Märkische Landwirte begrüßen Seehofers Agrarwende
Frankfurt (Oder) (GMD) Die Pläne von Bundesminister Horst Seehofer (CSU) zur
Neuausrichtung der Landwirtschaft stoßen in Brandenburg überwiegend auf ein
positives Echo. Bauernverband und Landwirte begrüßen die Vorhaben.
Verbraucherschützer melden hingegen Bedenken an.
Der märkische Bauernpräsident Udo Folgart hält nichts von der Bevorzugung
einer Anbauart: "Ökolandbau und konventionelle Landwirtschaft auf einer Stufe
- das finde ich richtig. Seehofer macht ein Ende mit dem Schwarz-Weiß-Denken.
Unter Renate Künast schien die konventionelle Landwirtschaft häufig mit einem
Makel belastet. Das war falsch." Der neue CSU-Minister für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat angekündigt, die konventionelle
Landwirtschaft bei der Förderung dem Ökolandbau künftig wieder
gleichzustellen. Außerdem will er verstärkt auf die Gentechnik setzen. Um die
Abkehr von der Politik seiner Vorgängerin Renate Künast (Bündnis 90/Die
Grünen) deutlich zu machen, hat Seehofer im Namen seines Ministeriums den
Verbraucherschutz von vorn nach hinten gestellt.
Für Heidrun Franke von der Brandenburger Verbraucherzentrale ist dies das
falsche Signal. "Seehofers Umschwung beißt sich mit den Verbraucherwünschen.
Die Kunden wollen mehr Öko-Produkte und lehnen die Gentechnik in der
Landwirtschaft mehrheitlich ab", sagt die Ernährungsexpertin der
Verbraucherzentrale. Die Mark nehme beim Öko-Landbau bundesweit eine
Vorreiterrolle ein. Dieser Standortvorteil werde mit Seehofers Plänen aufs
Spiel gesetzt, betont Franke. "Die Landwirte in der Region brauchen eine
verlässliche Politik, wenn sie sich von der konventionellen auf die
ökologische Landwirtschaft umstellen wollen." An der Anschubfinanzierung für
die betreffenden Betriebe müsse man deshalb festhalten.
Bauernpräsident Udo Folgart hält die Nachfrage der Verbraucher bei
Öko-Produkten für weitgehend befriedigt. Die zugesicherten Förderungen würden
zudem bis Ende 2006 Bestand haben. Für 2007 stehen neue Verhandlungen mit der
Potsdamer Landesregierung an. Die Ökobetriebe würden zum größten Teil mit
Landesmitteln gefördert, so dass Seehofers neue Schwerpunktsetzung ohnehin
kaum Einfluss auf den märkischen Ökolandbau haben werde, betonte Folgart.
"Wenn Seehofer das Geld für überflüssige Bio-Marketingkampagnen streicht, habe
ich kein Problem damit", sagt selbst Henrik Wendorff, der in Worin
(Märkisch-Oderland) auf 1000 Hektar ökologischen Landbau betreibt. "Die
Propaganda-Politik von Frau Künast hat den Bio-Bauern eher geschadet. Wir
sind Bauern, wir wollen nicht in politische Streitereien verwickelt werden",
ergänzt Wendorff, der auch Chef des Kreisbauernverbands Märkisch-Oderland
ist.
Für überfällig hält Landwirt Bernhard Groß aus Ranzig (Oder-Spree) eine
Wiederaufwertung der konventionellen Landwirtschaft. "Bio ist nicht besser,
sondern anders. Wer das machen will - bitteschön! - aber nicht auf Kosten der
anderen Bauern", fordert Groß, Chef einer Agrargenossenschaft mit 600
Milchkühen und 2500 Mastschweinen. Auch Seehofers Vorstoß bei der Gentechnik
findet Groß gut. Genmais etwa sei resistent gegen den Maiszünsler, einen
Schädling, der bis zu 30 Prozent Ernteausfall verursachen kann. Auch
Bauernpräsident Folgart sagt: "Diese Fortschrittstechnologie muss in
Brandenburg eine Chance haben."
Dennoch bleibt die Bauernschaft in diesem Punkt gespalten: "Ich halte die
Gentechnik für den falschen Weg. Sie bringt mehr Probleme als sie den Bauern
hilft", sagt Henrik Wendorff aus Worin. Als Beispiel nennt er die noch immer
ungeklärten Haftungsfragen, wenn sich normale und genveränderte Pollen
mischen. Jörg Piprek, der bei Strausberg (Märkisch-Oderland) Genmais anbaut
und dafür heftigen Anfeindungen ausgesetzt ist, gibt sich nach der Zulassung
neuer gentechnisch veränderter Pflanzen durch Seehofer siegesgewiss: "Die
grüne Gentechnik wird sich auch bei uns durch-setzen."
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