Presseinformation Bioland, 19.07.2006

Durch die Hintertür

Nachwachsende Rohstoffe als neues Einfallstor für  Agro-Gentechnik in Brandenburg Landwirtschaftsminister Woidke bekennt sich zum Einsatz von genmanipulierten Energiepflanzen

Berlin, 20.07.2006.   Bei der gestrigen Vorstellung der neuen "Strategie zur  energetischen Nutzung von Biomasse bis zum Jahr 2010" stellte  Landwirtschaftsminister Woidke klar, dass das Land bei der Ausweitung des  Anbaus von Energiepflanzen auf die Agro-Gentechnik setzt. Der Bioland  Landesverband Berlin-Brandenburg e.V. lehnt dagegen die Anwendung der  Agro-Gentechnik bei Nachwachsenden Rohstoffen genauso ab, wie bei  Lebensmitteln. Heike Kruspe, Geschäftsführerin des Bioland Landesverbandes,  stellt klar heraus, dass "in Bezug auf die Umweltauswirkungen und ihre  Koexistenzfähigkeit es keine Rolle spielt, ob Gentech-Pflanzen als Lebens-  oder Futtermittel oder als nachwachsender Rohstoff auf den Acker gelangen."  Transgene Energie-, Industrie- und Pharmapflanzen sind mindestens genauso  problematisch für die Umwelt wie für Nahrungszwecke. Die Wahrscheinlichkeit  einer Vermischung mit Produkten aus konventioneller und biologischer  Landwirtschaft ist genauso hoch. "Die Verpflichtung zur Koexistenz und die  Haftungsregeln des Gentechnikgesetzes gelten selbstverständlich auch für  transgene nachwachsende Rohstoffe.", so Kruspe.

Der Fachverband Biogas erklärte anlässlich seiner diesjährigen  Mitgliederversammlung, trotz massiven Drucks seitens des Bauernverbandes,  dass "der Anbau von Pflanzen für Energiegewinnung in Biogasanlagen in  keinster Weise von der Lebensmittelproduktion in der Landwirtschaft  abgegrenzt werden kann." Aus fachlichen Gründen und Unsicherheiten zur Frage  der Haftung sowie nicht auszuschließenden gesundheitlichen Auswirkungen rät  der Fachverband Biogas seinen Mitgliedern dringend von einem Einsatz  gentechnisch veränderter Pflanzen ab.

Die Aussagen des brandenburgischen Landwirtschaftsministers zeigen deutlich,  dass transgene nachwachsende Rohstoffe ein weiterer Versuch in Brandenburg  sind, die Agro-Gentechnik aus ihrer Akzeptanz- und Legitimitätskrise  herauszuhelfen. Wenn aber selbst die EU-Kommission erhebliche Bedenken gegen  transgene Pflanzen äußert und negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt  nicht ausschließen kann, ist es unverantwortlich seitens des  brandenburgischen Landwirtschaftsministers den Anbau zu forcieren.