Barnimer Aktionsbündnis gegen gentechnische Freilandversuche
GRÜNE LIGA Berlin e.V.
Gemeinsame Pressemitteilung vom 09.08.1999
Aktions-Camp am Gen-Feld bei Bernau
in der Nähe des Versuchsfeldes in Schönfeld (nordöstlich von Berlin) findet vom 13.-23. August 1999 ein "Aktionscamp für eine gentechnikfreie Landwirtschaft" statt
Auch in diesem Jahr ist die Zahl der Freisetzungen gentechnisch veränderten Organismen wieder angestiegen. In Deutschland werden auf 167 Standorten gentechnisch manipulierte Pflanzen angebaut. Die Versuchsreihen werden u.a. von Konzernen wie Novartis (Schweiz), Monsanto (USA), AgrEvo (Tochter von Hoechst und Schering, Deutschland) durchgeführt. Die dabei angebauten Pflanzen dürfen noch nicht in den Handel gebracht werden, da sie sich erst in der Testphase befinden. Inzwischen gibt es aber auch schon kommerziellen Anbau in Deutschland. So wachsen in diesem Jahr auf 500 Hektar genmanipulierte Maispflanzen.
Doch eine deutliche Mehrheit der Verbraucher lehnt Gentechnik bei der Herstellung von Lebensmitteln ab. Auf Grund des Druckes der Verbraucher mußten zahlreiche Lebensmittelhersteller und Supermarktketten genmanipulierte Produkte wieder aus ihrem Sortiment nehmen. Die EU hat inzwischen einen vorläufigen Zulassungsstopp für gentechnisch veränderte Pflanzen erlassen.
In diese Auseinandersetzung versucht das Barnimer Aktionsbündnis gegen gentechnische Freilandversuche einzugreifen, in dem es ein Aktions-Camp am Gen-Feld veranstaltet.
Im Landkreis Barnim (nordöstlich von Berlin) gibt es gleich zwei Versuchsfelder mit genmanipulierten Pflanzen. Monsanto setzt in Tempelfelde bei Bernau seit 1997 Winterraps und seit 1998 Mais frei. In Konkurrenz dazu bewirtschaftet die Firma AgrEvo die seit 1996 genehmigten Felder im Nachbarort Schönfeld mit genmanipulierten Zuckerrüben, Raps und Mais.
Auf beiden Standorten handelt sich um Gen-Pflanzen, die gegen ein Totalherbizid resistent gemacht wurden, d.h. das Pflanzenvernichtungsmittel wirkt gegen alle Pflanzen außer die manipulierten. Das genmanipulierte Saatgut soll dann nur in Verbindung mit dem Herbizid verkauft werden, wobei beide von demselben Hersteller kommen. So wollen die Gen-Firmen doppelt verdienen - die Bauern aber werden in die Abhängigkeit von dem Unternehmen getrieben.
Von vielen Freisetzungsanträgen erfahren selbst kommunale Behörden erst kurz vor der Freisetzung. Der normale Bürger erfährt nichts davon, denn das Robert-Koch-Institut als Genehmigungsbehörde ist nicht zur Veröffentlichung von Freisetzungen verpflichtet. Nur durch die Anforderung der Unterlagen durch das Gen-ethische Netzwerk und die Öffentlichkeitsarbeit des Barnimer Aktionsbündnisses wurden die geheimgehaltenen Freisetzungsstandorte bekannt.
Bei den Freilandversuchen ist es entgegen den Versicherungen der Gen-Industrie schon wiederholt zu biologischen Unfällen gekommen. So hat sich bei Freilandversuchen in der Bundesrepublik und in Dänemark genmanipulierter Raps wiederholt über die Sicherheitszone hinaus mit kilometerweit entfernten verwandten Wildarten gekreuzt. Damit ist die Übertragung von Genen auf benachbarte Pflanzen außer Kontrolle geraten. Niemand kann vorhersagen, welche weiteren Veränderungen im Erbgut der Wildarten stattfinden werden.
Bauern können als Folge von Freilandversuchen in der Nachbarschaft eine Beeinflussung ihrer Pflanzen durch die Genmanipulation nicht mehr ausschließen. Sie sind damit in ihrer Existenz gefährdet.
Von Anfang an sind die Versuche durch Proteste von Gentechnikgegnern begleitet worden, so daß die Aussaat fast immer unter Polizeischutz stattgefunden hat. In diesem Jahr findet nun vom 13. bis 23. August während der Winterraps-Aussaat in der Nähe des Schönfelder Ackers das Aktionscamp statt. Neben vielfältigen Aktionen und kulturellen Veranstaltungen wird es inhaltliche Auseinandersetzungen über Gentechnik und andere Themen geben. So findet z.B. am 14. August eine Fahrraddemonstration von Bernau über die Versuchsfelder zum Camp statt.
|
Ankündigung
1. Pressemitteilung
2. Pressemitteilung
3. Pressemitteilung
AGREVO gibt auf
Öfentliche Ernteaktion
Bilder zum Camp
|