http://www.moz.de/showArticle.php?OPENNAV=lokales&SUBNAV=strausberg&ID=60850 (nicht mehr aktuell) - 09.05.2005
Votum gegen Gentechnik in Strausberg
Strausberg (MOZ) Mit knapper Zwei-Drittel-Mehrheit haben die Abgeordneten des
Bau- und Umweltausschusses der Strausberger Stadtverordnetenversammlung für
eine Beratungsvorlage votiert, die dem Anbau gentechnisch veränderter
Maissorten entgegenwirken soll.
Von Jens Sell
Der Maiszünsler hat in der Vergangenheit 30 Prozent der Maisernte der
Hohensteiner Agrargenossenschaft vernichtet. Er ließe sich aufwändig mit
chemischen Mitteln bekämpfen, die beträchtlichen Schaden auch unter Insekten
und in der Folge bei Vögeln verursachen würden. Geschäftsführer Jörg Piprek
setzt deshalb auf Saatgut, bei dem durch eine gentechnische Manipulation in
der Pflanze ein spezielles Eiweiß produziert wird, das einzig dem Maiszünsler
nicht bekommt und ihn damit unschädlich machen soll. Dieses Saatgut wird
kurzerhand Genmais genannt und hat unter Fachleuten und noch mehr unter
Nichtfachleuten zu einem Austausch umfangreicher Argumentationen geführt.
Auch in der jüngsten Strausberger Bau- und Umweltausschusssitzung war dies zu
hören.
Anlass war eine Absichtserklärung, die der bündnisgrüne Abgeordnete Uwe Kunath
zur Debatte gestellt hat (MOZ berichtete). Die Stadt möge sich verpflichten,
auf Pächter stadteigener landwirtschaftlicher Flächen und Landwirte, die in
der Gemarkung wirtschaften, einzuwirken, dass sie die Hände vom Genmais
lassen.
Wie die Argumente mitunter aneinander vorbeigehen, machte das Beispiel der
durch den genmanipulierten Maisanbau in der Existenz bedrohten Bio-Imker
deutlich, das an die Wand gemalt wurde: Bienen sammeln keinen Maispollen,
denen kann er vermutlich tatsächlich nicht schaden. Nach Piprek hatte auch
Bio-Landwirtin Kirsten Ewald Gelegenheit, ihre Haltung darzulegen. Sie
verzichtete auf das Heranziehen wissenschaftlicher Studien und machte
stattdessen emotional überzeugend ihre persönliche Enttäuschung darüber
deutlich, dass Jörg Piprek seine Funktion mit grundsätzlich anderen Prämissen
in Hohenstein angetreten habe. Meinhard Ott, Chef der Naturparkverwaltung
Märkische Schweiz, brachte die Diskussion auf den Punkt: Abgesehen von noch
nicht schlüssig nachgewiesenen Folgen bringe der Leumund Schaden, besonders
für das Tourismusmarketing der Region: "Ein Drittel der Gesamtanbaufläche der
Bundesrepublik für gentechnisch veränderten Mais liegt in Märkisch-Oderland.
Das spricht sich rum und schadet."
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