moz.de - 04.03.2006

Mit Traktoren gegen Anbau von Genmais

Eberswalde (MOZ) Rund 100 Menschen haben am Freitag in Eberswalde gegen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft protestiert. Landwirte und Verbraucher waren dem Aufruf des Aktionsbündnisses gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin-Brandenburg gefolgt.

Bauern wie Peter Krenz aus Brodowin (Barnim) Ralf Behring aus Leuenberg (Märkisch-Oderland) waren der Einladung gefolgt und mit ihren Traktoren in die Barnimer Kreisstadt Eberswalde gekommen. "Genmais-freie Zone" oder "Keine Macht den Gentechnik-Konzernen" steht auf Plakaten. "Für kontrollierte Bioprodukte müssen wir nachweisen, dass wir gentechnikfrei produzieren. Wie sollen wir das, wenn auf dem Nachbarfeld genmanipulierter Mais steht, dessen Pollen an keiner Grenze Halt machen?", regt sich Krenz auf. Wehret den Anfängen, ist das Motto der Demonstranten.

Der Ort des Protestes ist nicht zufällig gewählt. Eberswalde hatte sich 2005 als erste Stadt im Land zur gentechnikfreien Zone erklärt. Eine handvoll Landwirte gibt es in der Gemarkung. Aber auch den Getreide-Großhändler Märka. Dieser wirbt bei den Landwirten in der Region derzeit massiv für gentechnisch verändertes Saatgut des amerikanischen Konzerns Monsanto.

Dass die Mark bundesweit führend beim Anbau von genmanipuliertem Mais ist, sei "nicht zuletzt" auf die Märka zurückzuführen, sagte Nora Mannhardt vom Aktionsbündnis. Die Firma kooperiere eng mit Monsanto, dem weltweit größten Anbieter von gentechnisch verändertem Saatgut. Der so genannte Genmais sei nicht mainipuliert, sondern gentechnisch verbessert, gesünder und weniger schädlingsanfällig, sagt Märka und bietet Abnahmegarantien.

Etwa 50 Bauern protestierten mit einem übergroßen Maiskolben, Transparenten und Spruchbändern auf ihren Traktoren vor den verschlossenen Toren der Firma. "Wir wollen uns nicht vorschreiben lassen, was wir zu Hause auf unseren Teller packen", warnte die bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Cornelia Behm vor einer flächendeckenden Ausbreitung gentechnisch veränderten Saatguts.

Bündnis-Koordinator Thomas Janoschka unterstrich, solange die Risiken von gentechnischen Veränderungen in Pflanzen nicht restlos aufgeklärt seien, "gehört der Genmais nicht auf den Acker".

Der Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut rechne sich langfristig nur für die großen Agrarkonzerne wie Monsanto, sagte der Vizepräsident des Bauernbundes, Bringfried Wolter. Weder bei Mais noch bei Raps, Soja oder Baumwolle habe sich in den vergangenen zehn Jahren durch den Einsatz von Gentechnik die Gewinnsituation der Landwirte verbessert, erklärte er. Die Demonstration in Eberwalde war Teil einer bundesweiten Protestwelle. An über 50 Orten fanden am Freitag Aktionen gegen den Anbau von Genmais statt.