Zur Dokumentation - Antwort darauf von Prof. Dr. Joachim Leuschner

inforiot.de - Wissenswerte, 15.04.2005, 11:53 Uhr

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Klimafolgenforschung für Brandenburg

Neue Pflanzen braucht das Land - so der Titel des Treffpunkt Wissenswerte am vergangenen Montag in der IHK Potsdam und am Sonntag der Sendungstitel - und darum geht es auch jetzt bei Wissenswerte kompakt mit Thomas Prinzler.

In einem Klimaszenario des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung werden für die nächsten 50 Jahre für Brandenburg folgende Aussagen getroffen:

Temperaturanstieg um 1,4 Grad, Zunahme der Sonnenscheindauer und Abnahme der Bewölkung, Rückgang des Niederschlags - mit deutlichen Auswirkungen auf die Grundwasserneubildung. Diese mögliche Zukunft könnte dramatische Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft notwendig machen und auch die provokative Schlussfolgerung erlauben - neue Pflanzen braucht das Land - also gentechnisch gestylte Pflanzen. Ja - aber nicht nur sagt Dr. Arno Krotzky von metanomics, einer Gentech-Firma:

"Wir sind zwei Kilometer von Sanssoucis weg - Sie wissen, dass der alte Fritz die Kartoffel bei uns eingeführt hat, eine Pflanze vor über 200 Jahren, die überhaupt nicht in dieses europäische Ökosystem passte und auch gegen den Widerstand der Gesamtbevölkerung. Ich gehe davon aus, dass in 50 Jahren wir konventionell optimierte Pflanzen haben werden. Wir werden zusätzlich gentechnisch veränderte Pflanzen haben, die für bestimmte Produktionssysteme wirklich optimiert sind. Die werden gesünder sein - davon bin ich wirklich überzeugt - die werden erhöhte Vitamine und ungesättigte Fettsäuren enthalten, um Herzinfarkt-Risiken zu erniedrigen. Die sind heute schon in Entwicklung. Es wird Pflanze geben, die optimierte Produktionseigenschaften haben wie z. B. Dürre-Resistenz und es wird - ganz natürlich auch für mich in ihrer Koexistenz - ökologisch angebaute Pflanzen geben."

Der Molekularbiologe Prof. Bernd Müller-Röber untersucht, welche Funktionen einzelne Gene für die Pflanzen haben - dieses Verständnis ist Voraussetzung sowohl für konventionelle Züchter wie für Gentechniker - denn Nutzpflanzen heute wie Mais, kernlose Weintrauben oder auch Kohl sind natürlich gentechnisch verändert:

"Das alles zeigt, dass wir schon seit sehr langer Zeit schon sehr massiv in die genetischen Strukturen dieser Organismen eingreifen, nicht immer wissend, an welchen Genen wir da eigentlich eingreifen. Mittels der Gentechnik werden wir das genauer machen können. Das ist sehr klar, es gibt viele Anzeichen dafür. Wir greifen mit beiden Methoden in den Bauplan der Natur ein, auch das ist klar. Als Unterschied natürlich und das muss auch diskutiert werden: Bei der Gentechnik können wir über Artengrenzen weiter gehen als wir es in der klassischen Züchtung können."

Für Prof. Hubert Wiggering vom Zentrum für Agrarlandschaftsforschung ist klar, dass alle Veränderungen - egal ob Landnutzung, Züchtung oder Gentechnik von der Gesellschaft diskutiert werden müssen:

"Der Wissenschaftler wird Ihnen nie diese Entscheidung abnehmen. Dazu treten wir nicht an. Wir treten an, um auf bestimmt Risiken hinzuweisen, wir treten an, um Optionen in den Raum zu stellen, um zu sagen, dieses können wir machen oder jenes könnte man machen. Zu den Risiken gehört nicht nur, dass es die Auskreuzungsproblematik gibt, es sind auch andere Fragestellungen da. Wenn beispielsweise bestimmte Resistenzen da sind, taucht die Frage auf, werden wir dann eine Verarmung an Arten haben? Der Umweltethiker würde von einer Übel-Abwehr sprechen. Wir brauchen diesen gesellschaftlichen Prozess, wo die Gesellschaft ganz offen sagt, das wollen wir und jenes wollen wir mit allen Risiken, die dort hinter stecken. Wir haben auch Entscheidungen herbeigeführt, bestimmte Technologien einzuführen - tagtäglich, wenn wir ins Auto hineinsteigen - bedeutet das auch ein Risiko. Wir sagen aber nicht, wir müssen das Auto abschaffen. Ich möchte genauso wenig dafür plädieren, wir müssen jetzt die grüne Gentechnik egal wie verfolgen. Das wäre wissenschaftlich unredlich. Dieses Ausbalancieren - das sollten wir uns leisten."

Zur Dokumentation - Antwort darauf von Prof. Dr. Joachim Leuschner