Aktionsbündnis kritisiert Gentech-Anbau

Biologischer Landbau in der Mark gefährdet / Landesregierung weist Vorwurf zurück

POTSDAM Das Aktionsbündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft  Berlin-Brandenburg hat der Potsdamer Landesregierung "verantwortungslosen  Umgang" mit dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen vorgeworfen.

Brandenburg, das "trauriger Spitzenreiter" gentechnischer Landwirtschaft in  Deutschland sei, würde die Überwachung zur Erkennung von möglichen  Verunreinigungen anderer Produkte durch gentechnisch veränderten Anbau  vernachlässigen, so das Bündnis, dem neben Umweltschutzorganisationen wie  Greenpeace auch Unternehmen der Biolandbau-Branche angehören. So habe es  2005 nur zwei Proben bei Höfen und eine weitere bei einem Saatguthändler  gegeben. In diesem Jahr hätten die Behörden ganz auf Untersuchungen  verzichtet.

Das Potsdamer Agrarministerium wies die Vorwürfe zurück. Es habe sehr wohl  entsprechende Untersuchungen gegeben, so Günter Hälsig, Leiter  Verbraucherschutz im Ministerium. Zudem wurde auf die Einführung des  Koexistenzbeauftragten hingewiesen, der für das Miteinander von gentechnisch  verändertem Anbau und gentechnikfreier Landwirtschaft zuständig sei.

Heiner Petersen vom Gut Wilmersdorf in der gentechnikfreien Zone Uckermark,  die 46 Betriebe umfasst, bemängelte eine "fehlende Information der  Landwirte" über klassische ackerbauliche Praktiken gegen Schädlinge. Joachim  Weckmann, Chef der Berliner Bäckerei Märkisch Landbrot, kritisierte  mangelnden Schutz vor Verunreinigung beim Einkauf gentechnikfreier Produkte.  Weckmann: "Bei der aktuellen Entwicklung müssen wir erwägen, Rohstoffe aus  anderen Regionen zu beziehen."

Die Gentechnik stehe auch dem eigenen Anspruch des Landes entgegen, das  Potenzial des Bio-Landbaus voll auszuschöpfen, sagte Jakob Ganten vom  Anbauverband Demeter, der etwa 40 gentechnikfreie Betriebe vereint. Die  Gentechnik gefährde die weitere Entwicklung des ökologischen Anbaus, bei dem  Brandenburg bundesweit den höchsten Anteil habe, so Ganten.

Mehr Engagement des Landes bei der anstehenden Novelle des Gentechnikgesetzes  forderte Henning Strodthoff von Greenpeace. "Da brauchen wir keine  Nachhilfe, wir wissen um unsere Verantwortung", sagte Ministeriumssprecher  Jens-Uwe Schade. gd