Die Aufklärer kommen
Lernen, lernen, nochmals lernen!: der Wissenschaftssommer Berlin 2001
Wissen Sie, was ein Gen ist? Was verbirgt sich hinter Begriffen wie
Klonierung, Gendiagnostik oder Novel Food? Sie haben keine Ahnung. Das muß
nicht sein! Seit heute bemühen sich einige Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler, dem noch völlig ahnungslosen Publikum die Materie auf der
Veranstaltungsreihe »Wissenschaftssommer Berlin 2001« nahezubringen. Ziel
sei es, so die Veranstalter, »einer breiten Öffentlichkeit Wissenschaft
aktuell und anschaulich zu vermitteln«.
Eigentlich ein ehrenwertes Ziel. Will doch niemand dumm sterben. Mit Hilfe
von Diskussionen, Talk-Shows und Symposien soll die noch nötige Akzeptanz
für die Forschungsergebnisse aus dem Wissenschaftsbereich der Gentechnik und
der neuen Reproduktionstechnologie geschaffen werden. Obwohl der thematische
Schwerpunkt des Wissenschaftssommers 2001 die »Lebenswissenschaften« sind,
die alle Bereiche der Biologie, der Medizin und ebenso die Genforschung
vereinigen soll, scheint letzteres im Mittelpunkt zu stehen.
Doch in Berlin regt sich der Widerstand. Ein Bündnis von
gentechnikkritischen Gruppen befürchtet einen Monolog der
Wissenschaften: »Die einen reden, schreiben zeigen; die anderen, das
Publikum, sollen hören, staunen, sehen. Unter Überschriften wie "Science
Street", "Gen-Dschungel", "Rätsel des Lebens" und "Kosmos Hirn" wird eine
Alphabetisierungskampagne in Sachen Wissenschaft professionell
rganisiert.« So wurden vier Millionen Mark in sogenannte Kreativagenturen
investiert, um eine perfekte Inszenierung zu schaffen. Eine Wunschliste wird
dazu gereicht, die eine Verlängerung des Lebens verspricht, die Sicherung
der Welternährung sowie die Lösung sozialer und ökologischer Probleme
verheißt. Die gesellschaftliche Analyse der Ursachen von Armut und Reichtum
ist dagegen ein alter Hut. Ein weiteres Protestfeld ergibt sich aus den
Äußerungen des Berliner Gen-Gurus Detlev Ganten (u.a.
Aufsichtsratsvorsitzender des Biomedizinischen Forschungscampus Berlin-Buch
und Vorsitzender der Hermann-von-Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren). Der hatte auf der Auftaktveranstaltung zum »Jahr der
Lebenswissenschaften« die Entscheidung des britischen Parlamentes, das
Klonen von menschlichen Embryonen zu Forschungszwecken zu gestatten,
als »mutig« bezeichnet und die »Gutmenschen-Tendenz« der Deutschen
wegen »des Nationalsozialismus, der ständig für Tabus und Grenzen in der
Forschung sorgt«, kritisiert.
Die Verstrickung der Wissenschaften mit der Naziherrschaft am Beispiel der
wissenschaftlichen Ausarbeitung des »Generalplan Ost« versucht dagegen ein
Bündnis von ehemaligen Zwangsarbeitern mit einem alternativen Berliner
Wissenschaftssommer in das öffentliche Bewußtsein zu rücken. Zu Wort kommen
soll neben dem Historiker Prof. Dietrich Eichholz auch der Zeitzeuge Günter
Nobel, der über seine Diskriminierung als Studierender an der
Friedrich-Wilhelm-Universität 1933 bis 1945 berichten wird. Ein weiteres
Thema werden die Vorstellung eines Forschungsprojekts »Zionistische
Jugendarbeit und landwirtschaftliche Ausbildung in Berlin- Brandenburg 1930
bis 1942« von der Universität Potsdam und der Brandenburger Zentrale für
politische Bildung sein.
Besonders interessant dürfte der Abschlußabend mit den Gesprächspartnern
Prof. Thomas Kuczynski (Wirtschaftshistoriker), Gisela Wenzel (Berliner
Geschichtswerkstatt), Prof. Wolfgang Wippermann (Freie Universität) und
Lothar Eberhardt (Interessengemeinschaft ehemaliger Zwangsarbeiter unter dem
NS-Regime) werden.
Sören Bronsert
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Kundgebungstext
Presseerklärung
Plakat zur Kundgebung
Genervt!
Polizei versucht Kundgebung zu behindern
GENua
Dialog ist nicht erwünscht
telepolis.de
Taz Kolumne 13.09.01
junge welt 13.09.01
Berliner Zeitung 25.08.01
tagesspiegel 28.08.01
tagesspiegel 30.08.01
tageszeitung
Berliner Morgenpost
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