moz.de - 27.01.2006

Was drauf steht, soll auch drin sein: Diskussion zur Gentechnik

Bad Freienwalde (MOZ) Emotionsgeladen ging es am Mittwochabend bei der Podiumsdiskussion im Bad Freienwalder Hotel Eduardshof zu. Unter der Fragestellung "Grüne Gentechnik - Fluch oder Segen für Landwirtschaft und Verbraucher?" hatte die Frie-drich-Naumann-Stiftung die Bundestagsabgeordneten Christel Happach-Kasan (FDP) und Cornelia Behm (Bündnis 90/Die Grünen) zu der öffentlichen Veranstaltung geladen. Gekommen waren zahlreiche junge und ältere Teilnehmer aus ganz Märkisch-Oderland, die zusehen mussten, in dem gut gefüllten Saal noch einen Platz zu finden.

Herrschte während des Vortrags von Andreas Ulrich vom Zentrum für Agrar-Landschaftsforschung Müncheberg darüber, wie die Grüne Gentechnik, bei der das Erbgut von Pflanzen, Mikroorganismen und Tieren durcheinander gemischt wird, überhaupt funktioniert, noch ungeteilte Aufmerksamkeit, erhitzten sich die Gemüter spätestens während des Auftritts von Christel Happach-Kasan. Die Bundestagsabgeordnete hatte wegen Zwischenrufen Mühe, ihre Positionierung zu Ende zu bringen.

Die "begeisterte Biologin", wie sie sich selbst bezeichnete, betonte, dass es ihrer Partei darauf ankomme, "das Potenzial der Grünen Gentechnik zu nutzen, um Arbeitsmöglichkeiten in Deutschland" schaffen zu können. "Auch die konventionelle Züchtung hat immer menschengemachte Veränderungen zur Folge", hob die Politikerin vor dem Hintergrund der umstrittenden Erzeugung von genveränderten Lebensmitteln hervor. Entscheidend sei dabei jedoch "nicht die Zuchtmethode, sondern das Ergebnis." Umwelt- sowie Gesundheitsverträglichkeit seien dabei ausnahmslos bei allen, also auch den herkömmlichen Züchtungen zu prüfen. Die FDP-Politikerin sprach sich deshalb für eine intensive "Begleit-forschung" aus.

Obwohl sie zum Ausdruck brachte, die Grüne Gentechnik für "eine faszinierende Wissenschaft" zu halten, positionierte sich die Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm erwartungsgemäß gegen die Erzeugung von Genlebensmitteln. Die Verbraucher hätten sich einer kürzlich erstellten Umfrage nach "für Gentechnik freie Lebensmittel" entschieden, so Cornelia Behm.

Doch wie kann der Verbraucher erkennen, ob die Milch, die er trinkt, von einer Kuh stammt, die Genmais gefressen hat? Und was für langfristige Auswirkungen können die gentechnisch veränderten Lebensmittel auf den menschlichen Körper haben? "Eine Kennzeichnungspflicht, die für jeden nachvollziehbar ist - das will die FDP", stellte Christel Happach-Kasan klar. Das, was drauf steht, soll drin sein - auch Cornelia Behm räumte ein, dass es diesbezüglich "eine Lücke gebe." Sie konnte den Diskussionsteilnehmern nur raten: "Kaufen Sie beim Ökobauern." Dort würden die Tiere garantiert nicht mit Genmais gefüttert. Beide Bundestagsabgeordneten betonten, dass der Verbraucher die Freiheit haben sollte, zu entscheiden, welche Produkte er kauft.

Doch was ist mit der Freiheit der Landwirte - "wie positionieren sich die Erzeuger?," wollte ein junger Mann wissen. "Brüssel hat entschieden und wir reagieren", brachte der Vorsitzende des Bauernverbandes Märkisch-Oderland Henrik Wendorff seiner Ansicht nach die Situation auf den Punkt. Zur fachlichen Praxis des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen gebe es keine Reglungen. Die Landwirte seien verunsichert, so Wendorff, der auch vor dem Hintergrund des Genmaisanbaus im Oderbruch mehr Risikoverteilung unter den Nutznießern forderte. "Es muss jedenfalls die Chance geben, neue Technologien auszuprobieren", betonte Landwirt Werner Selle aus Schulzendorf.