Polen in der EU - Gentechnik in Polen

Immer mehr, nicht immer legal: Genfood auf dem polnischen Markt

Obwohl die Auswirkungen von GVO (genetisch veränderten Organismen) auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt noch nicht vorhersehbar sind und sich 80 % der Landwirte und Verbraucher gegen Agro-Gentechnik angesprochen haben, hat die Europäische Kommission einen kommerziellen Anbau in der EU zugelassen. Im Streben nach größerer Effektivität und Produktivität in der Landwirtschaft werden die Proteste der Verbraucher-, Umwelt- und Bauernverbände nicht ernst genommen.

Auf einer deutsch-polnischen Konferenz am 30. Oktober in Eberswalde bei Berlin wurden die Situation der Agro-Gentechnik und die Einstellung gegenüber GVO in beiden Ländern verglichen.

Grüne Gentechnik kaum Thema in der Öffentlichkeit

In Polen ist Grüne Gentechnik für die meisten kein Begriff. Das Thema wird auch kaum in politischen Kreisen behandelt. Nach einer Umfrage des Polnischen Meinungsforschungsinstituts OBOP hat jeder dritte Pole noch nie etwas von genetisch modifizierten Organismen gehört.

Das Thema wird nur in den Industrie- und- Forschungszentren behandelt, die sich vor allem auf die Vorteile von GVO konzentrieren. Außerdem wird der Eindruck erweckt, dass genetisch modifizierte Pflanzen und ihre Produkte schon überall existieren und man nichts mehr dagegen tun kann.

In Polen sind bereits zahlreiche genetisch veränderte Produkte auf dem Markt, vor allem importierte Sojaprodukte. Neue Entwicklungen könnten weitere Gefahren bergen: Erstens werden immer öfter große landwirtschaftliche Flächen durch ausländische Investoren übernommen, und zweitens werden neue Forschungskapazitäten im Bereich Agro-Gentechnik aufgebaut.

Polen ist ein Land, in dem die veröffentlichten Statistiken und die Gesetze nicht immer mit der Wirklichkeit übereinstimmen. So trifft das Rechtsystem auf ein mitunter geringes Rechtsbewusstsein in der Bevölkerung und eine schwache Exekutive.

Vor den Gefahren der Gentechnik schützt vor allem internationales Recht

Zu den gesetzlichen Grundlagen für den Umgang mit GVO in Polen gehören der Artikel 74 der Verfassung, drei europäische Richtlinien und das Cartagena- Protokoll zur biologischen Sicherheit. Die Richtlinien wurden aus dem EU-Recht übernommen. Polens Abgeordnete beraten zur Zeit ein neues Gesetz, das das Gentechnik-Recht aktualisieren soll. Die neuen Bestimmungen sollen das Risiko minimieren, das mit einem unkontrollierten Anbau von Gentech- Pflanzen einhergeht. Landwirte, die GVO anbauen, sollen verpflichtet werden, die zuständigen Behörden und ihre Nachbarn zu informieren. Anderenfalls droht ihnen eine Geldstrafe.

Für die Information der Bevölkerung und das Füllen der Wissenslücken über GVO sind in Polen vor allem Nichtregierungsorganisationen "verantwortlich". Von Seiten der polnischen Regierung sollte der Europäischen Kommission ein Verbot von Mais MO 810 vorgeschlagen werden.

Woiwodschaft Podkarpackie erklärte sich zur gentechnikfreien Region

Die südöstliche Region Polens, die Woiwodschaft Podkarpackie, hat sich zur gentechnikfreien Region erklärt. Ela Priwieziencew vom Sozial-ökologischen Institut in Warschau hält das für eine politische Entscheidung und sieht darin eine Möglichkeit für die Entwicklung des ländlichen Tourismus. Dieser erfreut sich vor allem in Westeuropa wachsender Beliebtheit. Auch die deutschen Touristen befürworten gentechnikfreie Regionen und fahren gern nach Österreich, das sich zur gentechnikfreien Zone in Europa erklären möchte.

Nicht ohne Bedeutung sind auch Wissen und Bewusstsein bei den Verbrauchern. In Deutschland informieren Nichtregierungsorganisationen schon Mitte der 90er Jahre über Gentechnik. Mehr als die Ansichten der Wissenschaftler, die Politik des Staates oder die Proteste der Umweltverbände wird die Meinung der Verbraucher darüber entscheiden, ob GVO sich durchsetzen. In Polen ist dies besonders wichtig, weil die Kundschaft vor allem die billigeren Nahrungsmittel bevorzugt.

Da können die Pro-Gentechnik-Statistiken die Bevölkerung in trügerischer Sicherheit wiegen - und dies in einer Situation, wo es an gut ausgestatteten, neutralen Forschungseinrichtungen fehlt und die gentechnischen Methoden sich schnell entwickeln.

In Polen gibt es also viel zu tun. Die GVO-Produkte müssen streng überwacht werden. Die Verbraucher müssen informiert und die Produkte deutlich gekennzeichnet werden. Eine Aufgabe, die nicht allein in Polen gelöst werden kann.

Przemyslaw Sek, Grüne Liga

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