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Gen-Kartoffeln in Sükow?
BASF plant Freilandversuch ab April auf knapp 80 Hektar
ANDREAS KÖNIG
SÜKOW Mit einem großflächigen Freilandversuch soll die Gentechnik in der
Prignitz Einzug halten. Der in Ludwigshafen ansässige Chemiekonzern BASF hat
die Freisetzung von gentechnisch veränderten Kartoffeln beantragt. Der größte
der drei Standorte ist laut einer öffentlichen Bekanntmachung Sükow bei
Perleberg. Auf 79,4 Hektar sollen hier ab April gentechnisch veränderte
Kartoffeln angebaut werden. Derselbe Antrag richtet sich noch auf zwei
wesentlich kleinere Flächen in Bütow und Zepkow (Mecklenburg-Vorpommern).
"Wir bereiten die Genehmigung unserer neuen Kartoffelsorte Amflora vor", sagt
Susanne Benner, Unternehmenssprecherin der BASF Plant Science GmbH in
Ludwigshafen. Amflora ist eine Kartoffel, die genetisch so verändert wurde,
dass sie keine Amylose mehr enthält. Dieser natürliche Stärkebestandteil
sorgt für eine Trübung und Verklumpung der Stärke und ist in der
industriellen Verarbeitung unerwünscht. "Besonders für die Herstellung
hochglänzender Druckpapiere ist die Amflorastärke geeignet", nannte Susanne
Benner eine Anwendung. Der Standort Perleberg sei in die engere Wahl
gekommen, weil hier traditionell Stärkekartoffeln angebaut werden. Zum
anderen wähle man Vertragspartner aus, die mit solchen Versuchen gut leben
können, sagte die Unternehmenssprecherin.
Der Schrepkower Landwirt Karsten Jennerjahn, Präsident des Bauernbundes
Brandenburg, lehnt den Anbau von genmanipulierten Pflanzen ab. "Es ist sicher
eine Entscheidung des einzelnen Landwirtes, aber als Verband sind wir
dagegen. Niemand weiß, ob und wie das genveränderte Erbgut auf andere Flächen
gelangt", sagte er.
In die gleiche Richtung argumentiert Gebhard Scheel, Ökolandwirt aus Groß
Leppin: "Ich finde es schlimm, dass die Landwirte selbst dazu beitragen, ihre
Abhängigkeit von der Industrie zu vergrößern. Wohin das führen kann, sehe ich
daran, dass es 1996 in Deutschland noch 150 unabhängige Getreidezüchter gab.
Heute gibt es noch fünf Betriebe, die von der Industrie kontrolliert werden."
Er wolle auf jeden Fall Einspruch gegen den Freilandversuch einlegen.
Ulrich Jura, Leiter Feldanbau bei der Agrargenossenschaft Quitzow, sagte: "Ich
finde es richtig, dass sich endlich mal jemand traut, denn an der Gentechnik
kommen wir nicht vorbei. Nur bei Stärkekartoffeln sehe ich nicht recht den
Sinn, denn ähnliche Resultate wurden bereits durch natürliche Zucht
erreicht", sagte der Landwirt.
Ab 26. Januar liegen die Unterlagen vier Wochen lang im Perleberger Rathaus
aus. Während weiterer vier Wochen sollen die Anregungen und Einwände geprüft
werden. BASF rechnet für Mitte, Ende April mit dem Versuchsbeginn.
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