Besorgte Biobauern

Anbau von gentechnisch verändertem Mais könnte ein Problem werden

UTE SOMMER
POTSDAM Der verstärkte Anbau von gentechnisch verändertem Mais in Brandenburg bereitet den hiesigen Biobauern große Sorgen. Brandenburg, das beim Ökolandbau in Deutschland an der Spitze steht, konnte bei der Vermarktung von Bioprodukten mit seinem "sauberen Image" werben, so Amos Ramsauer, Geschäftsführer der ostdeutschen Öko-Erzeugergemeinschaft Biokorntakt. Dieses Markenzeichen werde nun "mutwillig in Frage gestellt" und damit ein Standortvorteil verspielt, meint Ramsauer.

In Brandenburg ist dieses Jahr auf 33 Feldern mit einer Fläche von insgesamt rund 700 Hektar der Anbau von Gen-Mais geplant. Diese Flächen seien im Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) angemeldet worden, teilte das Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Berlin und Brandenburg gestern mit. Damit wäre Brandenburg bundesweit Spitzenreiter.

Je mehr Gen-Mais angebaut wird, desto größer sei auch das Risiko einer Verunreinigung von Bioerzeugnissen, warnt Ronald Mikus vom Marketing des Terra-Naturkosthandels in Berlin, der viele Bioprodukte aus Brandenburg vermarktet. Ein Rückzug aus Brandenburg komme für den Naturkosthandel nicht in Frage. Aber die Entwicklung beim Gentechnik-Anbau verursache "große Ängste". Der bayerische Babynahrungshersteller Claus Hipp hatte kürzlich angekündigt, notfalls mehr Rohstoffe im Ausland einzukaufen, wenn es in Deutschland Probleme geben sollte, ausreichend gentechnikfreie Produkte zu bekommen. Zumindest für Brandenburg hätte das aber keine Konsequenzen. Nach Auskunft der Pressestelle von Hipp bezieht das Unternehmen keine Bioprodukte aus der Mark.

2005 ist der mit hiesigen Bioerzeugnissen erzielte Umsatz in der Region Berlin-Brandenburg um rund 18 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung sieht Sanna Rehfeld von der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) nun gefährdet. Bisher habe es noch keine Verunreinigungen auf Brandenburger Bio-Äckern gegeben. Doch Rehfeld zufolge sei es nur "ein ganz kleiner Schritt" bis zum Fall der Fälle.

Warum gerade in Brandenburg vergleichsweise viel Gen-Mais angebaut wird, kann sich Jens-Uwe Schade vom Potsdamer Agrarministerium nicht erklären. Aus Sicht des Ministeriums sei es jetzt am wichtigsten, die Koexistenz der verschiedenen Wirtschaftsformen sicherzustellen.

Es bleibt abzuwarten, ob auch tatsächliche alle Anbaupläne umgesetzt werden. Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurden 2005 rund 75 Prozent der Anträge wieder zurückgezogen.