03.11.2004 - http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10383809/61759/ (nicht mehr aktuell)
Das positive Image
Grüne fallen im Kreistag mit ihren Gentechnik-Anträgen durch
INGO HENSEKE HAVELLAND
Die Grünen sind im Kreistag Havelland mit dem Versuch gescheitert, ein
politisches Signal gegen den Einsatz von Gentechnik zu setzen. Lediglich die
drei Mitglieder der Fraktion - Doris Kienappel, Christine Otto und
Klaus-Ulrich Mosel - haben bei der jüngsten Beratung für die beiden Anträge
gestimmt.
Wie berichtet, ging es zum einen darum, dass in Schulen, Kantinen oder
ähnlichen Einrichtungen des Kreises keine gentechnisch veränderten
Lebensmittel angeboten werden. Hauptanliegen der Grünen sei es, dem
Verbraucher die Chance zu lassen, selbst darüber zu befinden, ob er
gentechnisch veränderte Lebensmittel zu sich nehmen wolle oder nicht,
erläuterte Doris Kienappel. "Dies kann ohne nennenswerten Mehraufwand
geschehen", sagte die Abgeordnete, "und darüber hinaus ist es eine Chance für
den Kreis, zu einem positiven Image zu kommen." Der zweite Antrag bezog sich
auf Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen in der havelländischen
Landwirtschaft. Die Landwirte sollten dabei unterstützt werden, auch künftig
ohne Gentechnik zu arbeiten.
Der PDS-Abgeordnete Harry Rackwitz machte den Kreistag darauf aufmerksam, dass
eine Novelle des bundesdeutschen Gentechnikgesetzes noch auf dem Instanzenweg
sei. "Dieses Gesetz aber bestimmt zunächst einmal den Handlungsrahmen des
Kreises", sagte Rackwitz. Er warnte zudem davor, ein "junges Verfahren" wie
die Gentechnik zu diskreditieren. Auch sollte es der Kreistag vermeiden, in
der Öffentlichkeite "Ängste zu schüren". Hinzu komme, dass es auch beim
Verzehr konventioneller Lebensmittel Risiken gebe. Rackwitz verwies darauf,
dass es eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Produkte gebe
und plädierte dafür, dass der Kreistag in dieser Angelegenheit nicht
"vorprellen" sollte: "Das schafft nur zusätzlich Verunsicherung."
Dezernent Dennis Granzow erinnerte die Grünen daran, dass der Kreis selbst gar
keine Kantinen betreibe, sondern seine rund 750 Beschäftigten über
Fremdfirmen versorgen lasse. Bei den Schulen, die sich in Trägerschaft des
Kreises befinden, könne man nicht per Beschluss in laufende Verträge
eingreifen; lediglich bei neuen Vertragsabschlüssen sei dies möglich.
Der grüne Fraktionsvorsitzende Klaus-Ulrich Mosel wiederum versprach den
Abgeordneten, die Elternschaft namentlich des kreiseigenen
Marie-Curie-Gymnasiums Dallgow-Döberitz über die Argumentation des Kreistages
zu informieren. Mosel selbst ist Kreiselternvertreter der Lessing-Grundschule
Falkensee und stellvertretender Kreiselternvertreter des
Marie-Curie-Gymnasiums. "Die Mütter und Väter dort interessieren sich im
Gegensatz zum Kreistag nämlich durchaus dafür, was ihre Kinder in der Schule
bekommen und was nicht. Herr Rackwitz, von Ihnen erwarte ich, dass Sie nach
Dallgow ins Gymnasium kommen und dort den Kindern und Eltern Rede und Antwort
stehen", sagte Mosel.
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