moz.de - 28.01.2006

Der Wind kennt keine Kreisgrenzen

Bernau. Angesichts der Entwicklung in der Gentechnik werfen Kritiker die Frage auf, ob dieser Trend die Existenz des Menschen und allen Lebens bedroht. Wie es im Barnim um Gefahren und Risiken durch die Anwendung von Gentechnik in der Landwirtschaft bestellt ist, war am Mittwoch im Bernauer Naturkostladen Grünbär zu erfahren. Thomas Janoschka vom Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik, sprach zum Thema "Gentechnik bald auf jedem Teller?"

Gut 30 Besucher waren zur Informations- und Diskussionsveranstaltung in die Berliner Straße 52 gekommen und hatten auch den letzten Platz besetzt. Das Publikum war gemischt, junge und ältere Semester. Interessierte Bürger, Biolandwirte, Gesundheitsberater und religiös motivierte Menschen hörten, dass für das Jahr 2006 in Nachbarkreisen bereits 800 Hektar, hauptsächlich für den Anbau von Genmais, angemeldet wurden. "Der Wind kennt keine Kreisgrenzen und transportiert den Samen überall hin", so Janoschka. Überdies könne der Transport von Pflanzen und Saatgut auch zur unkontrollierten Verbreitung beitragen. Ein Koexistenz von konventioneller Landwirtschaft und gentechnische Agrarproduktion könne es nicht wirklich geben. Unkontrollierte Auskreuzungen seien nicht zurückzuholen, wenn sie einmal in der Welt sind. Für das Aktionsbündnis regte Janoschka an, dass sich Bernau, ebenso wie Eberswalde, zur Kommune erklärt, in der keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden dürfen.

Sonja Moor vom Hirschfelder Demeterhof sorgt sich wegen des Anbaus von genveränderten Pflanzen. Gentechnik bedrohe alle konventionell und biologisch arbeitenden Höfe und Imker, sagt sie. "Wir bauen Fahrradwege, aber wer möchte schon an Genfeldern vorbei fahren?", wies sie auf künftige Probleme im Tourismus, aber auch für Kur­einrichtungen hin "Das schöne Barnimer Landschaftsbild würde verändert werden, da Genpflanzen wirtschaftlich auf riesigen Schlägen angebaut werden", wies Frau Moor auf die Praxis in den USA hin.

"Wenn der Ausbreitung von Genpflanzen nicht Einhalt geboten wird, wird der Verbraucher letztlich keine natürliche Nahrung essen können und es wird keine Bioläden mehr geben", sorgt sich Karsten Molzahn vom Bernauer Grünbär Naturkostladen. Die langfristigen Folgen für die Gesundheit seien nicht erforscht.

"Wie kann ich denn im Supermarkt erkennen, dass es sich bei dem jeweiligen Lebensmittel um ein gentechnisch verändertes Produkt handelt?", wollte ein Besucher wissen. "Ich kann ja jetzt schon kaum erkennen, was alles an Farbstoffen oder Konservierungsstoffen enthalten ist", so ein anderer. "Ich fühle mich nicht mehr sicher, ob ich gentechnikfreie Lebensmittel erwerbe. Problematisch ist das besonders bei Milch, Fleisch und Eiern, da nicht gekennzeichnet werden muss, ob das Futter genverändert wurde", wurden weitere Sorgen geäußert.