Informationen zum Freilandversuch 6786-01-0150 in Golm
Mehr Stärke in den Knollen
Das Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm hat vom
Robert-Koch-Institut die Genehmigung zur Freisetzung gentechnisch veränderter
Kartoffeln erhalten. Bei der auf vier Jahre angelegten Freisetzung soll sich
im Freiland bestätigen, was zuvor im Gewächshaus funktioniert hat: Die
Kartoffeln bilden mehr Stärke in den Knollen durch ein neu eingeführtes Gen,
das die Sauerstoffversorgung verbessert.
Kartoffelblüte
Kartoffelknollen
Auch Pflanzen atmen. Sie gewinnen Sauerstoff durch die Photosynthese, bei der
sie Kohlenstoffdioxid und Wasser in Traubenzucker und Sauerstoff umsetzen.
Die Energie des Traubenzuckers wird mit Hilfe des Sauerstoffes für
Stoffwechselvorgänge nutzbar gemacht. Pflanzen verfügen aber im Gegensatz zu
höheren Tieren über kein Lungen-Kreislaufsystem als Transportsystem für
Sauerstoff. Die Gasverteilung erfolgt durch Diffusion zwischen den
Pflanzenzellen. Bei Pflanzenteilen wie der unterirdischen Kartoffelknolle,
die selber keine Photosynthese betreiben können und deren Oberfläche im
Verhältnis zum Volumen klein ist, sind Prozesse, die Energie verbrauchen, wie
z.B. die Stärkebildung, begrenzt durch den verfügbaren Sauerstoff.
Hohe Stärkegehalte sind ein wesentliches Qualitätsmerkmal in der
Kartoffelzüchtung, denn Kartoffeln sind ein beliebter "Nachwachsender
Rohstoff" für die Stärkeindustrie. Kartoffelstärke wird im "Non-Food"-Bereich
eingesetzt etwa bei der Herstellung von Papier, Folien oder Klebstoffen. Das
Forschungsprojekt am Max-Planck-Institut zielt in diese Richtung, vorläufig
geht es aber um Grundlagenforschung.
Stoffwechselprozesse in der Pflanze, die Energie verbrauchen, wie z.B. die
Stärkesynthese, benötigen Sauerstoff. Versuche hatten gezeigt, dass die
Sauerstoffversorgung die Stärkebildung begrenzt.
Um diesen Zusammenhang zu überprüfen, wurde ein Gen in die Kartoffel
eingeführt, welches das Transport- und Speichersystem für Sauerstoff
beeinflusst und somit die Sauerstoffversorgung verbessert.
Dieses Gen stammt aus dem Hornklee (Lotus japanicus), einem
Schmetterlingsblütler. Es ist zuständig für die Bildung von Leghämoglobin,
einem Eiweiß, welches das Wurzelgewebe des Hornklee mit Sauerstoff versorgt.
Gewächshausversuche mit den transformierten Kartoffeln zeigten: Die Knollen
der transgenen Kartoffeln besitzen einen höheren Stärkegehalt, eine größere
Energiemenge und einen höheren Sauerstoffgehalt als die Knollen der
unveränderten Ausgangslinie.
Im Feldversuch soll nun überprüft werden, ob die Kartoffelpflanzen unter
Freilandbedingungen die gleichen Merkmale ausprägen und ob diese stabil
bleiben.
Auf einer Anbaufläche von ca. 250 qm sollen pro Jahr maximal 800
Kartoffelpflanzen ausgepflanzt werden und zwar jedes Jahr an einer anderen
Stelle der insgesamt 7,7 Hektar großen Versuchsfläche. In diesem Jahr werden
320 gentechnisch veränderte Kartoffeln freigesetzt.
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