Berliner Zeitung vom Samstag, 25. August 2001
Gentechnik-Gegner wollen "Wissenschaftssommer" stören
Polizei und Staatsschutz verstärken Sicherheitsvorkehrungen Andreas Kopietz
Der für September geplante "Berliner Wissenschaftssommer" ist ins Visier der Gentechnik-Gegner
geraten. In Internet-Aufrufen heißt es, mehrere Gruppen
würden sich "auf direkte Aktionen" gegen die international hochrangig besetzte Veranstaltung
vorbereiten. Polizei und Verfassungsschutz nehmen die Drohungen ernst. "Die
Aufrufe tun wir nicht als Spinnerei ab", sagt eine Polizeisprecherin.
Die bisher geplanten Sicherheitsvorkehrungen sollen deutlich verstärkt werden. In
der nächsten Woche gibt es dazu ein Treffen der Veranstalter mit der
Abteilung Staatsschutz bei der Polizei.
Beim Wissenschaftssommer vom 12. bis 17. September stellen Wissenschaftler und
Forschungsinstitute auf zahlreichen Veranstaltungen und Diskussionsforen ihre Arbeit vor.
Thema sind "Lebenswissenschaften" wie Biologie und Medizin. Auch Fragen der
Gentechnik sollen öffentlich diskutiert werden.
Zur Eröffnungsveranstaltung im Atrium des DaimlerChrysler-Hauses am
Potsdamer Platz werden 450 geladene Gäste, darunter Bundeskanzler Gerhard
Schröder (SPD), erwartet. "Auf jeden Fall werden wir die Einlasskontrollen
verschärfen", sagte Sonja Brandt-Michael, Geschäftsführerin der Initiative
"Wissenschaft im Dialog", die den Wissenschaftssommer organisiert.
Während der Eröffnungsveranstaltung soll es am benachbarten
Marlene-Dietrich-Platz eine Gegenkundgebung geben. Sie steht unter dem Motto
"Gentechnik ist nicht sexy". Dazu aufgerufen hat ein Bündnis mehrerer
Gruppen, darunter das "Barnimer Aktionsbündnis gegen gentechnische Freilandversuche",
Antifa-Gruppen, "sexual-emanzipatorische" und feministische Gruppen sowie die BUND-Jugend. "Um Bedenken gegen die
Gentechnik zu beseitigen, werden solche Veranstaltungen wie der
Wissenschaftssommer gemacht", sagt Thomas Janoschka vom Aktionsbündnis.
Dass der Aufruf zur Gegendemo bisher anonym ist, stört Janoschka nicht. "Er
ist jedenfalls nicht anonym gemeint", sagt er.
Ein anderer anonymer Aufruf zur selben Gegenkundgebung steht unter dem
Motto "Gentechnik - interessiert uns brennend". Das Motto beziehen die
Veranstalter auf einen Brandanschlag auf das fahrbare Genlabor des
Bundesforschungsministeriums im vergangenen Jahr. "Wir verbinden
Gentechnik mit Rassismus, Eugenik, Polizei- und Überwachungsstaat,
Umweltzerstörung, Ausbeutung und Tierquälerei", heißt es in dem Aufruf. Der
Wissenschaftssommer sei eine "pompöse und unkritische
Propagandaveranstaltung".
Auch der Direktor des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin,
Professor Detlev Ganten, der in dem Aufruf als "Gen-Guru" bezeichnet wird, ist
besorgt. Er will allerdings nicht, dass der Wissenschaftssommer "hinter
verschlossenen Türen" stattfindet: "Wir suchen den Dialog mit breiten Kreisen
der Gesellschaft." Nach der Eröffnung ist auf dem Marlene-Dietrich-Platz eine
Veranstaltung geplant, zu der jeder Zutritt haben soll. Wie dort Störer fern
gehalten werden sollen, wissen die Organisatoren nicht genau. "Wir werden alles
tun, was die Polizei uns empfiehlt", sagt Sonja Brandt-Michael. Wie viele
Polizisten im Einsatz sein werden, wollen die Verantwortlichen nicht sagen. Die
Chefin des Landesamtes für Verfassungsschutz, Claudia Schmid, sagte: "Wir
haben noch keine Anhaltspunkte dafür, dass es zu etwas anderem als zu
demonstrativen Aktionen kommen wird."
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Kundgebungstext
Presseerklärung
Plakat zur Kundgebung
Genervt!
Polizei versucht Kundgebung zu behindern
GENua
Dialog ist nicht erwünscht
telepolis.de
Taz Kolumne 13.09.01
junge welt 13.09.01
Berliner Zeitung 25.08.01
tagesspiegel 28.08.01
tagesspiegel 30.08.01
tageszeitung
Berliner Morgenpost
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