|
|
maerkischeallgemeine.de - 07.07.2005 Verbraucher entscheidetMit Bioland Ranch jetzt gentechnikfreie Region von Müritz bis StechlinGERD-PETER DIEDERICH Methling sieht darin den Weg, dass auch mittel- und langfristig noch gentechnikfreie Erzeugnisse angeboten und den Verbrauchern die Wahlfreiheit erhalten werde. Die Bioland Ranch Zempow gehört jetzt zum Kreis der Landwirtschaftsbetriebe, die sich gegen eine Ausbreitung von Anbauflächen für genmanipulierte Saaten und gentechnisch verändertes Tierfutter zusammengeschlossen haben. Bisher gab es die gentechnikfreie Region Müritz-Nationalpark bis in das Großschutzgebiet Stechlin-Ruppiner Land. Mit dem Beitritt der Bioland Ranch Zempow, den Geschäftsführer Wilhelm Schäkel jetzt erklärte, hat der BUND auch die Namensänderung der Gemeinschaft in "Müritz-Ruppiner Land" beschlossen. Es soll die jetzt organisierte größte gentechnikfreie Region in Deutschland werden, teilt der BUND mit. Die BUND-Landesgeschäftsstelle M/V jubelt über den Zugewinn durch einen neuen Partner, der die Ausdehnung der gentechnikfreien Region länderübergreifend stärkt. BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag vom Verband in Mecklenburg-Vorpommern will die Gebietsausdehnung weiter voranbringen und neue Partner für ein von der Weltnaturschutzorganisation gefordertes Gentechnikmoratorium für ökologisch sensible Gebiete gewinnen. Auf Mecklenburger Seite haben sich sieben große Landwirtschaftsbetriebe, die Nationalparkregion Müritz, die Nationalparkverwaltung und das Bundesforstamt Neustrelitz angeschlossen. Sie stehen für eine Landwirtschaftsfläche von 29 300 Hektar ein. Auf der Brandenburger Seite gilt die gentechnikfreie Zone für eine Fläche von über 17 400 Hektar, die Bioland Ranch Zempow bringt nochmal 500 Hektar auf Brandenburger und 300 Hektar ihrer Flächen auf Mecklenburger Seite in den Verbund ein. "Das Qualitätsmerkmal ,Gentechnikfrei' könnte bald wertvoll sein, weil die Mehrheit der Verbraucher gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnt", sagte die Landesgeschäftsführerin des BUND. Auch für den Tourismus und für die Landwirtschaftsbetriebe mit ihren vielen Arbeitsplätzen werde sich der erklärte Verzicht auf gentechnisch veränderte Saaten und gentechnikfreies Tierfutter vorteilhaft auswirken. An der Verbraucherstimmung zu gentechnisch veränderten Produkten orientiert sich auch Geschäftsführer Burkhardt Schulz von der Agrargenossenschaft in Biesen. Er denke nicht daran, veränderte Saaten auf seinen Flächen anzubauen. Akuten Handlungsbedarf für eine Initiative sieht er nicht. "Zuerst ist das eine Sache, die von den Kritikern mit den Züchtern ausgetragen werden muss", so Landwirt Schulz. Karl Gärtner von der Agro Holding Groß Haßlow lehnt es ab, gentechnisch verändertes Saat- und Pflanzgut grundsätzlich zu verteufeln. "Zu einseitig" meint er, keine Neuzüchtung sei ohne Veränderung der Erbanlagen, der Gene zustande gekommen. Würde erfolgreich gegen problematische Pflanzenkrankheiten gezüchtet, dann wäre er sehr daran interessiert. Gärtner weist darauf hin, dass nur durch Züchtungen auch die deutsche Landwirtschaft wettbewerbsfähig geblieben sei. Für ihn ist klar: ohne den in den Erbanlagen veränderten Hybrid-Roggen würde kein Bauer in der Region akzeptable Erträge auf kargem Sandboden erreichen. "Doch was den Konsumenten durch unkontrollierte Züchtung krank machen könnte, muss ausgeschlossen bleiben", fordert der Geschäftsführer der Agro Holding strenge staatlich organisierte Kontrollen. Der Landwirtschaftsexperte hat für die einseitige Ausrichtung einer gentechnikfreien Region kein Verständnis. "Das hieße, alle auch von der Natur verursachten Genveränderungen und Mutationen zu ignorieren und die Wissenschaft an den Pranger zu stellen. Wir verlieren wie bei der Stammzellendiskussion menschlicher Embryonen auch in der Pflanzenzucht international den Anschluss", warnt Gärtner. |