Bericht über die Diskussionsveranstaltung am 22.10.2005 in Eberswalde
Nach der außerordentlich hohen Zuschauerbeteiligung bei der Podiumsdiskussion
über die grüne Gentechnik am letzten Dienstag in der Aula der FH-Eberswalde
mit über 120 Anwesenden, möchte ich mich bei allen Gästen und Beteiligten
für die gelungene Veranstaltung bedanken! Es wurde deutlich, dass die
stillschweigende Verbreitung von GVO in der Landwirtschaft das öffentliche
Aufsehen in der Region erregt. Dabei steht fest, dass etwa 70 % der
Verbraucher und Verbraucherinnen die Gentechnik nicht wollen. Während der
Diskussion ist das mehrfach durch Zuschauerkommentare, kritische Fragen und
durch viel Beifall für Heiner Petersen vom Ökolandwirtschaftsbetrieb Gut
Wilmersdorf und Marcus Nürnberger von Greenpeace deutlich geworden. Für
wesentlichen Gesprächsstoff sorgten hierbei die folgenden Diskussionspunkte:
Während Herr Büssis (Mitarbeiter beim Max Planck Institut) von der GVO
befürwortenden Seite überzeugt ist, dass Kulturpflanzen als genetisches
System durch wissenschaftliche Untersuchungen verstanden, gentechnisch
manipuliert und schließlich verbessert werden können, hielt Heiner Petersen
entgegen, dass die Natur in ihrem Gesamtgefüge mit all ihren Kreisläufen,
natürlichen Prozessen und Regularien perfekt ist und nicht durch menschliche
Aktivitäten verbessert werden kann. Während andererseits Herr Piprek als GVO
anbauender Landwirt die angeblichen Vorteilen der Gentechnologie hervorhebt,
den Genmaisanbau auf seinen Feldern als wissenschaftlichen Versuch
dahinstellt, hierbei aber betont, wie wichtig jedoch sachlich geführte
Diskussionen bei diesem Thema seien, übt Marcus Nürnberger daran deutliche
Kritik. Denn einerseits sei es nicht legitim, von einem wissenschaftlichen
Versuch zu sprechen, weil auf Pipreks Feldern keine unabhängige Forschung
betrieben wird, sondern Mais zum Verkauf erzeugt werden soll. Andererseits
wurden durch den Anbau von Genmais in Hohenstein bereits klare Fakten
geschaffen und die lokale Bevölkerung wurde vor vollendeten Tatsachen
gestellt, anstatt über die möglichen Gefahren und Risiken im Vorfeld zu
diskutieren.
Neben vielen weiteren wichigen Beiträgen z.B. von Christoff Potthoff vom
genethischen Netzwerk, der die Frage stellte, wo eigentlich Monsanto bei
solchen Podiumsdiskussionen bleibt oder Martin Webber, der eine grundlegende
Kritik an der Sichtweise übte, dass die Natur entweder Gut oder Böse sei
(Schädlinge gegen Nützlinge, Kulturpflanzen gegen Unkräuter ...) und
dementsprechend vom Menschen umgestaltet werden müsste (z.B. durch die
Gentechnik), war auch der Redebeitrag von Reinhard Dalchow,
Umweltbeauftragter der evangelischen Kirche, sehr bemerkenswert und erntete
viel Beifall. Er hatte hervorgehoben, dass wir zwar die Forschung brauchen.
Die Forschung muss jedoch dem Menschen und der Umwelt dienen. Hier gibt es
bereits gute Beispiele, wie Ökologie, Ökonomie, soziale Verantwortlichkeit
und Ethik zusammengehen können. Beispielsweise wurde die Bionik als
Fachwissenschaft genannt, die Funktionsprinzipien und Mechanismen aus der
Natur untersucht und nachempfindet, um sie später für die Gesellschaft
sinnvoll einsetzen zu können (Bsp.: Kleidung die sich ohne Chemie selbst
reinigt). Solche interdisziplinären und ganzheitlichen Ansätze müssten daher
ausgebaut und weiterentwickelt werden, anstatt sich zu sehr auf die
Gentechnik zu forcieren, die all zu oft als "Wunderwaffe" gegen den
Welthunger oder als "moderne Zukunftstechnologie" angepriesen wird. In fast
allen Fällen entspricht sie dabei nicht diesen hohen Idealen, sondern hat zu
gravierenden Problemen geführt. In Canada hat sich z.B. Genraps
unkrontrolliert ausgebreitet und die Kontamination mit GVO ist dort nicht
mehr rückholbar. In Indien hat der Verkauf von gentechnisch verändertem
Baumwolle-Saatgut dazu geführt, dass erhebliche Ertneeinbußen eingetreten
sind und die Bauern sich stark verschuldet haben. Weil viele indische
Landwirte keinen Ausweg mehr aus dieser Schuldenfalle gesehen haben, haben
sich laut Aussage der alternativen Nobelpreisträgerin, Vandana Shiva, über
20.000 von ihnen das Leben genommen.
P.S.: Eine Zusammenstellung der Filmaufnahmen von der Podiumsdiskussion soll
nach Möglichkeit auf der Seite der Fachhochschule Eberswalde
http://www.fh-eberswalde.de/info.htm veröffentlicht werden. Das kann jedoch
noch eine Weile dauern. Deshalb bitte ich um Geduld.
--
Herzliche Grüße,
Daniel Fischer
Wenn sie diesen Infodienst nicht mehr erhalten wollen, dann schicken sie
einfach eine mail mit diesem Anliegen an
kontakt@gentechnikfreies-brandenburg.de.
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