maz.de - 20.01.2007

Gen-Kartoffeln in Sükow?

BASF plant Freilandversuch ab April auf knapp 80 Hektar

ANDREAS KÖNIG
SÜKOW Mit einem großflächigen Freilandversuch soll die Gentechnik in der Prignitz Einzug halten. Der in Ludwigshafen ansässige Chemiekonzern BASF hat die Freisetzung von gentechnisch veränderten Kartoffeln beantragt. Der größte der drei Standorte ist laut einer öffentlichen Bekanntmachung Sükow bei Perleberg. Auf 79,4 Hektar sollen hier ab April gentechnisch veränderte Kartoffeln angebaut werden. Derselbe Antrag richtet sich noch auf zwei wesentlich kleinere Flächen in Bütow und Zepkow (Mecklenburg-Vorpommern).

"Wir bereiten die Genehmigung unserer neuen Kartoffelsorte Amflora vor", sagt Susanne Benner, Unternehmenssprecherin der BASF Plant Science GmbH in Ludwigshafen. Amflora ist eine Kartoffel, die genetisch so verändert wurde, dass sie keine Amylose mehr enthält. Dieser natürliche Stärkebestandteil sorgt für eine Trübung und Verklumpung der Stärke und ist in der industriellen Verarbeitung unerwünscht. "Besonders für die Herstellung hochglänzender Druckpapiere ist die Amflorastärke geeignet", nannte Susanne Benner eine Anwendung. Der Standort Perleberg sei in die engere Wahl gekommen, weil hier traditionell Stärkekartoffeln angebaut werden. Zum anderen wähle man Vertragspartner aus, die mit solchen Versuchen gut leben können, sagte die Unternehmenssprecherin.

Der Schrepkower Landwirt Karsten Jennerjahn, Präsident des Bauernbundes Brandenburg, lehnt den Anbau von genmanipulierten Pflanzen ab. "Es ist sicher eine Entscheidung des einzelnen Landwirtes, aber als Verband sind wir dagegen. Niemand weiß, ob und wie das genveränderte Erbgut auf andere Flächen gelangt", sagte er.

In die gleiche Richtung argumentiert Gebhard Scheel, Ökolandwirt aus Groß Leppin: "Ich finde es schlimm, dass die Landwirte selbst dazu beitragen, ihre Abhängigkeit von der Industrie zu vergrößern. Wohin das führen kann, sehe ich daran, dass es 1996 in Deutschland noch 150 unabhängige Getreidezüchter gab. Heute gibt es noch fünf Betriebe, die von der Industrie kontrolliert werden." Er wolle auf jeden Fall Einspruch gegen den Freilandversuch einlegen.

Ulrich Jura, Leiter Feldanbau bei der Agrargenossenschaft Quitzow, sagte: "Ich finde es richtig, dass sich endlich mal jemand traut, denn an der Gentechnik kommen wir nicht vorbei. Nur bei Stärkekartoffeln sehe ich nicht recht den Sinn, denn ähnliche Resultate wurden bereits durch natürliche Zucht erreicht", sagte der Landwirt.

Ab 26. Januar liegen die Unterlagen vier Wochen lang im Perleberger Rathaus aus. Während weiterer vier Wochen sollen die Anregungen und Einwände geprüft werden. BASF rechnet für Mitte, Ende April mit dem Versuchsbeginn.