Was drauf steht, soll auch drin sein: Diskussion zur Gentechnik
Bad Freienwalde (MOZ) Emotionsgeladen ging es am Mittwochabend bei der
Podiumsdiskussion im Bad Freienwalder Hotel Eduardshof zu. Unter der
Fragestellung "Grüne Gentechnik - Fluch oder Segen für Landwirtschaft und
Verbraucher?" hatte die Frie-drich-Naumann-Stiftung die
Bundestagsabgeordneten Christel Happach-Kasan (FDP) und Cornelia Behm
(Bündnis 90/Die Grünen) zu der öffentlichen Veranstaltung geladen. Gekommen
waren zahlreiche junge und ältere Teilnehmer aus ganz Märkisch-Oderland, die
zusehen mussten, in dem gut gefüllten Saal noch einen Platz zu finden.
Herrschte während des Vortrags von Andreas Ulrich vom Zentrum für
Agrar-Landschaftsforschung Müncheberg darüber, wie die Grüne Gentechnik, bei
der das Erbgut von Pflanzen, Mikroorganismen und Tieren durcheinander
gemischt wird, überhaupt funktioniert, noch ungeteilte Aufmerksamkeit,
erhitzten sich die Gemüter spätestens während des Auftritts von Christel
Happach-Kasan. Die Bundestagsabgeordnete hatte wegen Zwischenrufen Mühe, ihre
Positionierung zu Ende zu bringen.
Die "begeisterte Biologin", wie sie sich selbst bezeichnete, betonte, dass es
ihrer Partei darauf ankomme, "das Potenzial der Grünen Gentechnik zu nutzen,
um Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland" schaffen zu können. "Auch die
konventionelle Züchtung hat immer menschengemachte Veränderungen zur Folge",
hob die Politikerin vor dem Hintergrund der umstrittenden Erzeugung von
genveränderten Lebensmitteln hervor. Entscheidend sei dabei jedoch "nicht die
Zuchtmethode, sondern das Ergebnis." Umwelt- sowie Gesundheitsverträglichkeit
seien dabei ausnahmslos bei allen, also auch den herkömmlichen Züchtungen zu
prüfen. Die FDP-Politikerin sprach sich deshalb für eine intensive
"Begleit-forschung" aus.
Obwohl sie zum Ausdruck brachte, die Grüne Gentechnik für "eine faszinierende
Wissenschaft" zu halten, positionierte sich die Bundestagsabgeordnete
Cornelia Behm erwartungsgemäß gegen die Erzeugung von Genlebensmitteln. Die
Verbraucher hätten sich einer kürzlich erstellten Umfrage nach "für
Gentechnik freie Lebensmittel" entschieden, so Cornelia Behm.
Doch wie kann der Verbraucher erkennen, ob die Milch, die er trinkt, von einer
Kuh stammt, die Genmais gefressen hat? Und was für langfristige Auswirkungen
können die gentechnisch veränderten Lebensmittel auf den menschlichen Körper
haben? "Eine Kennzeichnungspflicht, die für jeden nachvollziehbar ist - das
will die FDP", stellte Christel Happach-Kasan klar. Das, was drauf steht,
soll drin sein - auch Cornelia Behm räumte ein, dass es diesbezüglich "eine
Lücke gebe." Sie konnte den Diskussionsteilnehmern nur raten: "Kaufen Sie
beim Ökobauern." Dort würden die Tiere garantiert nicht mit Genmais
gefüttert. Beide Bundestagsabgeordneten betonten, dass der Verbraucher die
Freiheit haben sollte, zu entscheiden, welche Produkte er kauft.
Doch was ist mit der Freiheit der Landwirte - "wie positionieren sich die
Erzeuger?," wollte ein junger Mann wissen. "Brüssel hat entschieden und wir
reagieren", brachte der Vorsitzende des Bauernverbandes Märkisch-Oderland
Henrik Wendorff seiner Ansicht nach die Situation auf den Punkt. Zur
fachlichen Praxis des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen gebe es
keine Reglungen. Die Landwirte seien verunsichert, so Wendorff, der auch vor
dem Hintergrund des Genmaisanbaus im Oderbruch mehr Risikoverteilung unter
den Nutznießern forderte. "Es muss jedenfalls die Chance geben, neue
Technologien auszuprobieren", betonte Landwirt Werner Selle aus Schulzendorf.
|