Märkischen Allgemeinen vom 23.02.2002

VERSUCHSFELD BEI DAHNSDORF IN DEN MORGENSTUNDEN ZERSTÖRT

Angriff auf Gen-Raps

GUNNAR NEUBERT

DAHNSDORF - Unbekannte Personen haben gestern Morgen ein Versuchsfeld bei Dahnsdorf zerstört. Dabei wurden auf einer Fläche von etwa 240 Quadratmetern die jungen Pflanzen von gentechnisch verändertem Winterraps aus der Erde gerissen. Das hat Helmut Baier als Leiter der Versuchsstation Dahnsdorf bestätigt, die der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Kleinmachnow angehört.

Vom Schaden erfuhr Baier, als ihn die MAZ über ein mutmaßliches Bekennerschreiben informierte. Adressiert an den Verlag in Potsdam lag es gestern Morgen im Briefkasten der Lokalredaktion in Belzig. In dem anonymen Brief stand: "Der gentechnisch veränderte Raps bei Dahnsdorf (Brandenburg) wurde in der Nacht vom 22./23.3.2002 zerstört."

Dass dies vermutlich wegen des Regens nicht in der Nacht geschah, dafür sprechen die Beobachtungen von Dieter Poschau. Als der Traktorist seine Feldarbeiten aufnehmen wollte, sah er gegen 7.45 Uhr drei Personen über das Versuchsfeld laufen. Die mutmaßlichen Täter verschwanden alsbald im naheliegenden Wald, wo sie wahrscheinlich ihr Auto stehen hatten, mutmaßte Poschau. Zugleich konnte er den später eintreffenden Polizeibeamten deutliche Fußspuren in dem nassen Acker zeigen.

Bei der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Kleinmachnow war die Zerstörung des Raps-Versuchsfeldes am Mittag noch nicht bekannt. Nach Aussagen von Wulf Wiggers, Mitarbeiter in der Abteilung integrierter Pflanzenschutz, sei die jüngste Verwüstung des Versuchsfeldes der erste ernstzunehmende Angriff von mutmaßlichen Gegnern der Genforschung seit der Aufnahme der Feldversuche vor fünf Jahren. Vor etwa drei Jahren sei zwar schon einmal ein Feld bei Dahnsdorf zerstört worden, bestätigen Ermittler vom Polizeipräsidium Potsdam. Doch es handelte sich damals nicht um gentechnisch verändertes Pflanzgut. "Die damaligen Täter hatten sich geirrt", sagt Wiggers. Bei den Senfpflanzen, die offensichtlich als Raps verkannt wurden, habe es sich lediglich um einen Versuch mit Unkraut gehandelt.