Frühstück bis zum Abend
Von Heike Mildner
Zollbrücke. Wohl kaum ein Frühstück wurde so von langer Hand vorbereitet wie
das am Sonntag im Theater am Rand in Zollbrücke. Für das "Frühstück am Rand"
hatten an die 40 regionale Anbieter Produkte gespendet, die sich - auch wohl
ein Novum für alle Beteiligten - in Form einer großen Frühstückstafel dort
präsentierten, wo sonst Theater oder Musik gespielt wird: auf der Bühne. Und
auch, wenn das Theater am Rand schon immer sehr offen und gastfreundlich war
so viele Frühstücksgäste gab es bislang hier nicht zu bewirten.
Im Laufe des Tages kamen und gingen wohl um die 350 Gäste, schätzen die
Veranstalter. Tobias Morgenstern freute sich über den regen Zuspruch ebenso
wie darüber, dass das schöne Wetter sich hielt. Und wenn beim nächsten
Einkauf im Discounter ein paar Leute mehr darüber nachdenken, was sie zu
essen beabsichtigen, ob das gut für sie ist und welche Alternativen es gibt,
hat der Musiker und Initiator der "Randthemen" erreicht, was er wollte.
Doch gab es in Zollbrücke weit mehr als ein genussreiches und vielfältiges
Frühstück regionaler Herkunft mit musikalischer Begleitung durch das
Damentrio "Muzet royal" an Akkordeon, Baß und Geige. Die Kinder amüsierten
sich beim Puppentheater, der Ziegenhof Rubin in Nachbarschaft des Theaters
konnte sich über viele neugierige Gäste freuen, es gab Infostände, eine
Ausstellung und eben viel Gutes auch zum heimischen Verzehr aus der Region.
Die Theorie zu alldem lieferte in Form eines Vortrags Sigmar Groeneveld,
emeritierter Professor für Agrarkulturen an der Universität Kassel. Er sieht
die Nahrungskette insbesondere durch die Gentechnik bedroht. Ein Standpunkt,
der den Mitveranstaltern vom NABU-Regionalverband Oberbarnim, der AG
Gentechnik Märkisch-Oderland, dem Film- und Videoclub Reichenow und dem
Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin/Brandenburg nicht fremd
sein dürfte. Letztere waren zu Elft per Rad zum Frühstück gekommen, hatten
entlang der Felder mit gentechnisch verändertem Mais Informationsblätter
verteilt und mit den Leuten geredet.
Absolut friedlich sei es zugegangen, meinte Thomas Janoschka vom
Aktionsbündnis. Er sei verwundert, dass es immer noch so viele Leute gäbe,
die gar nicht wüssten, was in ihrer Nachbarschaft auf dem Feld passiere und
wie gravierend die Veränderungen seien.
Um sechs Uhr abends radelten sie zurück Richtung Bahnhof. An der Straße
winkten von Waltraud Fischer und mit ihr befreundeten Künstlern gestaltete
Fahnen. "Monily und die Papierflieger" spielten ihre ersten Titel.
Ein paar hundert Meter entfernt lief im Dammmeisterhaus ein satirischer Film
über Gentechnik und Politik. Ein schönes Frühstück kann man manchmal eben
richtig schön ausdehnen.
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