Pressemitteilung vom 28.10.1999

Proteste erzwingen Aufgabe eines Gen-Versuchfeldes

AgrEvo gibt ihren Freilandversuch in Schönfeld (Kreis Barnim) auf

Die Hoechst-Schering Tochter AgrEvo, eine der ganzen großen im Gentechnikgeschäft, erklärte in der letzten Woche auf einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz die Aufgabe des Versuchstandortes Schönfeld. Seit über 3 Jahren wurden hier gentechnisch manipulierte Mais-, Raps- und Zuckerrübenpflanzen ausgebracht. Die Genehmigung für diese Freisetzungen läuft noch bis zum Jahre 2006.
Von Anfang an wurden diese Gentechnikversuche in Schönfeld von einer Bürgerinitiative, dem Barnimer Aktionsbündnis gegen gentechnische Freilandversuche, kritisch begleitet. Die Mitteilung des Chemiekonzerns hat beim Barnimer Aktionsbündnis großes Erstaunen und Freude ausgelöst. Erstaunen deshalb, weil die Freilandversuche von AgrEvo jetzt plötzlich, sieben Jahren früher als geplant beendet werden. Ausserdem stellen die GentechnikkritikerInnen die Frage, warum die AgrEvo nur in Schönfeld die Versuche beendet und nicht auch die auf den anderen Versuchsfeldern? Das Aktionsbündnis vermutet hinter dem von der AgrEvo behaupteten "erfolgreichen Abschluss" etwas völlig anderes: massive Proteste.
Presseerklärungen, Podiumsdiskussionen und Postwurfsendungen informierten die Bevölkerung in den umliegenden Gemeinden über die Existenz und die Gefahren der Freisetzungen. Mit vielfältigen Aktionen wie Protestwanderungen und Feldbesetzungen wurde Druck auf die AgrEvo ausgeübt. Höhepunkt des Protestes war in diesem Jahr das Aktionscamp für eine gentechnikfreie Landwirtschaft. Zehn tagelang campten 20-50 Menschen ständig in der Nähe der Versuchsfelder in Schönfeld und Tempelfelde und verhinderten so während dieser Zeit die von der AgrEvo geplante Aussaat von gentechnisch manipuliertem Winterraps. Zahlreiche Aktionen unter anderem ein Besuch beim brandenburgischen Landwirtschaftsminister und die erste öffentliche Ernteaktion in Deutschland waren nun wohl der ausschlaggebende Punkt, der die AgrEvo zur Aufgabe bewegte. Die AgrEvo war immer bemüht, die Proteste zu kriminalisieren und einzuschüchtern. So verschickte sie z.B. Drohbriefe mit Schadenersatzforderungen und stellte Anzeigen gegen die GentechnikkritikerInnen Ergänzend zu den Aktivitäten des Barnimer Aktionsbündnises ernteten Unbekannte auch immer wieder die genmanipulierten Pflanzen vorzeitig ab.
Das Barnimer Aktionsbündnis wertet den Rückzug von AgrEvo aus Schönfeld als großen Erfolg. Es wird jetzt vor allem sein Augenmerk auf den Nachbarort Tempelfelde richten, wo der Gentechnikkonzern Monsanto manipulierten Mais freisetzt. Auch wird es darum gehen die örtlichen Bürgerinitiativen bundesweit zu vernetzen um gemeinsam ein Ende aller Freisetzungen von gentechnisch manipulierten Pflanzen durchzusetzen.
Ankündigung
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AGREVO gibt auf
Öfentliche Ernteaktion
Bilder zum Camp