Pollen und Bienen als Sicherheitsrisiko
Wie wirksam ist der Mindestabstand beim Anbau gentechnisch veränderter
Organismen?
Autor : Michael Schlag
der Radiobeitrag als mp3
Sind Bienen riskante Gentaxis?
Die Grüne Gentechnik wird also in Zukunft bei der Bekämpfung von Hunger und
Mangelernährung in Entwicklungsländern eine wichtige Rolle spielen, wir haben
es gerade gehört. Und nicht nur dort. Auch in Deutschland wird die Novelle
des Gentechnikgesetzes noch immer kontrovers diskutiert. Am Montag wird es
dazu eine öffentliche Anhörung geben im Bundestag.
Ein Streitpunkt: die angestrebte friedliche Koexistenz zwischen Bauern, die
gentechnisch verändertes Saatgut verwenden und denen, die gentechnikfrei
anbauen möchten. Paragraf 16 des Gentechnik-Gesetzes verlangt deshalb unter
anderem Mindestabstände zwischen den Äckern, die ein Auskreuzen von
Gen-Saaten über den Pollenflug verhindern sollen. Doch sind diese
Mindestabstände überhaupt ausreichend?
Wie realistisch ist die Vorstellung, man könnte die Agrarlandschaft so
aufteilen, dass sich verschiedene Bewirtschaftungsmethoden nie in die Quere
kommen - dass Pollen von gentechnisch veränderten Organismen, so genannte
GVO-Pollen nicht von ihrem Acker auch zum Nachbarn wandern? In einer
kleinräumigen Agrarstruktur dürfte das wohl eine Illusion sein, meint Frieder
Hofmann vom Ökologie-Büro in Bremen, das im Rahmen des GVO-Umweltmonitoring
Pollenmessungen vornimmt.
Die derzeitigen Regelungen die da vorgesehen werden - über Abstandsregelungen
zum Beispiel - die sind ungenügend. Das wissen wir aus Erfahrung, dass die
Pollen zum Beispiel sich über größere Distanzen verbreiten, je nachdem wie
die Windverhältnisse in der Gegend sind. Wir finden zum Beispiel Maispollen
überall in Deutschland in Pollenfallen, also auch weit entfernt von den
eigentlichen Feldern. Der Grund ist einfach darin zu sehen, dass zum Beispiel
Raps oder auch Mais enorme Mengen an Pollen freisetzt, die eben auch bis in
die Städte reinkommen und durchaus - was jeder Allergiker weiß - auch noch
Wirkungen hervorrufen können.
Weht nur ein Prozent der Pollen eines ein Hektar großen Maisfeldes hinüber zum
Nachbarfeld, dann sind das immerhin etwa 15 Milliarden Pollen. Wenn warme
Aufwinde im Sommer diese Pollen in höhere Luftschichten transportieren,
wandern sie sogar weiter. Britischen Studien zufolge können es über 800
Kilometer sein - gerechnet nur für die Zeitspanne, in der ein Pollen
befruchtungsfähig ist.
Maispollen werden über den Wind verbreitet. Raps und vor allem Obstbäume
werden durch Bienen bestäubt. Deren Sammel- und Wanderungsverhalten ist gut
erforscht, aber ebenso wenig zu bestimmen wie der Wind. Werner von der Ohe,
Direktor des Bieneninstitutes in Celle:
Im Gegensatz zu Kühen auf der Weide, die durch einen Zaun zu begrenzen sind,
fliegen eben die Bienen nicht durch den Menschen kontrolliert. In dem
klassischen nahen Umfeld mit 1,5 Kilometern Radius cirka bewegen sie sich,
wenn sie genügend Trachtquellen dort finden, also genügend Nektar und Pollen
angeboten wird durch Naturpflanzen oder eben durch Kulturpflanzen. Wenn für
die Bienen das im Nahfeld nicht ausreicht, dann bewegen sie sich auch darüber
hinaus. Dann können sie also ohne Weiteres über zwei, drei, vier Kilometer
fliegen; vielleicht manchmal sogar noch weitere Distanzen überbrücken.
Bei einem Flugradius von 4 Kilometern um den Stock deckt die Biene eine Fläche
von fast 50 Quadratkilometern ab. Innerhalb des Bienenstocks kommt es dann
zum Austausch der Pollen, die sich im Haarkleid der Bienen verfangen haben,
und schließlich ist Imkerei nicht immer an einen Ort gebunden, sondern
Wanderimker ziehen mit ihren Völkern bisweilen durch ganz Deutschland.
Frieder Hofmann vom Ökologiebüro Bremen sieht beim Anbau gentechnisch
veränderter Pflanzen alsbald einen allgemeinen Grundpegel von GVO in der
gesamten Landschaft entstehen und nennt dafür ein Beispiel: Honig aus Kanada.
Ganz gleich aus welcher regionalen Herkunft er stammt - auf der Suche nach
gentechnisch veränderten Organismen sei Honig aus Kanada "immer ein Treffer".
Daran kann man ablesen, das die bis dato intendierte Regelung zur allgemeinen
Freigabe - dass heißt dass jeder Landwirt dann selber entscheiden kann ob er
das GVO anbaut oder nicht - dass eine solche allgemeine Freigabe praktisch
eine Koexistenz unmöglich machen wird, über kurz oder lang.
Sein Fazit: Sollen Gen-Saaten und gentechnikfreie Landwirtschaft sich
tatsächlich nicht in die Quere kommen, müssten große Gebiete ganz frei von
Gen-Saaten gehalten werden. Das aber wäre dann die Trennung der Systeme und
gerade keine Koexistenz.
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