Kampagne für Genfood
Helmut Lorscheid 21.10.2003
Greenpeace ist ein brisantes internes Papier des Metro-Konzerns
zugespielt worden
Aus der Gesprächsnotiz geht hervor, dass das größte deutsche
Handelsunternehmen gemeinsam mit den Gentechnik-Multis Monsanto und
Bayer eine Kampagne für Gen-Nahrung plant. Bei dem Papier handelt es
sich um das Protokoll eines Treffens zwischen Metro, Monsanto, Bayer,
dem Lobbyverband Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL)
sowie zwei Werbeagenturen.
Von Monsanto stammen - Greenpeace zufolge - 91 Prozent der weltweit
angebauten genmanipulierten Pflanzen. Der Konzern stört sich also
naturgemäß an der mangelnden Akzeptanz von Genfood. Die als
"Metro-Sitzung" bezeichnete Besprechung wurde von der
Managementberatung Dölle zusammengefasst. Wörtlich heißt es darin:
Anlass des Gesprächs war die gegenwärtige Greenpeace-Kampagne gegen
den Metro-Konzern. Metro hat in diesem Zusammenhang bereits ca. 6.000
von Greenpeace gedruckte Postkarten von Verbrauchern erhalten, in denen
u.a. aufgefordert wird, auf gentechnisch veränderte Produkte zu
verzichten. Darüber hinaus gab es eine gezielte Aktion von Greenpeace
Aktivisten im Future Store und an einigen Kaufhofstandorten. Neben der
Metro haben sich auch Tengelmann und Aldi bisher nicht dem Druck von
Greenpeace gebeugt; sie haben die geforderte Erklärung der Organisation
nicht unterzeichnet. Bei zahlreichen Handelsunternehmen wie auch
Markenartikelherstellern ist ein Trend auszumachen, GVO Rohstoffe zu
substituieren und nicht zu kennzeichnen. Die Frage ist, wie
vollständig, ab wann, wie lange zu welchen Kosten dies umsetzbar ist."
(Anmerkung: GVO = Genetisch veränderte Organismen)
Quelle[1]
Metro beabsichtigt "öffentlich keine Versprechungen abzugeben, die
mittel - und langfristig nicht zu halten sind (z. B. aufgrund
begrenzter Rohstoffe ohne GVO)" Man geht davon aus, dass die
Kennzeichnung voraussichtlich ab März 2004 umzusetzen sei und
entsprechend kommuniziert werden müsse.
Vor diesem Hintergrund besteht die Strategie darin, neben Tengelmann
und Aldi einige namhafte Markenartikelunternehmen für ein gemeinsames
Vorgehen zu gewinnen.
Die in dem Lobbyverband Agricultural Biotechnology in Europe (
ABE[2]) zusammengeschlossenen Gentech-Unternehmen sollen
schnellstmöglich ein Konzept erarbeiten, wie zum gegenwärtigen
Zeitpunkt eine zielführende Kommunikation zum Verbraucher aufgebaut
werden kann. Dabei sei auch die europäische Dimension zu
berücksichtigen und der Bund für Lebensmittelrecht und
Lebensmittelkunde (BLL) mit einzubinden.
Der BLL[3] verfügt über ein recht aktives Lobbybüro in Brüssel und
fungiert als wichtiger Ansprechpartner für Zeitungs- und
Fernsehredaktionen in allen Themenbereiche der Ernährung. Er wirbt
gerne mit dem Slogan "Transparenz nach innen und außen - die
Öffentlichkeitsarbeit des BLL".
Die Metro-Männer haben es offenbar eilig. Heute soll das zu
erarbeitende Kommunikationskonzept im Rahmen einer BDH-Sitzung
präsentiert werden. Die Bundesvereinigung Deutscher Handelsverbände (
BDH (http://www.bdh-handelsverbaende.de [4] - nicht mehr einsehbar) vertritt die deutschen Handelsverbände. Zu ihr gehört
beispielsweise der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels e.V.[5]
Findet das Metro-Konzept die Zustimmung der europäischen Genfood-Lobby
Agricultural Biotechnology in Europe soll die Dölle
Managementberatung (http://www.doelle.com/flash/index.htm [6] - nicht mehr einsehbar) unverzüglich mit der Konzepterarbeitung
beginnen. Dieses Konzept müsse u.a. folgende Fragen beantworten:
Wie werden Endverbraucher bis wann informiert? Mit welchen Argumenten
wird gearbeitet? Welche finanziellen Mittel müssen bereitgestellt
werden? Welche Medien werden genutzt?
Nach Bekanntwerden der Gesprächsnotiz gab sich die Metro ganz und gar
kundenorientiert und erklärte, im Zusammenhang mit der Einführung der
neuen Kennzeichnungsverordnung wolle die METRO Group ihre Kunden
frühzeitig und umfassend über die anstehenden Veränderungen
informieren:
... Die METRO Group hat sehr gute Erfahrungen damit gemacht, sich mit
möglichst vielen Beteiligten frühzeitig an einen Tisch zu setzen, um
Themen der Lebensmittelsicherheit und Verbraucheraufklärung umfassend
und verantwortungsvoll zu bearbeiten.(...) An den Kosten für die
Information der Kunden wird sich selbstverständlich die
Biotechnologie-Industrie beteiligen. Sie ist schließlich diejenige, die
Gentechnik in den Handel gebracht hat und bringen wird.
Für Alexander Hissing, Gentechnikexperte von Greenpeace, wird aus der
Gesprächsnotiz hingegen deutlich: "Metro macht sich zum Handlanger der
Gen-Industrie und täuscht seine Kunden". Schließlich lehne die große
Mehrheit der Verbraucher in Europa Gentechnik im Essen ab. Wohl deshalb
habe Metro noch Mitte September versichert, der Konzern werde auch in
seinen Eigenmarken wie "Tip" Gentechnik im Lebensmittelbereich nicht
gegen den Verbraucher oder am Verbraucher vorbei durchsetzen.
Zur Metro Gruppe, einem der weltweit größten Handelskonzerne (http://www.lmkonzgroup.de/servlet/PB/menu/1000080_l1/index.html#2 [7] - nicht mehr einsehbar),
gehören in Deutschland neben den METRO-Märkten im Lebensmittelbereich
auch die Real SB-Warenhäuser[8], Extra Verbrauchermärkte[9] und die
Kaufhof Warenhaus AG[10]
Links:
[1] http://www.greenpeace.org/multimedia/download/1/323517/0/Verbraucherkampagne_2003_1bis3.pdf
[2] http://www.abeurope.info
[3] http://www.bll.de
[4] http://www.bdh-handelsverbaende.de - nicht mehr einsehbar
[5] http://www.einzelhandel.de/servlet/PB/menu/-1/index.html
[6] http://www.doelle.com/flash/index.htm - nicht mehr einsehbar
[7] http://www.lmkonzgroup.de/servlet/PB/menu/1000080_l1/index.html#2 - nicht mehr einsehbar
[8] http://www.real.de/set/set.php?cont=home&user_flash=1&user_flash_version=6
[9] http://www.extramarkt.de/set/set.php?cont=home&user_flash=1&user_flash_version=6
[10] http://www.galeria-kaufhof.de
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