Neue Pflanzen braucht das Land

Klimafolgenforschung für Brandenburg

Reaktion von Prof. Joachim Leuschner auf eine Podiumsdisskusion des RBB Inforadio vom 17. 04.2005 bei der nur Befürworter der Agro-Gentechnik anwesend waren. Geschrieben im Auftrag des Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin-Brandenburg.

Horrorvision soll Gentechnik akzeptabel machen

Immer mehr Menschen lehnen es ab gentechnisch veränderte Nahrungsmittel zu konsumieren. Sie wollen nicht Versuchsobjekt einer mit Risiko behafteten Technologie werden. Mit einer Aufklärungskampagne der Gentechnikkonzerne wird daher versucht den Menschen gentechnisch veränderte Organismen (GVO) schmackhaft zu machen. Beispiel dafür ist eine Ausstrahlung des RBB Inforadio am 17. 04 2005 über eine Podiums- Diskussion mit dem Thema: "Neue Pflanzen braucht das Land" am 11. April in der Industrie- und Handelskammer Potsdam

Die Einladung zur Diskussion wurde mit folgender Horrorvision eingeleitet:
"Logbuch der Klimawarte Genesin: Wir schreiben das Jahr 2055, es ist der 11.Juli, 9.00 Uhr. Die Temperatur beträgt schon jetzt 31 Grad Celsius, seit 125 Tagen ist kein Regen gefallen. Über den umliegenden Feldern schwirrt die Luft. Zustand Kartoffeln: gut. Zustand Raps: sehr gut - und auch die Energiepappeln stehen gut im Stoff. Keine besonderen Vorkommnisse."
In diesem Sinne war auch die Einführung des Moderators Herrn Dr. Prinzler und die Argumente der Experten im Podium.

Die Koexistenzlüge

Von den Molekularbiologen im Podium wurde die Möglichkeit einer friedlichen Koexistenz gentechnikfreier und Gentechnik anwendender Landwirtschaft bereits zum gültigen Wahrheit erhoben (Dr. Arno Krotzky, Prof. Dr. Bernd Müller-Röber) bzw. die Notwendigkeit sie zu prüfen (Prof. Dr. Hubert Wiggering) in den Raum gestellt.

Die Möglichkeit der Koexistenz gentechnischer und natürlicher Landwirtschaft wurde wissenschaftlich und in der Praxis hinreichend widerlegt. MdB Ernst - Ulrich von Weizsäcker gab am 18.4.2004 anlässlich der Demonstration "Keine Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln", in Stuttgart, folgende überzeugende Erklärung:
"Zur Nervenberuhigung hat sich Brüssel für die Einführung der Gentechnik das schöne Wort "Koexistenz" ausgedacht. Gentechnikbauern und Ökobauern sollen ganz friedlich nebeneinander koexistieren. Das Wort ist aus dem Friedensvokabular geklaut, und es ist irreführend. Wenn die beiden Anbauformen längere Zeit neben einander ungebremst koexistieren, dann bleibt am Ende nur genau einer übrig, nämlich die Gentechnik.
Das Verhältnis ist nämlich nicht symmetrisch. Wenn etwas Pollen aus dem Ökohof auf das Gentechnikfeld übertragen wird, wird dieses dadurch noch lange nicht "öko". Aber wenn sich das Gentechnik-Erbgut auf die Felder des ökologischen oder des ganz normalen Landbaus verbreitet, dann ist die Gentechnik-frei-Garantie ganz bald ruiniert!"

Dies bestätigen Informationen aus Ländern, die schon seit mehreren Jahren die Gentechnik in der Landwirtschaft anwenden. In Kanada wurde die Prärie mit Gentechnik kontaminiert. Als Folge verloren ökologisch wirtschaftende Betriebe ihre Zertifizierung. Außerdem erfolgt eine Kontamination nicht allein auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen, sondern auch im gesamten vor- und nach gelagertem Bereich der Ernte, des Transports, der Lagerung und der Weiterverarbeitung.

Vorauszusehen ist, dass die gentechnikfreie Land- und Nahrungsgüterwirtschaft, durch zusätzlichen Aufwand so teuer wird, dass sich Normalverbraucher den Luxus gentechnikfreier Ernährung nicht mehr leisten können. Kosten erhöhend sind die notwendige Trennung der Stoffströme, Qualitätskontrollen, juristische Streitigkeiten, weiterer Preisverfall der Produkte durch Einfuhr billiger GVO als Rohstoffe und Fertigprodukte. Die Landwirte, die aus Existenzangst den Verheißungen der Gentechnikkonzerne Glauben schenken, haben nichts Gutes zu erwarten. Sie sollen für alle Schäden, die durch falsche Versprechungen entstanden sind, zahlen und nicht die Konzerne, als Verursacher der Schäden. Hinzu kommt eine Abwertung von Grund und Boden. Keine Bank findet sich, die solche Risiken versichert. GVO Tierfutter wird sich negativ auf Umsatz und Einahmen der Landwirte auswirken. So z.B., wenn mit Gen-Mais gemästete Enten mit der Verpackung "Wiesenhof" auf dem Markt erscheinen würden. Kluge Landwirte fordern daher einen Risikofond zu bilden, der nicht von Landwirten oder Steuerzahlern gespeist wird, sondern von den Verursachern der Schäden, der Gentechnikindustrie und dem mit ihr verbundenen Agrar-Bussinnes. Die Agrargentechnik ist daher nicht, wie von ihren Anhängern behauptet ein Jobmotor. Sie ist ein Jobkiller ersten Ranges.

"Grüne Gentechnik" erhöht den Verbrauch Pflanzengift

Eine durch die Praxis widerlegte Behauptung besagt, dass durch "Grüne Gentechnik" der Einsatz von Pestiziden radikal gesenkt werden kann.

Nach Zahlen des US- Landwirtschaftsministeriums stieg in den USA der Pestizidverbrauch mit Einführung der Grünen Gentechnik im Jahr 1996 bis heute um 11,5 % Prozent, in Argentinien seit der Einführung 1997 bis heute um 500 Prozent. In Indien haben sich laut der Nobelpreisträgerin Vandana Shiva in den letzten drei Jahren aufgrund der dadurch verursachten Schulden-Abhängigkeiten 20.000 Landwirte das Leben genommen. Wie sich der Einsatz von Pestiziden in den USA seit Beginn der Anwendung gentechnisch veränderter Pflanzen entwickelt hat, zeigt das untere Diagramm) (nach Zahlen des USALandwirtschaftsministeriums).

Zu erkennen ist, dass nach einem Rückgang des Pestizideinsatzes ab 1996 nach sechs Jahren Einsatzdauer der Pestizidverbrauch im Jahr 2001 durch wachsende Resistenz der Zielobjekte progressiv ansteigt.

In der Diskussion wurde dagegen behauptet, dass der Einsatz von Pestiziden durch Gentechnik bei Baumwolle in der VR China reduziert wurde. Mit einer Studie von Greenpeace wurde diese Behauptung mit vielen Fakten widerlegt. (Die Studie kann man bei Greenpeace Deutschland downloaden)

Gesundheitsversprechen als neue Marketingstrategie

Dr. Arno Krotzky glaubt, dass wir zukünftig "neben konventionellen auch gentechnisch veränderte Pflanzen haben werden. Die werden gesünder sein, werden erhöhte Vitamine und ungesättigte Fettsäuren enthalten, um Herzinfarkt-Risiken zu erniedrigen. Die sind heute schon in Entwicklung. Es wird Pflanzen geben, die optimierte Produktionseigenschaften haben wie z. B. Dürre-Resistenz".

Die Zukunft wird zeigen, ob die angeblich gesundmachenden GVO uns helfen und ob unser Immunsystem artfremde Gensequenzen ohne Schaden akzeptiert. Die Art wie diese Gesundheitsversprechen durch die Konzerne betrieben wird, lässt nichts Gutes erwarten. So wies eine Studentin darauf hin, dass gesunde Ernährung im Kopf entsteht, wenn den Menschen bewusst gemacht wird, wie sie sich gesund ernähren sollen. Außerdem ließe sich z.B. der Anteil Omega-3-Säure in den Pflanzen auch mit der traditionellen Züchtung erhöhen. Warum geht man nicht diesen risikofreien Weg? Prof. Dr. Bernd Müller-Röber antwortete, dass die EU und die nationalen Behörden es so vorschreiben. Gleichzeitig wies er darauf hin, wie gewissenhaft und wissenschaftlich die EU prüft, bevor eine Entscheidung zur Gentechnik getroffen wird.

Gentechnikkonzerne bereiten EU-Entscheidungen vor

Die Internetzeitschrift "GENESIS Archiv" informiert, wie Entscheidungen: der EU zu Fragen der Gentechnik vorbereitet werden.

"In Europa ist die EFSA für die Bewertung der Sicherheit von GVO zuständig. Auf der Basis ihrer Empfehlungen entscheiden die politischen Gremien der EU über die Zulassung eines GVO für Import oder Anbau als Tierfutter oder für den menschlichen Verzehr. Die Zusammensetzung der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Agency), die für die Bewertung von GVO zuständig ist, lässt jedoch wenig Hoffnung auf ein unabhängiges Urteil aufkommen. Der überwiegende Teil der dort versammelten Wissenschaftler hat sich in der Vergangenheit deutlich zugunsten der Agro- Gentechnik ausgesprochen". (Die Mitglieder der EFSA finden Sie hier: http://www.efsa.eu.int/.../catindex_en.html (nicht mehr aktuell)). Meist handelt es sich daher um Daten aus den USA. Die dortigen Zulassungsbehörden (FDA und EPA) verfügen jedoch über kein System für Sicherheitsüberprüfungen und bewilligen GVO nach dem Prinzip "freiwilliger Konsultationen". Das bedeutet, dass die Konzerne frei entscheiden können, ob und welche Informationen sie zurückhalten. Im Endeffekt lassen die Agro- Konzerne ihre Produkte also selbst zu. Zudem sind beide Behörden mit zahlreichen Ex-Mitarbeitern der Gentechnik-Konzerne besetzt. Viele Mitglieder der Behörden wechseln wiederum in die entsprechenden Konzerne. Leidtragende dieser skandalösen und undemokratischen "Drehtüren-Politik" sind Umwelt und Verbraucher.

Maiszünzler als Bauernschreck

Der Naturschützer Ruschat stellte dem Podium die Frage, warum in Brandenburg der Mais Mon 810 von Monsanto angebaut werden soll. Der Schädling Maiszünzler spielt in der Region keine besondere Rolle und könnte auch mit Gentechnik freien Verfahren, wie geeignete Stoppelbearbeitung, richtige Fruchtfolge, und das Ausbringen der Schlupfwespe Trichogramme bekämpft werden (Jetzt schon preiswert mit Stelzenschleppern, wie am Oberrhein mit Mehraufwand von 25€/ha. Der Zusatzaufwand für Mon 810 soll, wie bekannt wurde 35€/ha betragen. Dieser Aufwand wird vermutlich durch geringeren Einführungspreis im Jahr 2005 erst einmal niedriger sein).

Ebenso bewiesen sind die schädlichen Wirkungen von Gentechnikmais auf die Artenvielfalt (Biodiversität). Das Bt-Toxin (Bacillus thuringiensis) des Maises wird im Boden angereichert und verbleibt dort jahrelang. Das dadurch bewirkte Abtöten des Bodenlebens und die damit geringer werdende Fähigkeit des Bodens Wasser zu speichern, wäre angesichts der drohenden Dürregefahr für Brandenburg kontraproduktiv. All das führte dazu, dass der Anbau von Mon 810 in Polen, Ungarn und Österreich inzwischen verboten worden ist. Stattdessen lässt die brandenburgische Landesregierung zu, dass in diesem Jahr Mon 810 im sensiblen Natur -und Vogelschutzgebiet Natura 2000 angebaut wird.

Die gekaufte Wahrheit

Im Vorfeld der Podiumsdiskussion wurde über viele E-Mails die Frage gestellt "Welche Objektivität von Leuten zu erwarten ist, die von Großkonzernen, wie dem US-Konzern "Monsanto" finanziert werden". Auf diese Frage gab es keine befriedigende Antwort. Wir wissen, dass die Geldgeber nicht zimperlich sind, wenn für sie Unangenehmes öffentlich wird. Aus vielen Beispielen sei nur an Prof. Arpad Pusztai erinnert, der mit Tier- Experimenten festgestellt hat, dass bestimmte genveränderte Kartoffeln Menschen schaden können und dies auch öffentlich kundtat. Er wurde diffamiert und verlor, trotz der Bestätigung seiner Ergebnisse durch viele Wissenschaftler, seinen Job. Das Beispiel zeigt aber auch, dass es falsch wäre allen, die an der Agrar-Gentechnik mitwirken Käuflichkeit zu unterstellen, da der Verlust der Glaubwürdigkeit für die meisten Wissenschaftler schwerwiegender ist als beim Auftraggeber in Ungnade zu fallen. Ein Mangel der Podiumsdiskussion war es das Podium mit hervorragenden Wissenschaftlern zu besetzen, die Fragen zu beantworten hatten, deren Antwort sie auch nur aus zweiter Hand, aus der Marketing- Argumentation der Gentechnikkonzerne ableiten konnten. Tatsache scheint jedoch zu sein, dass sich viele, auch unbestechliche, Politiker auf die Seite der Befürworter der Agrargentechnik stellen, sich so der Gefahr eines Vertrauensverlustes bei der Mehrzahl ihrer Wähler aussetzen und Entscheidungen treffen, die dem Land schaden. Erklären lässt sich das durch viele Faktoren wie z.B.: wirtschaftlicher und politischer Druck, die Koexistenzlüge, die Jobmotorlüge, der unkritische Glaube an eine angeblich aussichtsreiche Hochtechnologie und das Unterschätzen der Fähigkeiten und der Ergebnisse unserer Wissenschaftler auf den Gebieten der Biotechnologie, bei denen Deutschland führend ist, wie z.B. der Biokatalysatoren und der biologisch abbaubareren Enzyme. Hinzu kommt der Missbrauch der Wissenschaft für wahltaktische Manöver. Zur Meinungsbildung für die Agrar- Gentechnik gehören auch Reisen wie z.B. nach Schweden für Landwirtschaftsberater der Region um dort Monsanto- Zuckerrüben kennen zulernen, die noch nicht von resistent gewordenen Schädlingen und Krankheiten befallen sind. Eine wirksame Methode Marketingstrategie besteht auch darin, dass einflussreiche Personen oder deren Familienangehörige, Verwandte und Bekannte gut bezahlte Mitarbeiter des Konzerns werden.

Wirtschaftskrieg mit "Grüner Gentechnik"

Wie sich diese Politik der Gentechnik- Konzerne auf arme Länder auswirkt analysierte Michel Chossudwsky in "GLOBAL BRUTAL; der entfesselte Welthandel, die Armut, der Krieg" (Verlag Zweitausendeins). Er deckt auf, warum und wie IWF und Weltbank in Komplizenschaft mit US-Regierungsstellen und US-Gentechnikunternehmen Hungersnöte inszenieren und missbrauchen, die Landwirtschaft des Landes zerstören, sich traditionelle Pflanzen aneignen, patentieren lassen und unter dem Deckmantel der Nothilfe gentechnisch verändertes Saatgut mit drakonischen Methoden einführen. Ein trauriges Beispiel für diese Politik ist Äthiopien, wo nach der Hungersnot von 1984/85 mit einer Million Opfern heute acht Millionen Menschen in der Gefahr sind zu verhungern. Die Anstrengungen der US- Bushadministration der EU die "Grüne Gentechnik" aufzudrängen, dienen nicht nur dem Absatz unverkäuflicher gentechnisch kontaminierter Agrarprodukte der USA. Sie gehen davon aus, dass derjenige, der den Schlüssel zur Speisekammer der Weltbevölkerung besitzt, sich alles erlauben kann. Beispiel dafür ist der Erlass 81, der vom US-Beauftragten für den Wiederaufbau des Irak Paul Bremer angeordnet wurde. Mit ihm wird den irakischen Bauernwirtschaften verboten ihre uralten Saaten und Kulturpflanzen anzubauen. Sie werden gezwungen nur noch industriell entwickeltes, gentechnisch manipuliertes und von den Unternehmen patentiertes Saatgut zu verwenden. Auf einer Konferenz im März 2005 in München forderten 13 Alternative Nobelpreisträger die Regierungen der USA und des Irak in einer Erklärung auf diesen " Erlass als "Verbrechen gegen die Menschheit " sofort wieder zurück zu nehmen (Bauer, A.: "Patente statt Bomben" in Umwelt- Nachrichten H. 101 Mai 2005 Umweltinstitut München e.V.)

Seit 70 Jahren hinterlässt Monsanto Spuren des Todes

So schreibt GENESIS Archiv (genesis@gen.free.de):
"Seit 70 Jahren hinterlässt dieser Konzern Spuren des Todes". So rücksichtslos wie Monsanto geht kein Gentech-Konzern ran ans Geschäft. Monsanto war nicht nur Hersteller des berüchtigten Entlaubungsmittels Agent Orange, mit dem die USA die Verstecke des Vietkong sichtbar machen wollten. Monsanto versuchte sich offenbar auch mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln (zum Beispiel gefälschten Statistiken), aus der Verantwortung gegenüber den gesundheitlich geschädigten Veteranen zu ziehen. Das ist nur die Spitze des Eisbergs: Fachleute schätzen, dass seit 1960 rund 500'000 Kinder mit Missbildungen geboren wurden, die auf den Einsatz von Agent Orange zurückzuführen sind.

Der Konzern zählte laut den Recherchen von Ecologist zu den größten Lieferanten des Herbizids "Agent Orange", mit dem Wälder entlaubt, Ernten vernichtet und Tiere und Menschen vergiftet wurden. Die in Vietnam angerichteten Schäden sind irreparabel, und als Folge des Einsatzes stieg die Leukämierate unter Neugeborenen dramatisch an. Wenig bekannt ist auch, daß "Agent Orange" lange in niedrigen Dosierungen zu den Standardspritzmitteln unserer Getreidefelder gehörte und zu Dioxinanreicherungen der Böden geführt hat.

Monsanto erreichte, dass eine Sammelklage auf Entschädigung betroffener vietnamesischer Senioren gerichtlich zurückgewiesen wurde und der Konzern nicht als Kriegsverbrecher bezeichnet werden darf.

"Round up" schadet Mensch und Natur

Ein Beispiel von vielen ist das meistverkaufte Totalherbizid der Welt "Round up": Nach fünfjährigem Seilziehen mit der Staatsanwaltschaft von New York stoppte Monsanto 1997 seine irreführende Werbung, in der behauptet wurde, "Round up" sei «biologisch abbaubar>> und «umweltfreundlich>>. Früher wurde Monsanto mehrfach gebüßt, weil der Konzern die Gesundheitsdaten der Arbeiterschaft und Ergebnisse über Gefahren durch "Round up" für die Grundwasservergiftung zurückhielt. Die Folgen: "Round up" wurde in Kalifornien als die dritthäufigste Ursache von Vergiftungen bei Landarbeitern registriert. Monsanto beteuert zwar immer wieder, dass das Spritzmittel besonders umweltfreundlich sei und wegen seiner schnellen Abbaubarkeit nicht ins Grundwasser gelange. Dänische Forscher, die das überprüften, waren da jedoch anderer Meinung, weshalb die dänische Regierung im Juni 2003 Einschränkungen für die Anwendung von Glyphosphat erließ.

Macht geht vor Recht.

In den USA ist Monsanto gegen die Auflage vorgegangen, dass die Milch gekennzeichnet werden muss, die das schädliche Rinderhormon rBGH enthält, weil das nach Auffassung der Monsanto- Anwälte gegen die Verfassung und das Recht auf freie Meinungsäußerung verstoße. "Freie Äußerung der Meinung schließe nämlich auch das Recht ein, etwas nicht zu sagen". Ein im April 1998 veröffentlichter Bericht der kanadischen Regierung beschreibt die illegalen Praktiken von Monsanto, um die Genehmigung für den Verkauf von rBGH zu erhalten. Jetzt geht Monsanto gerichtlich gegen Landwirte vor, die Milch von ihren Kühen als hormonfreies Produkt kennzeichnen.

Unrühmlich ist das Vorgehen Monsantos gegen den kanadischen Rapsfarmer Percy Schneider und weitere 147 US- Farmer, weil sie angeblich von Monsanto patentiertes Saatgut illegal angebaut haben sollen. Auf diese Weise soll der Konzern seit 1996 insgesamt 15 Millionen Dollar eingeklagt haben. Dazu beschäftigt er 75 Mitarbeiter, die pro Jahr 500 Farmer ausspionieren. Mit einer kostenlosen Telefonnummer für Denunzianten und Verleumder macht Monsanto ein gutes Geschäft (Bauernstimme" Nr. 276, März 2005 und www.centerforfoodsafety.org/monsantosusfarmersreport.fcm (nicht mehr aktuell))

Größte Panne in der Geschichte der Molekularbiologie?

Auf eine neue aussichtsreichere, preiswertere und ungefährlichere Biotechnologie, wie die RNA-Interferenz, die vom deutschen Biotechnologen Tuschl entdeckt wurde, ist von den Experten im Podium nicht eingegangen worden. So mehren sich die Stimmen anerkannter Mikrobiologen wie Prof. Volker Erdmann von der Freien Universität Berlin und dem US amerikanischen Medizin-Nobelpreisträger Philipp Sharp, dass "die Dogmen gläubigen Genforscher von falschen wissenschaftlichen Voraussetzungen ausgehen". Sie überschätzen die Gene und unterschätzen die Rubonukleinsäure-Moleküle (RNA) als Schalter und Blocker im System der Erbinformationen. Durch diese Erkenntnis ist es gelungen, das Verfahren der "RNA-Interferenz" (RNAi) zu entwickeln, mit dem krank machende und schädliche Erbinformationen gezielt unterdrückt werden können. Erfolgreiche Tierversuche mit Aids und Grippeviren bestätigen bereits die Erfolgschancen dieser Entwicklung.

Der australische Biologe John Mattick sagt dazu: "Wir haben die Natur genetischer Systeme lange Zeit völlig missverstanden Das ist wahrscheinlich die größte Panne in der Geschichte der Molekularbiologie". Diese Tatsache würde das Verhalten der Gentechnikkonzerne und ihre Politik, mit der sie uns ihre Ladenhüter verkaufen wollen, erklären.

Brandenburg in 50 Jahren keine Wüste am Gentechniktropf

Unser Aktionsbündnis wird dazu beitragen, dass unser Land nicht u. U. Opfer der "größten Panne in der Geschichte der Molekularbiologie" wird. Wir wollen verhindern das Bodenleben und Grundwasser vergiftet und so die Region, schon eher als prognostiziert, eine am Gentechniktropf hängende Wüste wird.

Wir wollen freie Menschen auf dem Lande und nicht Lohnarbeiter auf ehemals eigener Scholle, die mit sich selbst tötendem Saatgut und Versprechungen abhängig gemacht worden sind. Wird wollen das verhindern, so wir dazu beigetragen haben, dass von den für 2005 geplanten ca.500 ha Gentechnik- .Maisanbau in Brandenburg nur noch 157 ha übrig geblieben sind.

Mitglied des "Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin - Brandenburg"

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Prof. Dr. Joachim Leuschner

Autorisiert durch den Sprecherrat
Berlin/Brandenburg, den 16. Mai 2005
(Literaturnachweise liegen beim Autor vor)