundesregierung veröffentlichte die Liste der Anbauflächen Gross Breesen. Nachdem die Bundesregierung in der vergangenen Woche die Flächen veröffentlicht hatte, auf denen ab April genmanipulierte Feldfrüchte angebaut werden sollen, stand fest, dass auch in Guben bald der so genannte Gen-Mais wachsen wird. Von insgesamt 15 Feldern in Brandenburg befinden sich allein sechs im Ortsteil Groß Breesen. von Jan Siegel

Die einen feiern es als den Fortschritt in der modernen Landwirtschaft schlechthin. Andere haben panische Angst davor. Die Aussaat von Getreidesorten, deren Erbgut so manipuliert wurde, dass ihnen gefürchtete Schädlinge nichts mehr anhaben können, ist nicht ganz neu in Brandenburg. Neu ist aber die Tatsache, dass ab diesem Jahr jeder weiß, wo das genmanipulierte Grünfutter sprießt.
Grund dafür ist die seit einer Woche in Deutschland geltende Meldepflicht für Gen-Felder, wonach Betreiber von Genfeldern verpflichtet sind, drei Monate vor der Aussaat ihr Vorhaben beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anzumelden.

Nach Angaben des Bauernbundes, der vor allem kleinere Familienbetriebe vertritt, soll Genmais in Brandenburg auf knapp 494 Hektar angebaut werden, dies entspreche etwa der Hälfe der gesamten bundesweit gemeldeten Anbaufläche. Allein in Guben wurden 87 Hektar für die Bestellung mit Gen-Mais angemeldet. Die Flächen liegen alle im Gubener Ortsteil Groß Breesen. Gleich hinter dem Bahnübergang am Kupferhammer beginnen sie.

Die Aussaat sei "überflüssig und schädlich für die Interessen unserer Landwirtschaft", sagte Bringfried Wolter, Vizepräsident des Bauernbundes Brandenburg, in dieser Woche der Presse. Die Gentechnik diene nur dazu, "ackerbauliche Fehler kurzfristig auszugleichen".

Gefräßige Fliegen

Dirk Gesternkorn ist zuständig für den Bereich Saatgut der Märkische Kraftfutter GmbH (Märka) in Eberswalde und ein Verfechter des Einsatzes von Gentechnik beim Futtermittelanbau. Das Unternehmen versorgt auch landwirtschaftliche Betriebe im Gubener Raum mit Saatgut, darunter auch genetisch manipuliertes.

Er argumentiert damit, dass der Maiszünsler, ein fliegender Schädling, den Bauern in der relativ warmen Oder-Neiße-Region immer wieder massiv zugesetzt und erhebliche Verluste verursacht habe. Das Tier frisst sich in die Stängel der Maispflanzen und lässt sie umknicken.

Gerstenkorn räumt ein, dass sich auch durch massiven Chemieeinsatz der gefräßige Zünsler bekämpfen lasse, stellt aber die rethorische Frage, ob das ökologisch wünschenswerter sei.

In die Zellen des gentechnisch veränderten Maises sei eine Aminosäure eingebaut, die dem Maiszünsler nicht schmecke und so die Pflanzen vor dem Befall schütze.

Bauern AG zurückhaltend

Obwohl auch die Bauern AG in Grießen bereits mit genetisch verändertem Saatgut experimentiert hat, steht sie in diesem Jahr nicht auf der jetzt veröffentlichten Liste der Bundesregierung. Der Vorsitzende der Bauern AG Helmut Baum kennt die Vorteile der "modernen" Pflanzen, die das Verlustrisiko für die Bauern verkleinern. Trotzdem setzt er bei der Tierproduktion auf gentechnisch unveränderte Futtermittel, vor allem aus der eigenen Produktion. Den Maiszünsler halten Baum und sein Team bisher dadurch im Zaum, dass sie nach der Ernte die Maisstoppeln tief unterpflügen und die Schädlinge damit einfach "begraben".