moz.de - 29.12.2005

Märkische Landwirte begrüßen Seehofers Agrarwende

Frankfurt (Oder) (GMD) Die Pläne von Bundesminister Horst Seehofer (CSU) zur Neuausrichtung der Landwirtschaft stoßen in Brandenburg überwiegend auf ein positives Echo. Bauernverband und Landwirte begrüßen die Vorhaben. Verbraucherschützer melden hingegen Bedenken an.

Der märkische Bauernpräsident Udo Folgart hält nichts von der Bevorzugung einer Anbauart: "Ökolandbau und konventionelle Landwirtschaft auf einer Stufe - das finde ich richtig. Seehofer macht ein Ende mit dem Schwarz-Weiß-Denken. Unter Renate Künast schien die konventionelle Landwirtschaft häufig mit einem Makel belastet. Das war falsch." Der neue CSU-Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat angekündigt, die konventionelle Landwirtschaft bei der Förderung dem Ökolandbau künftig wieder gleichzustellen. Außerdem will er verstärkt auf die Gentechnik setzen. Um die Abkehr von der Politik seiner Vorgängerin Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) deutlich zu machen, hat Seehofer im Namen seines Ministeriums den Verbraucherschutz von vorn nach hinten gestellt.

Für Heidrun Franke von der Brandenburger Verbraucherzentrale ist dies das falsche Signal. "Seehofers Umschwung beißt sich mit den Verbraucherwünschen. Die Kunden wollen mehr Öko-Produkte und lehnen die Gentechnik in der Landwirtschaft mehrheitlich ab", sagt die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale. Die Mark nehme beim Öko-Landbau bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Dieser Standortvorteil werde mit Seehofers Plänen aufs Spiel gesetzt, betont Franke. "Die Landwirte in der Region brauchen eine verlässliche Politik, wenn sie sich von der konventionellen auf die ökologische Landwirtschaft umstellen wollen." An der Anschubfinanzierung für die betreffenden Betriebe müsse man deshalb festhalten.

Bauernpräsident Udo Folgart hält die Nachfrage der Verbraucher bei Öko-Produkten für weitgehend befriedigt. Die zugesicherten Förderungen würden zudem bis Ende 2006 Bestand haben. Für 2007 stehen neue Verhandlungen mit der Potsdamer Landesregierung an. Die Ökobetriebe würden zum größten Teil mit Landesmitteln gefördert, so dass Seehofers neue Schwerpunktsetzung ohnehin kaum Einfluss auf den märkischen Ökolandbau haben werde, betonte Folgart.

"Wenn Seehofer das Geld für überflüssige Bio-Marketingkampagnen streicht, habe ich kein Problem damit", sagt selbst Henrik Wendorff, der in Worin (Märkisch-Oderland) auf 1000 Hektar ökologischen Landbau betreibt. "Die Propaganda-Politik von Frau Künast hat den Bio-Bauern eher geschadet. Wir sind Bauern, wir wollen nicht in politische Streitereien verwickelt werden", ergänzt Wendorff, der auch Chef des Kreisbauernverbands Märkisch-Oderland ist.

Für überfällig hält Landwirt Bernhard Groß aus Ranzig (Oder-Spree) eine Wiederaufwertung der konventionellen Landwirtschaft. "Bio ist nicht besser, sondern anders. Wer das machen will - bitteschön! - aber nicht auf Kosten der anderen Bauern", fordert Groß, Chef einer Agrargenossenschaft mit 600 Milchkühen und 2500 Mastschweinen. Auch Seehofers Vorstoß bei der Gentechnik findet Groß gut. Genmais etwa sei resistent gegen den Maiszünsler, einen Schädling, der bis zu 30 Prozent Ernteausfall verursachen kann. Auch Bauernpräsident Folgart sagt: "Diese Fortschrittstechnologie muss in Brandenburg eine Chance haben."

Dennoch bleibt die Bauernschaft in diesem Punkt gespalten: "Ich halte die Gentechnik für den falschen Weg. Sie bringt mehr Probleme als sie den Bauern hilft", sagt Henrik Wendorff aus Worin. Als Beispiel nennt er die noch immer ungeklärten Haftungsfragen, wenn sich normale und genveränderte Pollen mischen. Jörg Piprek, der bei Strausberg (Märkisch-Oderland) Genmais anbaut und dafür heftigen Anfeindungen ausgesetzt ist, gibt sich nach der Zulassung neuer gentechnisch veränderter Pflanzen durch Seehofer siegesgewiss: "Die grüne Gentechnik wird sich auch bei uns durch-setzen."