Der Wind kennt keine Kreisgrenzen
Bernau. Angesichts der Entwicklung in der Gentechnik werfen Kritiker die
Frage auf, ob dieser Trend die Existenz des Menschen und allen Lebens
bedroht. Wie es im Barnim um Gefahren und Risiken durch die Anwendung von
Gentechnik in der Landwirtschaft bestellt ist, war am Mittwoch im Bernauer
Naturkostladen Grünbär zu erfahren. Thomas Janoschka vom Barnimer
Aktionsbündnis gegen Gentechnik, sprach zum Thema "Gentechnik bald auf jedem
Teller?"
Gut 30 Besucher waren zur Informations- und Diskussionsveranstaltung in die
Berliner Straße 52 gekommen und hatten auch den letzten Platz besetzt. Das
Publikum war gemischt, junge und ältere Semester. Interessierte Bürger,
Biolandwirte, Gesundheitsberater und religiös motivierte Menschen hörten,
dass für das Jahr 2006 in Nachbarkreisen bereits 800 Hektar, hauptsächlich
für den Anbau von Genmais, angemeldet wurden. "Der Wind kennt keine
Kreisgrenzen und transportiert den Samen überall hin", so Janoschka.
Überdies könne der Transport von Pflanzen und Saatgut auch zur
unkontrollierten Verbreitung beitragen. Ein Koexistenz von konventioneller
Landwirtschaft und gentechnische Agrarproduktion könne es nicht wirklich
geben. Unkontrollierte Auskreuzungen seien nicht zurückzuholen, wenn sie
einmal in der Welt sind. Für das Aktionsbündnis regte Janoschka an, dass
sich Bernau, ebenso wie Eberswalde, zur Kommune erklärt, in der keine
gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden dürfen.
Sonja Moor vom Hirschfelder Demeterhof sorgt sich wegen des Anbaus von
genveränderten Pflanzen. Gentechnik bedrohe alle konventionell und
biologisch arbeitenden Höfe und Imker, sagt sie. "Wir bauen Fahrradwege,
aber wer möchte schon an Genfeldern vorbei fahren?", wies sie auf künftige
Probleme im Tourismus, aber auch für Kureinrichtungen hin "Das schöne
Barnimer Landschaftsbild würde verändert werden, da Genpflanzen
wirtschaftlich auf riesigen Schlägen angebaut werden", wies Frau Moor auf
die Praxis in den USA hin.
"Wenn der Ausbreitung von Genpflanzen nicht Einhalt geboten wird, wird der
Verbraucher letztlich keine natürliche Nahrung essen können und es wird
keine Bioläden mehr geben", sorgt sich Karsten Molzahn vom Bernauer Grünbär
Naturkostladen. Die langfristigen Folgen für die Gesundheit seien nicht
erforscht.
"Wie kann ich denn im Supermarkt erkennen, dass es sich bei dem jeweiligen
Lebensmittel um ein gentechnisch verändertes Produkt handelt?", wollte ein
Besucher wissen. "Ich kann ja jetzt schon kaum erkennen, was alles an
Farbstoffen oder Konservierungsstoffen enthalten ist", so ein anderer. "Ich
fühle mich nicht mehr sicher, ob ich gentechnikfreie Lebensmittel erwerbe.
Problematisch ist das besonders bei Milch, Fleisch und Eiern, da nicht
gekennzeichnet werden muss, ob das Futter genverändert wurde", wurden
weitere Sorgen geäußert.
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