Barnimer Aktionsbündnis gegen gentechnische Freilandversuche
Pressemitteilung (20.08.99)

Öffentliche Ernteaktion

GentechnikgegnerInnen wollen am 22.August in Schönfeld im Rahmen eines Aktionscamps gentechnisch manipulierte Pflanzen abernten

Der Höhepunkt des vom Barnimer Aktionsbündnis gegen gentechnische Freilandversuche veranstaltete Aktionscamp für eine gentechnikfreie Landwirtschaft wird am 22.August in Schönfeld eine öffentlich angekündigte Ernteaktion sein. Das ist eine Premiere in Deutschland, da solche Ernteaktionen sonst unangemeldet und in der Regel geheim und in der Nacht durchgeführt werden. Bisher ist es der Polizei nicht gelungen, auch nur einen der wohl zahlreichen nächtlichen ErntehelferInnen ausfindig zu machen. Das Barnimer Aktionsbündnis fordert alle GentechnikgegnerInnen auf, sich an dieser Ernteaktion zu beteiligen. Ziviler Ungehorsam gegen die unverantwortliche Politik der Gentechnikkonzerne und der verantwortlichen Politiker sei gerechtfertigt.
In Schönfeld testet die Hoechst und Schering Tochter AgrEvo genmanipulierte Mais-, Zuckerrüben- und Rapspflanzen. Sie enthalten ein Gen, welches die manipulierten Pflanzen resistent gegen das von Hoechst hergestellte Totalherbizid (Pflanzenvernichtungsmittel) Liberty (früher Basta genannt) macht.
Mit der Gentechnologie ist es möglich geworden, artübergreifende Erbsubstanz neu zusammenzustellen und neuartige Lebewesen zu schaffen. Die ökologischen, gesundheitlichen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Folgen sind unabsehbar. Einmal in die Umwelt freigesetzt, sind gentechnisch veränderte Organismen nicht mehr rückholbar. Wenn gentechnisch veränderte Organismen und Erbinformationen sich ausbreiten, kann das katastrophale Folgen haben. Der Gesetzgeber hat keine umfassende Haftungsregel getroffen. Schäden dieser Art werden bis heute von keiner Versicherung gedeckt. In Schönfeld wächst inzwischen gentechnisch manipulierter Raps als Unkraut und an anderen Standorten wurde die Auskreuzung auf verwandte Unkräuter nachgewiesen. Gentechnik ist ein Angriff auf vorhandene Alternativen zur Gentechnik-Landwirtschaft und die biologische Vielfalt insgesamt. Pollenflug und Samenausbreitung machen vor Flächen, die noch gentechnikfrei sind, nicht halt. In Süddeutschland haben die Gerichte Klagen von Biobauern gegen Genfelder in ihrer unmittelbaren Nähe abgewiesen. Diese Bauern sind damit in ihrer Existenz gefährdet.
Gentechnik bringt große gesundheitliche Gefahren mit sich. Bis auf die BRD und Spanien ist in allen EU-Mitgliedsstaaten der Anbau von Novartis-Genmais wegen der Gefahr der Verbreitung von Antibiotikaresistenzen verboten worden. NahrungsmittelallergikerInnen befürchten, daß sie durch die neuen Inhaltsstoffe in der Nahrung gefährdet werden. Zahlreiche Wissenschaftler warnen vor Gefahren der manipulierten Nahrung. Die große Mehrheit der Verbraucher lehnt Gentechnik in Lebensmitteln ab. Trotzdem bringen die großen Gentechnikkonzerne in Zusammenarbeit mit Nahrungsmittelherstellern manipulierte Lebensmittel auf den Markt, ohne sie entsprechend zu kennzeichnen und so dem Verbraucher eine selbstbestimmte Entscheidung zu ermöglichen.
Das Barnimer Aktionsbündnis gegen gentechnische Freilandversuche existiert seit drei Jahren und wendet sich gegen die Freilandversuche in Schönfeld und im Nachbarort Tempelfelde, wo der Gentechnikkonzern Monsanto manipulierte Pflanzen freisetzt. In diesem Jahr veranstaltet das Aktionsbündnis seit dem 13.August das Aktionscamp für eine gentechnikfreie Landwirtschaft an dem sich bisher ca. 200 Menschen beteiligten. Neben vielfältigen Aktionen beschäftigen sich die TeilnehmerInnen inhaltlich mit der Gentechnik aber auch mit anderen Problemen wie z.B. dem Rechtsextremismus in Brandenburg.

Treffpunkt: 15 Uhr im Aktionscamp
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AGREVO gibt auf
Öfentliche Ernteaktion
Bilder zum Camp