taz Berlin lokal Nr. 6548 vom 13.9.2001, Seite 32, 71 Kommentar, ARMIN
BEBER, Kolumne
blade runner
Ford gegen Nitsch
Wer fragt, stirbt
Der Wissenschaftssommer Berlin soll alle ansprechen. Nicht nur die
forschende Elite in unserem Land. Auch Frauen, Alte und Kinder. Den Dialog
mit Jugendlichen eröffnet die Wissenschaft im Cinemaxx am Potsdamer Platz.
Bis Montag werden dort Schulklassen Filme mit wissenschaftlichem Anspruch
gezeigt und nachbereitet. Das erste Expertenteam für diese neue Form der
Dialogkultur bilden Blade Runner Harrison Ford und Robert Nitsch,
Neurobiologe vom Institut für Anatomie der Charité.
Der eine hat mit fragenden Replikanten im Jahr 2019 zu tun, die trotz ihrer
künstlichen Herkunft Emotionen und Bewusstsein entwickelt haben und nun die
Antwort auf elementare Fragen wie "Was bin ich?" und "Wie lange habe ich
noch zu leben?" wissen wollen. Der andere steht der gesamten Oberstufe der
Köpenicker Merian-Schule gegenüber. Deren Fragesteller finden die Forschung
an embryonalen Stammzellen mitunter verwerflich und statt über das Wie der
Forschung wollen sie lieber über das Ob diskutieren. Lassen sich solche
Forschungsprojekte überhaupt rechtfertigen?
Replikant Leo stirbt sofort, kaum dass ihm Blade Runner Ford die Antwort
gegeben hat. Robert Nitsch hat da Skrupel. Er kann kritischen Fragestellern
die Kompetenz, eine in die Tiefe gehende Diskussion führen zu können,
absprechen. Er kann Fragen als "eigentlich unverschämt" abkanzeln oder seine
Rede mit Fremdwörtern spicken, um auch die letzten Aufrechten sanft
entschlummern zu lassen. Töten ist kein Argument, und Wissenschaftlern darf
auch nicht pauschal die Moral abgesprochen werden.
Findet Nitsch und bemüht sich deshalb um differenzierte Antworten: "Man
sollte keine Menschen klonen. Jedenfalls nicht ganze Menschen." Bevor den
Medien jetzt Falsches unterstellt wird: Der das sagt, ist kein böser
Wissenschaftler. Die sind am Ende des Films nämlich immer alle tot. ARMIN
BEBER
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Kundgebungstext
Presseerklärung
Plakat zur Kundgebung
Genervt!
Polizei versucht Kundgebung zu behindern
GENua
Dialog ist nicht erwünscht
telepolis.de
Taz Kolumne 13.09.01
junge welt 13.09.01
Berliner Zeitung 25.08.01
tagesspiegel 28.08.01
tagesspiegel 30.08.01
tageszeitung
Berliner Morgenpost
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