tagesspiegel 28.08.2001
Wissenschaftssommer
Gentechnik im Disput
Der Berliner Wissenschaftssommer ab 12. September steht im Zeichen der
Genomforschung. Kritiker rufen zu Störungen auf
Barbara Junge
Bundeskanzler Gerhard Schröder ist als Ehrengast geladen.
Forschungsministerin Edelgard Bulmahn flankiert als Expertin. Und Frank
Elstner moderiert die große Fernsehshow, die am 12. September im
Daimler-Chrysler Atrium am Potsdamer Platz mit vielen Prominenten aus
Wissenschaft, Sport, Kultur und Poltik steigen soll. Als Auftakt zum
Wissenschaftssommer 2001, einer umfangreichen Reihe von Ausstellungen, Foren
und Diskussionen. Im Mittelpunkt der diesjährigen fünftägigen Veranstaltung:
die Gentechnik.
Die Gentechnik haben auch andere gesellschaftliche Gruppen im Visier, die
für den 12. September zum Potsdamer Platz mobilisieren. Für den Tag der
Auftaktveranstaltung rufen gleich zwei Gruppen von Gentechnik-Gegnern zu
Aktionen gegen den Wissenschaftssommer auf. Eine Kundgebung mit 200
Demonstranten hat der PDS-Abgeordnete Steffen Zillich für ein Bündnis
gentechnikkritischer Gruppen unter dem Motto "Gentechnik ist nicht sexy"
angemeldet. Für eine weitere Kundgebung wird im Internet mobilisiert - das
Motto "Gentechnik interessiert uns brennend" ist als Drohgebärde gemeint und
wird so auch von den Sicherheitsbehörden aufgefasst.
Die Debatte um die Nutzen der und Bedenken gegen die Genomforschung ist
Bestandteil des Wissenschaftssommers. Vielfältige Diskussionforen widmen
sich der Frage in der Reihe "Dialoge - Dispute". In ihren Aufrufen werfen
die Gegner der Veranstaltung aber gerade deshalb vor, eine
"Gentechnik-Propaganda-Show" zu inszenieren. Der Wissenschaftssommer in
Berlin sei "der Höhepunkt" einer bundesweit laufenden Veranstaltungsreihe,
bei der "der Segen der Gentechnik gepriesen" würde. In Berlin solle mit dem
gesamten Programm um die Akzeptanz der Gentechnik geworben werden.
Angesichts des militanten Potenzials von bundesdeutschen Gentechnik-Gegnern
bereitet sich die Berliner Polizei bereits jetzt auf die Veranstaltung vor.
In der vergangenen Woche hat ein Gespräch mit dem Demonstrationsanmelder
Zillich stattgefunden, der Verfassungsschutz wurde konsultiert, diese Woche
folgen Gespräche mit dem Veranstalter des Wissenschaftssommers und weitere
Koordinationsgespräche der Sicherheitsbehörden. Bei der angemeldeten
Kundgebung befürchtet man von Seiten der Polizei keine Straftaten. Deshalb
gebe es auch keine Veranlassung, die Demonstration zu untersagen oder mit
Auflagen zu belegen. Einzig die Aufteilung des Marlene-Dietrich-Platzes, für
den sowohl die Kundgebung als auch die der Fernsehshow folgende
Open-Air-Party angemeldet sind, müsse noch abgesprochen werden.
Mehr Sorge bereiten den Sicherheitsbehörden anonyme Aufrufe im Internet.
Dort heißt es von "einigen GENervten BerlinerInnen" man wolle die
Eröffnungsveranstaltung mit "direkten Aktionen" begleiten. Ziel solle es
sein, die Veranstaltung "zu behindern oder gar zu verhindern". Die Gegner
haben offenbar vor, die Eingänge ins Atrium zu blockieren, "viele andere
Aktionen" seien denkbar. Um in der Menge der Besucher nicht aufzufallen,
fordern die Kritiker alle Gegner auf, unauffällige Kleidung zu tragen.
Der polizeiliche Staatsschutz koordiniert nun die Vorbereitungen und tüftelt
an einem Sicherheitskonzept für die hochrangig besetzte und besuchte
Veranstaltung. "Wir nehmen die Aufrufe ernst", sagt eine Polizeisprecherin,
"und werfen ein wachsames Auge auf die Vorbereitungen". In der Vergangenheit
habe es im Bundesgebiet Anschläge auf Fahrzeuge und auf Gebäude im
Zusammenhang mit Projekten der Genforschung gegeben. Auf einen Anschlag auf
ein Fahrzeug nehmen auch die anonymen Aufrufer Bezug. Zwar erwartet die
Polizei nach derzeitigem Stand keine gewaltsamen Aktionen, "aber wir rechnen
mit spontanen Störaktionen", so die Polizeisprecherin. Dabei könne man auch
Strafaten nicht ausschließen. Auch die Chefin des Berliner
Verfassungsschutzes, Claudia Schmid, geht noch davon aus, dass die Aktionen
friedlich bleiben und "demonstrativen Charakter" tragen. Doch unter
Sicherheitsexperten heißt es auch: "Das Thema ist von Natur aus
störanfällig."
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Kundgebungstext
Presseerklärung
Plakat zur Kundgebung
Genervt!
Polizei versucht Kundgebung zu behindern
GENua
Dialog ist nicht erwünscht
telepolis.de
Taz Kolumne 13.09.01
junge welt 13.09.01
Berliner Zeitung 25.08.01
tagesspiegel 28.08.01
tagesspiegel 30.08.01
tageszeitung
Berliner Morgenpost
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