Im Barnim soll Genmais wachsen
Sydower Fließ (MOZ) Gentechnisch veränderter Mais soll im Barnim angebaut
werden. Beantragt sind zehn Hektar in der Gemeinde Sydower Fließ. Darüber
informierte der Brandenburger Landesverband des BUND. Barnimer Natur- und
Umweltschützer, ein Vertreter Partei der Bündnis 90/Die Grünen und ein Bauer,
der konventionellen Landbau betreibt, haben sich dagegen ausgesprochen. Sie
sehen langfristig den Bestand der natürlichen Grundlagen des Lebens bedroht
und wiesen im Ortsteil Grüntal auf künftige Gefahren hin. 2006 sind
landesweit etwa 800 Hektar für Anbau von Monsanto-Mais vorgesehen.
Von Rainer Horn
Auf den beantragten Flächen soll das gentechnisch manipulierte Saatgut der
Sorte MON-810-8 vom Monsanto Konzern ausgebracht werden. Es handelt sich um
Saatgut, das die Raupe des Maiszünsler durch ein selbst produziertes Gift
töten soll. Dafür wurden in das natürliche Erbgut der Maispflanze artfremde
Gensequenzen des Bodenbakteriums "Bacillus thuringiensis" eingeschleust. "Die
vom Monsanto-Mais produzierten Gifte töten aber nicht nur den Maiszünsler,
sondern auch zahlreiche nützliche Insekten", erklärt Burkhard Voß,
Landesvorsitzender des BUND Brandenburg. Zudem ist das Auskreuzen der
eingeschleusten Erbinformationen auf andere Pflanzen nicht auszuschließen.
Was sie vom Einsatz gentechnisch veränderten Saatguts in ihrer Nachbarschaft
halten, zeigten Thorsten Kleinteich (Bündnis 90/Die Grünen) Ellen Krüger,
Ludwig Seeger vom Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik und andere am
nördlichen Ortseingang von Sydower Fließ. "Wir sind gegen den Anbau von
Gen-Mais in Grüntal und wollen auch sonst keine anderen gentechnisch
veränderten Pflanzen auf dem Acker sehen", sagt Heike Müller vom Bürgerforum
Lokale Agenda Biesenthal. Die Auswirkungen seien ungewiss und gefährlich, so
der Tenor. "Wir streben an, dass sich Biesenthal als gentechnikfreie Kommune
erklärt", so Frau Müller.
"Ich habe viele Gründe, meinen Protest vorzubringen", schloss sich der
konventionelle Bauer Bringfried Wolter aus Willmersdorf an. "Wenn sich der
Maiszünsler ausbreiten kann, ist das für mich nichts anderes als ein
ackerbaulicher Fehler, der mit wechselnder Feldnutzung und anderen Schritten
verhindert werden kann." Das könne eigentlich doch jeder und ausreichend
Felder zum Wechseln seien in Brandenburg grundsätzlich vorhanden. Gentechnik
sei da völlig unnötig. Langfristig seien die Auswirkungen der Verfütterung
von Genmais auf das Rind und den Milchertrag nicht bekannt. "Das Ganze ist
ein Spiel mit ungewissem Ausgang", sagte er. Unbekannt ist auch, wie sich in
der Folge beim Menschen der ständige Konsum von gentechnisch belasteten
Fleisch- oder Milchprodukten auswirken wird.
"Die gegenwärtige Entwicklung ist bedenklich", schloss sich Thorsten
Kleinteich an. Es sind keine Vorteile in Sicht, aber viele Nachteile. Unklar
ist auch die Frage der Haftung, wenn durch Gen-Pflanzen oder -Futter Schäden
entstehen." Gerade darüber macht sich auch Beate Alberts vom Melchower
Demeter Hof Sorgen. "Seit zwölf Jahren pflanzen wir Bio-Gemüse an und ich bin
total gegen den Gen-Anbau", sagt sie. "Wir bauen auch Zuckermais an, ein
Windblütler, und durch den Wind ist die Einkreuzung der gentechnisch
veränderten Maissorte anzunehmen", so Frau Alberts. "Damit wird unsere
wirtschaftliche Existenz in Frage gestellt", wies sie auf Konsequenzen hin.
Andere Meinungen zum Anbau von Genmais sind bei Bauern aus der dörflichen
Nachbarschaft zu erfahren. "Der Genmais ist eine gute Sache", schätzt der
Tempelfelder Landwirt Jürgen Giese ein. Vom nunmehr beantragten Anbau von
Genmais habe er noch nichts gehört, sagt er auf Anfrage. "Aber, was sollen
wir sonst machen", fragt er. Alles habe er schon beim Mais versucht und es
hätte nichts geholfen. Im vergangenen Jahr sei es zu großen Verlusten
gekommen.
Bauer Peter Pflug aus Melchow zeigt sich über den beantragten Anbau nicht
informiert. "Die Sache betrifft mich nicht", sagt er auf Anfrage. Außerdem
solle man nicht so viel Rummel machen. "Überall ist doch schon Gentechnik
drin", sagt er und verweist auf Getreide und Raps. "Im Schweinefutter sind
sowieso gentechnisch veränderte Eiweiße enthalten, meist vom Soja", meint der
Bauer.
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