maz.de - 12.01.2006

Informationen zu Bergerdamm und Ribbeck

Erster Genmais im Havelland

Buxtehuder Firma beantragte Anbau auf Flächen in Ribbeck und Bergerdamm

ANNETT LAHN
HAVELLAND Der Anbau von gentechnisch verändertem Mais für Versuchszwecke ist im Havelland geplant. Die in Buxtehude ansässige Firma Pioneer Hi Bred Northern Europe Sales Division GmbH beantragte die Freisetzung von Genmais für die Vegetationsperioden 2007 bis 2010. Bei Ribbeck und Bergerdamm liegen laut einer Bekanntmachung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zwei von sechs der in Brandenburg und Sachsen beantragten Versuchsflächen.

"Bei der Auswahl möglicher Orte für den versuchsweisen Anbau für Genmais schaut man, welche Region die passenden Bodenverhältnisse bietet", sagte Heinz Degenhardt, Sprecher der Buxtehuder Firma. Außerdem sollten die Felder gut erreichbar sein und die Betreuung vor Ort stimmen. "Das Wichtigste ist, Landwirte zu finden, die uns ihr Land verpachten."

Wer seiner Firma im Havelland Versuchsflächen überlassen würde, möchte Degenhardt nicht sagen. Es handle sich um kleine Parzellen. Der Anbau von drei Maissorten diene lediglich Versuchszwecken. "Die Produkte, die dort angebaut werden sollen, dürfen zwar nur in Ländern außerhalb der EU kommerziell produziert, aber nach Deutschland importiert werden." So sei es möglich, dass die Sorte NK 603, die unter anderem in Argentinien, Bulgarien, Kanada, Japan und Südafrika angepflanzt werden darf, in Ribbeck und Bergerdamm bereits als Futtermittel verwendet werde. "Man muss zwischen Anbau- und Importgenehmigung unterscheiden. In Europa werden an mehreren Standorten Feldversuche mit NK 603 durchgeführt", sagte der Fachmann. Die Freisetzung diene letztlich dazu, eine Anbaugenehmigung zu erhalten. Die gentechnischen Veränderungen würden die Pflanzen gegen einen Schädling resistent werden lassen, der die Wurzeln angreife.

Die Untere Naturschutzbehörde macht jedoch darauf aufmerksam, dass sich in unmittelbarer Nähe zu den Ribbecker Flurstücken geschützte Biotope befinden. Gleiches gilt für die Fläche in Bergerdamm. Diese liegt zudem im Europäischen Vogelschutzgebiet "Rhin-Havelluch".

Weltweit findet man bereits 90 Millionen Hektar mit gentechnisch veränderten Pflanzen, weiß der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Erhardt Lücke. Es handle es sich bei einem der beiden anvisierten Flurstücke um eine 500 Quadratmeter große Fläche, die von umliegenden Bereichen abgeschirmt ist. Im Havelland wäre das seines Wissens der erste Versuch mit Genmais. "Wir als Vertreter der Bauernschaft erwarten, dass sich unsere Forschung mit grüner Gentechnologie beschäftigt. Was der Landwirt auf seinen Feldern anpflanzt, ist seine freie Entscheidung und liegt in seiner Verantwortung." Der Kreisbauernverband verlange aber, dass die Politik Rahmenbedingungen für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen schaffe.

"Seitens des Kreises gibt es zu dieser Thematik derzeit keine bindende Aussage, deswegen gilt ein normales Verwaltungsverfahren, das mit dem Landesumweltamt abgeklärt wird", sagte Kreisumweltdezernent Henning Kellner. "Wir stehen wir für die maximale Sicherheit der Bürger, wollen neue Technologien und Fortschritt aber nicht verhindern."

Der Genehmigungsantrag und weitere Unterlagen können bis zum 26. Januar im Nauener Bürgerbüro, Rathausplatz 2, eingesehen werden.