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Quelle/Text: Greenpeace (CS) - Samstag, 15. Mai 2004

Greenpeace kennzeichnet bundesweit Gen-Milch im Kühlregal

Müllermilch will nicht auf Gen-Futter für Kühe verzichten

Mit Warn-Aufklebern "Gen-Milch - Hände-Weg!" kennzeichnen Aktivisten von Greenpeace heute in Supermärkten in rund 50 Städten Milch-Produkte der Unternehmensgruppe Theo Müller. In Hamburg, München, Stuttgart, Leipzig, Magdeburg und Berlin werden Verbraucher vor und in Supermärkten außerdem mit Transparenten und Postkarten über den "Gen-Skandal" bei Müller informiert. Der Grund für die bundesweite Aktion: Bei der Produktion der Marken Müller, Weihenstephan, Sachsenmilch und Loose wird Milch verwendet von Kühen, die genmanipuliertes Tierfutter erhielten. Zwar müssen Zutaten aus Gen-Pflanzen und Gen-Futtermittel nach der neuen EU-Verordnung umfassend gekennzeichnet sein. Das gilt jedoch nicht für tierische Produkte wie Milch, Joghurt, Eier oder Fleisch, auch wenn zuvor Gen-Futter im Trog war.

"Müller glaubt, Gen-Soja verfüttern zu können, nur weil die Milch nicht gekennzeichnet werden muss", sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace. "Verbraucher können nicht erkennen, dass bei Müller Gen-Milch im Becher ist. Das wollen wir mit unserer Aktion ändern. Heute kann der Verbraucher wählen, ob er Gen-Food kauft oder nicht." Greenpeace fordert von Müller die Garantie, dass die Kühe kein Gen-Futter mehr erhalten.

Vertreter der Futtermittelindustrie bestätigen, dass Futtermittel ohne Gentechnik auf dem Markt verfügbar sind. Genmanipuliertes Sojaschrot ist jedoch etwas billiger als konventionelles Futter und wird deswegen mehr verkauft. Dabei ist der Verzicht auf Gen-Futter nicht teuer und im Endpreis für die Verbraucher nicht spürbar. Die Lage ist paradox: Die zusätzlichen Kosten entstehen durch den Anbau Gen-Pflanzen, müssen aber von denjenigen getragen werden, die auf Gentechnik verzichten wollen. Damit konventionelle Ware nicht mit genmanipulierten Pflanzen vermischt wird, sind getrennte Transporte und regelmäßige Kontrollen nötig. Zudem müssen die Futtermühlen zwei verschiedene Futterqualitäten verarbeiten.

"Wenn Müller behauptet, kein Futter ohne Gen-Pflanzen garantieren zu können, dann ist das eine glatte Lüge", sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace. "So bietet zum Beispiel die Ölmühle Mannheim gentechnik-freie Soja an. Namhafte Lebensmittelhersteller wie Wiesenhof oder Du Darfst/Unilever produzieren längst tierische Produkte ohne Gen-Futter. Außerdem brauchen Milchkühe kein Soja. Sie können einfach mit Raps, Mais, Gras und Heu gefüttert werden. Müller darf die Interessen Verbraucher nicht ignorieren, die große Mehrheit will keine Gentechnik im Essen."

Greenpeace protestiert derzeit weltweit gegen Gentechnik auf dem Acker und auf den Tellern. Mehrere hundert Aktivisten demonstrieren in Südamerika, Australien, Asien und Europa gegen den Im- und Export von genmanipulierter Soja. Im Mittelmeer ist das Greenpeace-Schiff Esperanza im Einsatz und begleitet Frachter, die genmanipulierte Pflanzen nach Italien und Europa bringen.

 
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