moz.de - 24.10.2005

Breite Ablehnung für Gentechnik

Strausberg (MOZ) Die Gegner grüner Gentechnik wollen sich für eine Beibehaltung des in diesem Jahr beschlossenen Gentechnik-Gesetzes der Bundesregierung einsetzen. Es beinhaltet u. a. ein transparentes Standortregister und klare Haftungsregelungen für Verursacher von Schäden durch gentechnisch manipuliertes Saatgut. Bei einem Treffen im Strausberger Klub am See am vergangenen Samstagabend werteten sie die Aktionen dieses Sommers aus und erörterten die Schwerpunkte ihres nächsten Vorgehens. Dabei geht es um die Ausweitung erster gentechnikfreier Zonen, die bereits in Uckermark und Barnim starteten. Zahlreiche Strausberger verfolgten die Debatten und mischten sich auch in die Diskussion ein.
Von Jens Sell

Der Widerstand gegen den Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen geht weiter. Am vergangenen Samstagabend tauschte ein hochkarätig besetztes Podium im Klub am See Erfahrungen im Kampf gegen Gentechnik aus und steckte Schwerpunktziele ab. Ein zentrales Thema war das zunächst von den Gegnern kritisierte Gentechnik-Gesetz der Bundesregierung. In Vollzug des EU-Rechts legalisierte es den Anbau gentechnisch veränderten Saatguts, schreibt aber klare Haftungsregeln für dadurch verursachte Schäden und ein transparentes Standortregister, das für jeden im Internet zugänglich ist, vor.

Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm (Bündnis 90/Die Grünen): "Ich befürchte, dass die große Koalition die Staatshaftung für Schäden einführen wird, dass also der Steuerzahler dafür aufkommen werden muss." Zugleich sei bekannt, dass über 70 Prozent der Verbraucher, also der Steuerzahler, gentechnisch manipulierte Lebensmittel ablehnen.

Ein langjähriger Aktivist des Gentechnik-Widerstands ist der Agrarwissenschaftler Professor Sigmar Groeneveld. Er mahnte mehr zivilen Ungehorsam an, denn: "Wir haben das Jahr eins der massenhaften Freisetzung von gentechnisch verändertem Saatgut. Es ist eine neue Spitze dessen, was Agrarindus­trialisierung in den letzten Jahrzehnten schon kaputtgemacht hat." Ziviler Ungehorsam wie die so genannte freiwillige Feldbefreiung am 30. Juli in Hohenstein bezeichnete der Professor als einzige Möglichkeit, den friedvollen Protesten Gehör zu verschaffen. Das Motiv der Gentechnik-Gegner sei höchst ehrenwert. Mit solchen Veranstaltungen wie in Strausberg müssen sie sich gegenseitig verständigen, Netzwerke aufbauen und kleine Schritte und große Aktionen absprechen. Strausberg habe inzwischen durch die Aktionen bundesweit unter Gentechnik-Gegnern einen guten Namen, sagte Groeneveld.

Die Feldbefreiung und die Kundgebung auf dem Feld der Biobauern Ewald in Ruhlsdorf würdigten auch Biogärtner Martin Webber und Steffen Raeder vom Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik. Nora Mannhardt berichtete von ersten gentechnikfreien Regionen in den Landkreisen Uckermark, Barnim und Märkisch-Oderland. 44 landwirtschaftsbetriebe hätten sich inzwischen selbst verpflichtet, 16 000 Hektar bewirtschaf

tete Fläche und 120 000 Hektar insgesamt seien bereits eingebunden.

In der Diskussion der insgesamt fast fünfstündigen Veranstaltung kamen auch die Vorbehalte Strausberger Bürger gegen illegale Aktionen wie die Zerstörung von Genmais-Feldern zum Ausdruck. Der Strausberger Stadtverordnete Uwe Kunath sagte, dass die angekündigte Gesetzesverletzung dem Anliegen seiner Fraktion, einen Beschluss gegen Gentechnik in Strausberg herbeizuführen, geschadet habe.